Als Dieter Kramer 1968 in die Lübbener Straße zog, betrug die Miete für die 70 Quadratmeter große Parterrewohnung mit Werkstatt 70 D-Mark. Kreuzberg, vor allem der damalige Postzustellbezirk 36, also SO 36, war damals eine Gegend für Ärmere und Ältere, wenig später folgten die türkischen Gastarbeiter. „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass man im Jahr 2010 dort für eine 100-Quadratmeter-Wohnung umgerechnet 250.000 Euro hinblättern muss, so hätte ich ihn für verrückt gehalten“, sagt der Fotograf und Autor.

Der heute 70-Jährige hat Tausende Fotos „seines“ Stadtteils gemacht, 550 davon sind in einem Fotobuch zu sehen, das an diesem Mittwoch im Kreuzberg-Museum (19.30 Uhr, Adalbertstraße 95a) vorgestellt wird.

„Abbruch, Aufbruch, Umbruch“ heißt das Buch, der Titel trifft die vergangenen 45 Jahre gut. Erzählt wird nicht nur von billigen Wohnungen in Mietskasernen, auch vom Widerstand gegen die „Kahlschlagsanierung“ der Politik, der schließlich in der Hausbesetzerszene gipfelte.

Dass der Oranienplatz nicht wie geplant zum Autobahnkreuz wurde, ist auch der Kreuzberger Rebellion zu danken. Auch der verunglückte Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park, der nur einen Sommer lang sprudelte, ist zu sehen. Und natürlich die jüngste Entwicklung, bei der immer mehr Traditionsläden den Touristen-Bars Platz machen. Und bei der billige Wohnungen Mangelware sind.