Abenteuer Chinashop: Wie Hinhaltetaktik selbst minimale Garantien unterläuft

Elektronik online günstig kaufen. So lautet das Versprechen. Der Onlineanbieter Banggood hält sich Reklamationen hartnäckig vom Leibe. Ein Erfahrungsbericht.

Eine Frau am Laptop
Eine Frau am Laptopimago/PantherMedia

Ich hätte gewarnt sein können, dass ein Kauf im Chinashop heißt, ins Risiko zu gehen. Hätte, hätte. Aber.

Erstens wollte ich das faltbare Solarpanel und die tragbare Powerstation gerne haben: Strom vom Himmel für den Außeneinsatz, wenn die nächste Steckdose weit weg ist, oder für den Notfall zu Hause. Zweitens war die Kombination mit 427 Euro preiswert. Drittens sah die Internetseite des Anbieters Banggood seriös aus.

Viertens lasen sich Bewertungen dieses Online-Chinashops im Netz recht positiv – aber nur die ganz oben stehenden. Hätte ich weitergelesen oder wenigstens das Kleingedruckte des Händlers selbst, wäre mir einiges erspart geblieben. Oder, positiv gewendet, ich wäre um eine Erfahrung ärmer.

Begegnung mit dem Blitzwolf

Es fing harmlos an: Die Sendung kam unbeschädigt und schnell. Das Solarpanel lud den schuhkartongroßen Akku namens Blitzwolf an einem Sonnentag voll. Ein Test der Powerstation ergab: Drei Stunden Fernsehen am Abend mit Sonnenstrom sind möglich. Vor allem aber die wichtigen Dinge – Licht, Handy- und Laptopladen – funktionierten.

Doch nach drei-, viermal Stecker raus und rein kamen die Kabel aus dem Inneren nach außen. Eine Schraubverbindung hatte sich gelöst; man müsste den Kasten auseinanderbauen, das aber sieht das Design nicht vor.

Auf der Internetseite komme ich in der Rubrik Rückgabe/Reparatur mit einem orangefarbenen Bärchen ins Gespräch. Ein Bot, natürlich, mit dem ulkigen Deutsch der Übersetzungsprogramme. Wir blieben fast zwei Monate in Kontakt. Ich schickte Fotos vom Schaden, Videos, Informationen über Reparaturversuche. Bärchen bedauerte die Unannehmlichkeiten, bot lächerliche Summen für die (unmögliche) Reparatur. Rücksendung und Tausch kamen nicht infrage. Zähes Hinhalten. Kurz: Ich hatte keine Chance. Eines Tages war das Reklamationsticket geschlossen.

Garantie bleibt bei Banggood („global leading online shop“) Theorie. Hier Erfahrungsberichte anderer Nutzer aus dem Netz: „Wenn man ein Problem mit der Ware hat, kommt man nicht mehr weiter. Der Kundenservice ist so ausgerichtet, dass eine Rücknahme unter jeden Umständen vermieden werden soll.“

Und weiter: „Bei Reklamationen erfolgt ein wochenlanges Hin und Her, letztendlich ohne Ergebnis für den Kunden. Es gibt keine Rücksendeadresse oder direkte Kontaktmöglichkeit. Nach dem Verkauf ist der Laden absolut kundenfeindlich.“ Die Opfer schreiben: „Finger weg!“ oder „Bestellung ist Lotterie.“ Ein Kauf von vier Solarpanels (drei davon defekt) verlief so: „Ich sollte die Panels für 200 Euro nach China schicken und monatelang warten.“

Also: Vorsicht! Chinashopping braucht Risikofreude, Geduld und gute Nerven. Es soll Leuten gelungen sein, Geld über Paypal zurückzuholen. Viel Glück.