Abgeordnetenhauswahl: AfD wählt Georg Pazderski zum Spitzenkandidaten

Die AfD und ihre politischen Gegner von den Linken und den Grünen mögen aufeinander schimpfen, aber in einem sind sie sich doch ganz ähnlich: Ihre Spitzenkandidaten wählen sie mit deutlicher, aber nicht überwältigender Mehrheit. So wie Klaus Lederer und Ramona Pop im März erzielte der AfD-Vorsitzende Georg Pazderski am Sonnabend ein Ergebnis knapp über 60 Prozent.

160 der 240 AfD-Mitglieder, die zur Wahlversammlung ins Maritim-Hotel Tiergarten gekommen waren, stimmten für den früheren Oberst. Sein Vorstandskollege Hugh Bronson bekam 44 Stimmen, die Herausforderin Beate Prömm 36. Pazderski rief seinen Parteifreunden zu: „Sie werden Ihre Wahl nicht bereuen.“ Nach den Erfolgen bei den Landtagswahlen im März hänge die Messlatte hoch. „Aber wir Berliner nehmen die Herausforderung an.“

Konsequente Abschiebungen und direkte Demokratie

Als wichtigste Themen im Wahlkampf nannte Pazderski die konsequente Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern, die Stärkung der direkten Demokratie, und solide Finanzen. Er versprach aber auch: „Wir sorgen dafür, dass Deutschland nicht verschwindet.“ Lautstarke Minderheiten dürften nicht „die erste Geige spielen“. Eine stumme Minderheit will der frühere Oberst aber für die AfD gewinnen: die Nichtwähler. „Wenn wir jeden vierten an die Urne holen, haben wir die 10 Prozent erreicht.“

Am Nachmittag begann die Wahl der übrigen Listenplätze. Ein sehr breites Spektrum von Kandidaten bewarb sich um die vorderen Plätze. Zwar hatten mehrere Bezirksvorsitzende einen Wahlvorschlag verschickt, dieser fand jedoch kaum Widerhall. Auf den ersten zehn Plätzen stehen nun überwiegend derzeitige oder frühere Mitglieder des Landesvorstands, darunter Parteisprecher Ronald Gläser und der Vorsitzende der Jungen Alternative, Thomas Weiß.

Unter den weiteren Kandidaten gab es mehrere Ex-Mitglieder von CDU, SPD und FDP. Die meisten Bewerber stellten in den Mittelpunkt ihrer Vorstellungsreden die Themen Zuwanderung und innere Sicherheit. Mehrfach wurde auch die Forderung erhoben, Zuweisungen von öffentlichen Mitteln an „linke Organisationen“ zu stoppen. Mögliche fachpolitische Schwerpunkte ließen sich nur bei wenigen Anwärtern erkennen.

Außer ihrer Landesliste hat die AfD bereits Kandidaten für die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt sowie Direktkandidaten für alle Wahlkreise. Spitzenkandidat Pazderski sagte der Berliner Zeitung, schon ein Direktmandat wäre ein Erfolg für die AfD. Er hoffe aber auf fünf oder mehr.