Berlin - Knapp 100 Polizisten aus Berlin, Bayern und Hessenhaben am Dienstag Wohn-und Geschäftsräume an neun Standorten durchsucht, darunter drei Pflegedienste. Das bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Drei Haftbefehle seien vollstreckt worden, so der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft Martin Steltner.

Der Grund für die Durchsuchungen waren monatelange Ermittlungen gegen sieben Beschuldigte wegen banden-und gewerbsmäßigen Abrechnungsbetrugs. Darunter sechs Geschäftsführer und Gesellschafter von Pflegediensten. Ihnen wird vorgeworfen seit 2017 nicht qualifizierte oder nicht als qualifiziert anerkannte Personen als Intensivpflegekräfte eingesetzt zu haben.

Betreuungskosten durchschnittlich 20.000 Euro pro Monat

Bei der Intensivpflege handelt es sich in der Regel um eine 24-Stunden-Betreuung durch qualifizierte Pflegefachkräfte. Überwiegend sind es Beatmungspatienten, deren Betreuung äußerst komplex ist. Die Kosten für die monatliche Betreuung eines Patienten liegen durchschnittlich bei 20.000 Euro im Monat.

Im vorliegenden Fall sollen nicht qualifizierte Arbeitskräfte vornehmlich aus Osteuropa - insbesondere aus der Slowakei - gewonnen und unter Verwendung gefälschter Qualifikationsbescheinigungen im Schichtsystem der Pflegedienste eingesetzt worden sein. Der Schaden wird auf 6,3 Millionen Euro geschätzt.

Bei der Razzia wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt.