Abgehängt: Diesen S-Bahn-Strecken in Berlin drohen lange Totalsperrungen

Eine Linke-Abgeordnete hat den Senat befragt. Die Antworten sind aufschlussreich – auch zu anderen Verkehrsthemen. So wird die neue Elsenbrücke teurer.

Stark genutzte Strecke: Auf dem Ostring fährt eine S-Bahn in die Station Treptower Park ein.
Stark genutzte Strecke: Auf dem Ostring fährt eine S-Bahn in die Station Treptower Park ein.Jens Kalaene/dpa

S-Bahn-Fahrgäste im Südosten Berlins müssen sich auf länger andauernde Totalsperrungen einrichten. Das Projekt, die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow neu zu bauen, wird teurer. Und ein Konzept, wie der Treptower Norden nach der Eröffnung des neuen Abschnitts der A100 vor einem Verkehrschaos geschützt werden soll, liegt bisher nicht vor. Die Treptower Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg hat den Senat zu aktuellen Verkehrsthemen befragt – das sind die Antworten, die nun eintrafen.

Vielerorts in Berlin wird gebaut, vielerorts müssen Fahrgäste und Kraftfahrer mit Baustellen rechnen. Doch es gibt Bereiche in dieser Stadt, die besonders intensiv und lange von Unterbrechungen betroffen sind. Dazu gehören der Norden des Bezirks Treptow-Köpenick sowie angrenzende Gebiete. Unter dem Titel „Verkehrschaos in Treptow“ hat die Abgeordnete Gennburg den Senat um aktuelle Informationen zu Mobilitätsthemen gebeten. Heraus kam eine „bunte Tüte“, so die Linke-Politikerin.

Ein Thema ist die S-Bahn, die in diesem Teil Berlins mangels U- und Straßenbahntrassen eine große Rolle spielt. Schon in den vergangenen Jahren wurden die Strecken Richtung Schöneweide, Adlershof, Grünau, Königs Wusterhausen und Schönefeld immer wieder unterbrochen, weil Anlagen saniert oder neu gebaut werden – etwa der Bahnhof Schöneweide. Die Antwort von Verkehrs-Staatssekretärin Meike Niedbal auf Gennburgs jetzige Anfrage zeigt, dass S-Bahn-Fahrgäste auch in den nächsten Jahren auf Schienenersatzverkehr ausweichen und Bus fahren müssen.

Auf zwei wichtigen S-Bahn-Routen müssen die Fahrgäste Bus fahren

„Im Rahmen der Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik sowie der Bahnenergieversorgung im Berliner S-Bahn-Netz wird in den kommenden Jahren bis 2028 der Bereich Treptower Park–Sonnenallee/Plänterwald mit neuer Zugsicherungstechnik, neuem elektronischem Stellwerk und Gleichstromunterwerk ausgerüstet“, teilte die Deutsche Bahn (DB) dem Senat dazu mit. „Für die notwendigen Bautätigkeiten an und in den Gleisanlagen sind teilweise länger andauernde Totalsperrungen der S-Bahnstrecken zwingend erforderlich.“

Zwar würden die Einschränkungen so gering wie nötig gehalten und sie fänden vorzugsweise an Wochenenden oder in den Ferien statt, hieß es. Doch es stünden auch noch weitere Unterbrechungen des S-Bahn-Betriebs auf dem Programm, gesteht die DB ein. Nach ihren Angaben seien „ergänzend“ weitere Totalsperrungen vorgesehen.

Ein Schauplatz werde die S-Bahn-Strecke zwischen Treptower Park, Schöneweide und Grünau sein, die in den Bereich des neuen Elektronischen Stellwerks Schöneweide einbezogen wird. Auf dieser wichtigen Achse seien nach jetzigem Planungsstand Sperrungen während der Monate September und Oktober 2024 sowie von Juni bis August 2026 vorgesehen. Auf der östlichen Ringbahn werde die Modernisierung des Zugsicherungssystems im Juni und Juli 2028 Vollsperrungen zwischen Schönhauser Allee–Ostkreuz und Neukölln–Baumschulenweg erfordern, so die Bahn weiter.

