Die aus der Türkei abgeschobene Familie verlässt am Donnerstag die Maschine (Flugunmmer TK 1723, Turkish Airlines), mit der sie nach Berlin gebracht wurde.
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BerlinDie Türkei hat ihre Ankündigung umgesetzt, aus Deutschland stammende IS-Kämpfer sowie deren Angehörige hierher abzuschieben. Am späten Donnerstagnachmittag landete in Tegel ein Flugzeug mit einer siebenköpfigen Familie an Bord, deren Mitglieder als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelten. Das türkische Innenministerium bezeichnete sie im Vorfeld als „ausländische Terroristenkämpfer“.

Vater droht Strafverfolgung

Die Familie stammt ursprünglich aus dem Irak. Nach derzeitigen Behördenerkenntnissen besitzen bis auf den Vater alle Familienmitglieder die deutsche Staatsbürgerschaft. Konkret besteht die Familie aus vier Frauen, zwei Männern sowie einem Baby. Ende Januar war die Familie in die Türkei gereist und nach zwei Monaten in der Stadt Samsun festgenommen worden. Die juristische Begründung für die Verhaftung wurde nicht mitgeteilt. Ob sich die Familie in vom IS kontrollierten Gebieten aufgehalten hat, ist ebenfalls nicht bekannt.  

Nach der Landung sollte die Familie nach Angaben aus Sicherheitskreisen zunächst Vertreter mehrerer Behörden treffen und befragt werden. Wie es danach weitergeht, war zunächst offen. Die Bundespolizei wollte Einreisekontrollen vornehmen und prüfen, ob die Familie gültige Papiere hat. Haftbefehle wegen islamistischer Umtriebe liegen gegen die Familienmitglieder in Deutschland nicht vor. Allerdings droht dem Vater womöglich wegen anderer krimineller Machenschaften Strafverfolgung.

Weitere Abschiebungen am Freitag

Am Freitag sollen zwei weitere Menschen aus der Türkei nach Deutschland abgeschoben werden. Sie sollen nach Behördenangaben die Ehefrauen von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein. Dabei handelt es sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um eine 1998 geborene Frau, der es gelungen war, aus dem von Kurden bewachten Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu fliehen. Sie saß den Angaben zufolge zuletzt in der türkischen Stadt Gaziantep in Abschiebungsgewahrsam. Bei der zweiten Frau soll es sich um eine gebürtige Hannoveranerin handeln, der es gelungen war, sich aus dem syrischen Gefangenenlager Ain Issa in Richtung Türkei abzusetzen.

Eine der Frauen, die am Freitag zurückkommt, sei schon länger ein Fall der Deradikalisierungs-Beratungsstelle Hayat, teilte Leiterin Claudia Dantschke auf Anfrage mit. Die Organisation berät  Menschen, deren Angehörige sich islamistisch radikalisieren, arbeitet nach eigenen Angaben auf der Webseite aber auch direkt mit Menschen, „die mit dem militanten Jihadismus brechen und gewalttätige Gruppen verlassen wollen“.