BerlinPlötzlich taucht Berlin vor dem Cockpit auf, die große Stadt mit viel Grün und Wasser. Dann rücken die Start- und Landebahnen, der Tower sowie die übrigen Anlagen mit dem sechseckigen Terminal A als Herzstück ins Blickfeld. Vor rund 20 Jahren landete Christoph Ruch, Pilot bei Air France, erstmals auf dem Flughafen Berlin-Tegel. An diesem Sonntag wird er nun zum letzten Mal dort starten. Damit geht ein wichtiges Kapitel der Verkehrsgeschichte dieser Stadt zu Ende, denn AF1235 nach Paris Charles de Gaulle ist der allerletzte geplante Flug in Tegel. „Ich bin sehr glücklich, dass ich der Kapitän sein werde“, sagte Ruch der Berliner Zeitung.

Eigentlich ist schon am Sonnabend Schluss. Mit dem Start des Eurowings-Flugs EW5239 endet gegen 22.50 Uhr der Flugbetrieb in Tegel, danach werden die Terminals für die Öffentlichkeit geschlossen. Doch eine Sondergenehmigung macht es möglich, dass am darauf folgenden Tag noch einmal ein Start stattfinden kann.

„Ich bin sehr glücklich, dass ich der Kapitän sein werde“: Christophe Ruch steuert am 8. November AF1235 von Tegel nach Paris.
Foto: privat

Es war von vornherein klar, dass diese Ehre der Air France gebührt. Schließlich hat mit einer Caravelle der französischen Fluggesellschaft vor rund sechs Jahrzehnten der Linienflugbetrieb in Tegel begonnen. Für den allerletzten Flug am Sonntag wird in Terminal C an Gate 38/39 eingecheckt, sagt Air-France-Sprecherin Susanne Freitag. Um 15 Uhr soll die Maschine abheben, die Ankunft in Paris ist für 16.50 Uhr geplant. Fans, die keine Tickets gebucht haben, werden den Abflug von außen miterleben können. In das Terminal kommen nur Passagiere und geladene Gäste.

„Wir sollten dem BER eine Chance geben“

„Die Crew wird aus sieben Mitgliedern bestehen“, erklärt Ruch. Eingesetzt wird ein Airbus A321. Egal, wie besonders dieser Flug ist: Sicherheit habe oberste Priorität, so der 47-Jährige. Trotzdem hofft er, dass am Sonntag Gelegenheit besteht, den geschichtsträchtigen Moment zu genießen. Die Crew will schon einige Zeit vor dem Starttermin in Tegel sein, um sich von dem Flughafen zu verabschieden, die Gäste, das Bodenpersonal und die Passagiere zu begrüßen. „So gut das unter den aktuellen Corona-Bedingungen möglich ist“, sagt Ruch.

Seitdem er als Erster Offizier vor zwei Jahrzehnten erstmals in einem Airbus A320 in Tegel einflog, hat er den Flughafen gut kennengelernt. Wie würde er ihn charakterisieren?

„Als sehr effizient aus Sicht eines Piloten“, antwortet Ruch. Die Entfernungen zwischen den Start- und Landebahnen und den Parkpositionen seien kurz – genauso wie die Gehdistanzen zwischen den Check-in-Schaltern und den Flugsteigen. Es gebe aber auch Dinge, die nicht so optimal sind. Der schwierigste Part sei es, das Flugzeug zu parken, was mit der alten Technik an den Andockstationen zusammenhänge.

„Tegel ist Teil der Geschichte von Berlin“, sagt Christophe Ruch. „Es ist klar, dass er für immer in den Herzen der Berliner bleiben wird. Doch als Pilot muss ich nach vorne schauen. Deshalb sollten wir dem BER eine Chance geben.“ Den neuen Schönefelder Flughafen kennt er allerdings noch nicht. „Ich bin dort noch nie gelandet“, so der Pilot. „Es ist kein spezielles Training erforderlich, um dort zu fliegen. Für Air France ist der BER neu, aber dort wird sich dasselbe Personal wie in Tegel um die Passagiere kümmern. Der Flughafen ist modern nach den besten Standards, und ich bin mir sicher, dass das Kundenerlebnis verbessert wird.“

Christophe Ruch wollte immer schon Pilot werden. „Meine Großeltern wohnten in der Nähe eines Flugfelds. Als ich zehn Jahre alt war, begann ich damit, ferngesteuerte Modellflugzeuge zu steuern“, erzählt er. Mit 14 wurde er dann Segelflieger. Es gebe so viele schöne Erfahrungen, die man als Flieger machen kann. Doch die schönste sei es, in einem Segelflugzeug über der Landschaft zu schweben. „Das ist das Größte“, sagt Christophe Ruch. „Pures Fliegen!“