Leiten seit 2018 gemeinsam den Magischen Zirkel: Felix Wohlfarth (l.) und Freddie Rutz.
Foto: Berliner Zeitung/Sabine Gudath

BerlinDieser Geburtstag ist einfach magisch. Manch einer denkt, Magier-Zirkel gibt es nur im Universum von „Harry Potter“ – doch das ist falsch: Auch in Berlin organisieren sich die Zauberkünstler in einem Verein, um sich auszutauschen. Und das schon lange: In diesem Jahr wird der „Magische Zirkel“ der Hauptstadt 100 Jahre alt, gefeiert wurde mit einem Festival in der Spandauer Zitadelle.

Bereits 1912 wurde in Hamburg der erste deutsche Zauberer-Verein gegründet, im Jahr 1920 entwickelte sich in Berlin eine eigene Ortsgruppe des Clubs. Heute, 100 Jahre später, wird die Kunstform wieder beliebter denn je – und allen Zauberkünstlern und denen, die es werden wollen, steht der Magische Zirkel auch in Berlin offen.

90 Zauberer gehören zum Magischen Zirkel der Hauptstadt

„Momentan gehören rund 90 Zauberer aus Berlin zu unserem Verein“, sagt Felix Wohlfarth (29), der die Gruppe seit 2018 mit zwei Kollegen leitet. Solche „Zirkel“ gibt es auch in vielen anderen Städten in Deutschland und im Ausland. „Früher war es nicht so leicht, an die Geheimnisse unserer Kunst zu kommen. Es gab kein Internet, kein Fernsehen – da war es wichtiger, dass sich Kollegen untereinander austauschen konnten.“ Doch auch heute gehören die Vereine zur Zauber-Szene.

Wohlfarth ist selbst Zauberkünstler. Er begann seine Laufbahn im Alter von sechs Jahren mit einem Zauberkasten, der Einstiegsdroge vieler Magier. „Außerdem war ich in einer Kindertheatergruppe – und merkte schon früh, dass ich auf die Bühne gehöre“, erzählt er. Heute verdient der gelernte Erzieher sein Geld mit der Zauberei, ist spezialisiert auf Auftritte vor Kindern. „Sie sind ein tolles Publikum, die Reaktionen ehrlich. Erwachsene klatschen aus Respekt, auch wenn es ihnen nicht gefällt. Aber Kinder stehen einfach auf und gehen“, sagt er.

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Auch Freddie Rutz gehört zur Vereinsleitung. Der 55-Jährige war früher Tänzer am Salzburger Landestheater und am Theater des Westens, wollte nebenher auf der Straße auftreten. Als er eine Zauberkünstlerin sah, wurde die Faszination geweckt. Auf die Frage, warum Zauberer einen Verein brauchen, antwortet er mit einer Gegenfrage. „Warum brauchen Fußballer einen Verein? Weil man gern Spaß unter Gleichgesinnten hat.“ Er lacht. „Nur kann man im Fußball damit mehr Geld verdienen.“

Freddie Rutz und Felix Wohlfarth standen schon am Mittwoch in Spandau auf der Bühne.
Foto: Berliner Zeitung/Sabine Gudath

Gerade bei jungen Berlinern scheint die Zauberei zum immer beliebteren Hobby zu werden. „Unsere Jugendgruppe ist in den vergangenen Jahren vergleichsweise explodiert“, sagt Wohlfarth. Das mag am Erfolg der Ehrlich Brothers liegen, die mit ihren Shows auch Millionen Zuschauer im TV begeisterten. Ein Trend, der auch hoffen lässt: Nach dem Vorbild englischer und amerikanischer Zauber-Vereine träumen die Berliner noch von einem eigenen Clubhaus mit Theater und Bar. „Wie ein Varieté, in dem unsere Mitglieder regelmäßig Shows spielen können“, sagt Rutz.

Wer Mitglied des Zirkels werden will, kann übrigens nach Anmeldung immer am 2. Mittwoch des Monats im Vereinsheim in der Möckernstraße 68 in Kreuzberg vorbeikommen. Anwärter müssen aber eine Prüfung ablegen, um aufgenommen zu werden – denn die Geheimnisse sind nicht für jedermann.