Drinnen hängen Fetzen von den Decken, der Boden ist mit vergilbten Dokumenten übersät. Einige Brände hat es wohl auch schon gegeben. Vermoderte Aktenordner, Sechzigerjahre-Möbel und eine Schreibmaschine mit arabischen Schriftzeichen erinnern an Zeiten in der einstigen Irakische Botschaft in Pankow, als hier noch gearbeitet wurde. Auf die Gegenwart weisen nur die vielen Graffiti hin. Ein unheimlicher Ort, sicher gut geeignet als Kulisse für einen Horrorfilm.

Liest man den Blog-Eintrag von Jamie Miller* zu dem Gebäude, so bekommt man dagegen den Eindruck, Besucher reichten sich hier die Klinke in die Hand. „Great place“, „incredible time“, „nice little trip“ steht in den Kommentaren.

Was die Besucher und den Blogger Miller* eint, ist ein Faible für morbiden Charme und die Lust am Verbotenen. Man könnte sie als Ruinentouristen bezeichnen.

Miller, der als Sportjournalist arbeitet, bloggt über verlassene Orte in und um Berlin. Was er dort findet, wie man hin und vor allem hineinkommt, beschreibt er auf seinem Blog. Er postet Fotos, warnt vor Risiken wie etwa Gebäudeteilen, die einsturzgefährdet wirken. Und er bewertet den Schwierigkeitsgrad: Ob es zum Beispiel Wachleute gibt, ob man klettern muss, ob es schwer zu finden ist. Die irakische Botschaft liegt mit sechs von zehn Punkten im Mittelfeld. Reinkommen sei leicht, schreibt Miller, nur vor den Nachbarn und der Polizei solle man sich in Acht nehmen. Mehr als vierzig Orte hat Miller bereits beschrieben, von A wie Antique Gas Station bis W wie Wünsdorf-Waldstadt.

2009 mit dem Spreepark begonnen

Die Orte besucht er meist allein, gerne mit einem Bier im Gepäck. Dass es ihm um den Kick geht verrät die Unterzeile des Blogs: „If it’s verboten it’s got to be fun“.

Es begann 2009, als Miller, der gerade von Irland nach Berlin gezogen war, den Spreepark besuchte. Damals kletterte er über den Zaun. Geführte Touren, die dort später eine Zeit lang angeboten wurden, gab es nicht. Er streunte stundenlang durch den verlassenen Vergnügungspark, fotografierte Dinos und Riesenrad. Danach suchte er nach immer mehr verfallenen Orten.