Berlin - Berlin braucht dringend jede bezahlbare Wohnung. Deswegen ist es unverständlich, dass ausgerechnet in Wedding preiswerte Wohnungen mit behördlicher Genehmigung abgerissen werden dürfen. Weil der Bayer-Konzern seine Produktion modernisieren will, sollen vier Häuser mit 45 Wohnungen abgetragen werden. Möglich wird dies, weil die Flächen, auf denen die Häuser stehen, inzwischen für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen sind, nicht mehr zum Wohnen. Selbst wenn das zutrifft, deuten die Umstände, unter denen die Abrissgenehmigung erteilt wurde, auf schwere Versäumnisse der Politik und des Weltkonzerns hin. Denn die Abrissgenehmigung wurde erteilt, ohne dass es einen Sozialplan für die Mieter gibt.

Mag sein, dass Bayer dazu rechtlich nicht gezwungen werden kann, wie aus dem Bezirk verlautete. Von einem Konzern mit Milliardenumsätzen dürfte aber trotzdem zu erwarten sein, dass er die sozialen Mindeststandards im Umgang mit Menschen einhält. Dazu gehört, Mieter in einer Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt nicht einfach vor die Tür zu setzen, sondern ihnen Ersatzwohnungen zu vergleichbaren Konditionen zur Verfügung zu stellen.

Wenn denn der Abriss überhaupt notwendig ist, woran berechtigte Zweifel bestehen. Denn bislang ist nur bekannt, dass Bayer die Grundstücke, auf denen die Wohnhäuser stehen, für die Baustelleneinrichtung zur Modernisierung seiner Produktion benötigt. In Bezug auf die langfristige Planung verweist selbst Bayer darauf, dass hier erst mal das laufende Bebauungsplanverfahren abgewartet werden muss. Das ist ehrlich gesagt dürftig. Denn Wohnhäuser abzureißen, nur um irgendwelche Baumaterialien zu lagern oder Container aufzustellen, ist inakzeptabel. Zu befürchten ist, dass sich Bayer das Planungsrecht zunutze macht, um die Flächen später lukrativ zu vermarkten.