Ein anderes Thema ist die Elsenbrücke. Nachdem 2018 ein Riss im östlichen Überbau entdeckt wurde, musste die Spannbetonbrücke aus den 1960er-Jahren abgerissen werden. Der Senat lässt die Spreequerung neu bauen, was bis 2028 dauern soll. Vor einem Jahr hieß es, dass die Gesamtkosten für das Land Berlin 97,7 Millionen Euro betragen –  im Vergleich zu früheren Angaben fast eine Verdoppelung. Nun gab der Senat ein Update.

Abriss und Neubau der Elsenbrücke: im Zeitplan – aber nicht im Kostenplan

„Die Planungs- und Bauleistungen zum Ersatzneubau der Elsenbrücke befinden sich im aktuellen Zeitplan“, teilte Staatssekretärin Niedbal mit. Eine gute Nachricht. Allerdings würden die Gesamtkosten auf Grundlage der vorliegenden Planungsunterlagen jetzt auf 119,092 Millionen Euro geschätzt, hieß es weiter. Im neuen Preis sei eine „Ergänzungsunterlage mit geschätzten Mehrkosten in Höhe von 2.312.875 Euro enthalten“, so Niedbal. Sie enthalte Mehrkosten aufgrund der Kostensteigerungen, die durch die aktuelle Marktsituation begründet sind. Darüber hinaus hätten sich weitere Mehrkosten ergeben, die unter anderem mit dem Abbruch der Brücke zu tun haben.

Wie berichtet ist der geplante neue östliche Überbau der Elsenbrücke der Verlängerung der Autobahn 100 nach Friedrichshain und Lichtenberg im Weg. Der 17. Bauabschnitt soll über die Spree hinwegführen und vor dem Ostkreuz dann in einen Doppelstocktunnel eintauchen. Im kommenden Jahr, spätestens 2025, muss der Senat entscheiden, ob er den Brückenneubau wie geplant errichtet – oder ob er die östliche Hälfte wegen der vom Bund geplanten Autobahn weglässt.

Anwohner befürchten ein Verkehrschaos im Treptower Norden

Derzeit wird zwischen Neukölln und der Straße Am Treptower Park der 16. Bauabschnitt der A100 gebaut. Die bis zu sechsstreifige Autobahn soll Ende 2024 dem Verkehr übergeben werden. Bei den Anwohnern und in der Politik wächst die Befürchtung, dass es rund um die Anschlussstelle Am Treptower Park ein Verkehrschaos geben wird. Die Antwort des Senats auf Gennburgs Anfrage kann die Bedenken nicht entkräften.

„In den kommenden fünf Jahren wird es aufgrund der Verkehrsfreigabe des 16. Bauabschnittes der A100 im Bereich des Treptower Parks und geplanter Gebietsentwicklungen im Wirkungsbereich der B96a zu Veränderungen in der Verkehrsbelegung kommen“, bestätigte Staatssekretärin Niedbal. „Das Land Berlin befindet sich im regen Austausch mit der Autobahn GmbH des Bundes und wartet derzeit auf die ersten Ergebnisse des Inbetriebnahmekonzeptes des Bundes, die bisher nicht vorliegen, um daran anknüpfend weitere, erforderliche Schritte zu eruieren und einzuleiten, die für das nachgeordnete Netz erforderlich sein werden.“

Das Konzept werde für das vierte Quartal 2023 erwartet, so die Senatspolitikerin weiter. Immerhin: „Die Anpassung der Lichtsignalanlagen an den Anschlussstellen wurde einvernehmlich abgestimmt, und die zugehörige Planung liegt vor.“ Zumindest das ist geschafft.


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