„Wenn ich die Avus entlangfahre und den Funkturm sehe, ach, da wird mir jetzt schon ganz warm ums Herz.“ Die Rennfahrerin Heidi Hetzer hat Berlins Wahrzeichen auf ihrer Weltreise vor einem Jahr nicht vergessen. Auch für Tausende Besucher und Pendler bilden der Funkturm und die Autobahn zu seinen Füßen das Eingangstor in die deutsche Hauptstadt.

Wer mit Auto oder Bus aus Westdeutschland, aus Leipzig, Hannover oder Potsdam nach Berlin kommt, muss dort entlang. Das Dreieck Funkturm zählt zu den am stärksten befahrenen Deutschlands. Wer das Umfeld erkundet, erlebt einen Nicht-Ort, ein riesiges Lärm-und-Dreck-Loch mitten in der Stadt. Aber auch, dass dort einiges passiert - oder auch: passieren muss. Ein Überblick:

Avus-Tribüne

Die Avus (Automobil-Verkehrs- und Übungsstrecke) gilt als erste Autobahn und führt als A115 aus Richtung Potsdam nach Berlin. Dass sie auch für Rennen genutzt wurde, daran erinnert die 200 Meter lange Tribüne, die direkt an der Fahrbahn seit Jahren verfällt - doch das soll bald ein Ende haben. Ende März wird das Dach abgerissen und anschließend nach historischem Vorbild neu gebaut.

Möglich macht das Hamid Djadda. Der Unternehmer hat die denkmalgeschützte Tribüne übernommen und will unter den Sitzreihen Büros bauen. Als besondere Clou aber ist ein verglaster Veranstaltungsraum gedacht, auf der Kanzel in der Mitte der Tribüne - Feiern direkt an der tosenden Autobahn mit 90.000 Fahrzeugen pro Tag. „Den können dann Unternehmen mieten, etwa während Messen, oder aber auch Privatleute für Hochzeiten oder Geburtstage“, sagt Djadda.

Blicke der Autofahrer wird das Spezialglas nicht durchlassen. Auch auf der restlichen Tribünenfläche werden keine Ablenkungen für Autofahrer entstehen, so wollen es die Behörden. Bis zu fünf Millionen Euro will Djadda mit Hilfe von Investoren in die Tribüne stecken. Warum? „Es ist ein ungewöhnliches Projekt, und ich mache ungern normale Sachen.“ Zum 100-Jährigen der Avus 2021 soll die Tribüne fertig sein.

Dreieck Funkturm

Marode, stauanfällig - so präsentiert sich das Autobahndreieck, das zu den am stärksten belasteten in Deutschland zählt. Und das bleibt noch eine Weile so. Denn momentan werden noch die Grundlagen für Planungen ermittelt, wie die Verkehrsverwaltung mitteilt. Schon 2015 ging der Senat davon aus, dass allein die Planung sieben Jahre dauern wird. Geschätzte Baukosten: gut eine Viertelmilliarde Euro.

Denn in dem Geflecht von Spannbetonbrücken aus den 60ern haben Fachleute Konstruktionsfehler ausgemacht. Ziel des Umbaus ist demnach zunächst, die Verkehrssicherheit zu erhalten, wie Sprecher Derk Ehlert erklärt. „Ob sich dadurch auch Verbesserungen am Verkehrsfluss oder ein städtebaulicher Gewinn erreichen lassen, kann zum gegenwärtigen Planungsstand nicht eingeschätzt werden.“

Rudolf-Wissell-Brücke

Der Senat spricht von einem der größten Straßensanierungsprojekte in der Geschichte der Stadt: Die fast einen Kilometer lange Rudolf-Wissell-Brücke muss neu gebaut werden. Über sie fahren auf der A100 rund 180.000 Fahrzeuge pro Tag. Vor bald 60 Jahren gebaut, ist sie in die Jahre gekommen, muss immer wieder repariert werden. Frühestens 2022 soll die neue Brücke gebaut werden. Ob dort die Bagger zuerst anrücken oder am Dreieck Funkturm, wird derzeit mit dem Bund diskutiert, sagt Oliver Schruoffeneger (Grüne), Baustadtrat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Westkreuz-Park

Zwischen Bahntrassen und Autobahnabfahrten liegt am Westkreuz eine städtebauliche Steppe. Doch Fachleute erblicken entlang der Gleise und Brücken zwischen Lietzensee und Halensee nicht bloß Wildnis, Ruinen und Kleingärten, sondern schutzwürdiges Grün und eine wichtige Kaltluftleitbahn für die Innenstadt. Auf nicht mehr benötigten Bahnflächen soll deshalb der neue Westkreuzpark entstehen. Erste Ideen erinnern an den Gleisdreieck-Park in Schöneberg.

Noch aber wird im Bezirk diskutiert, wie der Westkreuzpark aussehen soll. Es läuft die Bürgerbeteiligung, in den nächsten Wochen soll ein Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan kommen. In einem ersten Schritt sollen neue Fuß- und Radwege zum S-Bahn-Knotenpunkt Westkreuz gebaut werden, sagt Schruoffeneger. Eines Tages soll man vom Grunewald aus über den Halensee durch den neuen Park nach Charlottenburg radeln können. Das hängt aber vom Autobahnbau ab.

Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB)

Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) aus der Mauerzeit platzt aus allen Nähten, weil immer mehr Berliner und Besucher mit dem Fernbus reisen. 167.000 An- und Abfahrten wurden 2016 gezählt. Bei laufendem Betrieb wird deshalb seit eineinhalb Jahren ausgebaut, vor allem für mehr Haltestellen. Ursprünglich mit gut 14 Millionen Euro veranschlagt, soll der Ausbau nun knapp 30 Millionen Euro kosten - weil Gebäude neu errichtet statt nur instandgesetzt werden, weil die Wartehalle größer werden soll als zuerst geplant, die Fahrgastinformation erneuert und die Leitstelle versetzt wird.

Internationales Congress Centrum (ICC) 

Im vergangenen Frühling mussten Spuren der Autobahn gesperrt werden, weil Fassadenteile des Kolosses herabzustürzen drohten. Seit vier Jahren ist das Internationale Congress Centrum (ICC) geschlossen, diente zeitweise als Flüchtlingsunterkunft. Die Messegesellschaft würde den raumschiffartigen Bau am liebsten abreißen, um Platz für neue Hallen zu schaffen. Der Senat aber will wieder Kongresse im ICC sehen. Vor einer Wiedereröffnung müsste aber erstmal der Asbest raus - was hunderte Millionen kosten könnte. Möglich ist auch ein Verkauf des ICC - Ausgang noch ungewiss. (Burkhard Fraune, dpa)