The Future starts now, steht auf einem riesigen, pinkfarbenen Transparent am Hotel Berlin – Die Zukunft beginnt jetzt. Das ist eigentlich eine Werbung für neue Zimmer und Tagungsflächen. Aber das Transparent passt irgendwie auch zu dem, was gleich gegenüber auf der anderen Seite des Lützowplatzes in Tiergarten geschieht.

Dort haben Bagger begonnen, die zur Internationalen Bauausstellung 1984 nach Entwürfen des renommierten, 2007 verstorbenen Architekten Oswald Mathias Ungers im sozialen Wohnungsbau errichtete Wohnsiedlung abzureißen. Ein Stück West-Berliner Vergangenheit.

Abriss hat begonnen

Wer von der Siegessäule aus gen Süden die City-West ansteuert, kann die eigenwilligen Giebelbauten gleich hinter der vor gut 13 Jahren bezogenen CDU-Parteizentrale kaum übersehen. Noch stehen die Außenfassaden. Der Abriss hat im Hof begonnen, dem einstigen Herzstück der Ungers-Siedlung.

Dort krallt sich der Bagger zunächst in die Terrassen-Vorbauten. Die gehörten zu den Besonderheiten der 84 Maisonette-Wohnungen, deren Mieter abgewandt von den Verkehrsströmen des Lützowplatzes wie in einer Reihenhaussiedlung lebten. Denn Ziel der damaligen IBA war es, der drohenden Verödung der West-Berliner Innenstadt gegenzusteuern und sie wieder als Wohnstandort für junge Familien attraktiv zu machen – zu bezahlbaren Mieten.

1998 hat der Münchner Immobilienunternehmer Alfons Doblinger die Siedlung ersteigert. 2001 kaufte er vom Land Berlin auch das zunächst in Erbbaupacht vergebene, 7000 Quadratmeter große Grundstück. Der Preis soll bei zwölf Millionen Euro gelegen haben.

Mieter kämpften zehn Jahre lang

Über zehn Jahre lang wehrten sich die Mieter am Lützowplatz gegen Doblingers Pläne von Abriss und Neubau eines Hotel-, Gewerbe- und Wohnkomplexes. Architektenverbände forderten, die Siedlung unter Denkmalschutz zu stellen. Auch der Bezirk Mitte setzte sich zunächst für den Erhalt der IBA-Siedlung ein. Aber das ist schon lange her.

Als sich Ende des Jahrzehnts vor Gericht abzeichnete, dass Kündigungsklagen mittlerweile gute Erfolgschancen hätten, ließen sich auch die letzten Bewohner auf Vergleiche ein. Sie sind im vergangenen Sommer ausgezogen. Gegen Zahlungen von 35 000 Euro pro Partei.

Jetzt ist das Areal von blickdichten Holzzäunen abgeschirmt. Die meisten Fenster sind schon demontiert. In einigen Wochen wollen die Arbeiter mit dem Abriss fertig sein. Ein Bauschild zum geplanten Neubau fehlt noch. Und auch bei Alfons Doblingers Dibag Industriebau GmbH in München gibt es keine Auskunft zu den aktuellen, konkreten Bauplänen. Die erteile nur der Chef persönlich, heißt es. Und der sei gegenwärtig nicht zu erreichen.