Berlin - Die Berliner schaudert’s, die Besucher wundern sich. Das Aschinger-Haus (die entsprechende Restaurantkette ist längst eingegangen) an der Joachimstaler Straße zwischen Hardenberg- und Kantstraße ist das, was man im schlechtesten Sinne „Bahnhofsgegend“ nennt: Sex-Shops, Billig-Imbisse, ein Leihhaus, irgendwelche Wechselstuben, Uringeruch. Spätestens nach dem Ende der so urigen wie spießigen Fußballkneipe Holst am Zoo, später Hanne (nach dem Ex-Hertha-Fußballer Hans „Hanne“ Weiner) am Zoo, vor mehr als drei Jahren ist auch noch der letzte Grund für einen Besuch der Bausünde aus den 70er-Jahren verschwunden, wenn man sich nicht völlig unmöglich machen will.

Der Abriss dieses hässlichsten Hauses in der sich immer schicker machenden City West steht längst fest. Doch für die weitere Nutzung tun sich jetzt Hindernisse auf. Am Donnerstag hat eine Jury über die fünf zur Debatte stehenden Entwürfe für einen Neubau beraten, die beiden besten mit zwei zweiten Plätzen bedacht und dann zur Überarbeitung zurückgeschickt. Offenbar sind die von den Berliner Büros Axthelm & Rolvien beziehungsweise Hascher Jehle Architektur geplanten Häuser jeweils zu hoch geraten. Zu dem im Frühjahr diesen Jahres ausgelobten Wettbewerb war unter anderem auch das Büro des Architekten der BND-Zentrale, Jan Kleihues, eingeladen worden.

Bezirk will ein architektonisches Highlight

Der US-Investor Hines will am Standort des Aschinger-Hauses sowie dem benachbarten Eckhaus zur Kantstraße (Leineweberhaus, heute Sex-Museum von Beate Uhse) und dem danebenstehenden einstöckigen Behelfsbau (Humana) ein repräsentatives Geschäftshaus mit Einzelhandel im Erdgeschoss errichten. Doch darüber, wie hoch gebaut werden soll, wurde bisher nichts bekannt. Klar ist, dass es in der Umgebung zuletzt hoch hinaus ging, beziehungsweise noch geht. Das 119 Meter hohe Zoofenster mit dem Hotel Waldorf Astoria als Hauptmieter sowie der gleichhohe Turm des im Bau befindlichen Upper West (mit der Billigkette Motel One als Hauptmieter) liegen gleich auf der anderen Straßenseite.

Niemand erwartet, dass die Amerikaner derart in die Höhe streben wollen oder gar ihren eigenen Plänen mit dem 150-Meter-Hochhaus am Alexanderplatz Konkurrenz machen wollen, doch die in der City West gültige Traufhöhe von 22 Metern wurde in den Entwürfen offenbar übertroffen. Das deutete Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Marc Schulte (SPD) an, der in der Jury saß. Er sprach von „Überschreitung von Baugrößen“. Konsequenz: Es muss nachgebessert werden. „Fragen der Genehmigung sind noch zu klären“, sagte Schulte.

Hintergrund ist die Frage nach einem Bebauungsplan. Während der Bezirk ein architektonisches Highlight (Schulte: „Ein besonderes Haus mit besonderer Kubatur“) samt zeitaufwendigen und teuren Bebauungsplan wünscht, will Hines möglichst schnell und billig – das heißt in diesem Fall: ohne B-Plan – bauen können. Das hat der Bezirk nun verhindert. Auf einen solchen Plan könnte allenfalls verzichtet werden, wenn die Traufhöhe nicht überschritten würde.

Nach Ansicht von Baustadtrat Schulte seien nun aber nicht alle Pläne hinfällig oder auch Zeitpläne in Gefahr. „Die Modelle sind veränderbar. Und die Genehmigungsfragen sind in den nächsten zwei Wochen zu klären“, sagte er.