Unterwegs mit Judy Winter und Harald Juhnke: Ich bin mal mit Judy Winter nach Düsseldorf geflogen. Ja, ehrlich, und vielleicht hätte ich Günter Pfitzmann am Taxistand treffen, mit Harald Juhnke einen Koffer-Trolley-Unfall bauen oder Brigitte Mira beim Check-in zuzwinkern können. Gut möglich auf dem Flughafen Tegel damals, so kurz vor Weihnachten Neunzehnhundert... – na ja, egal. Die Mauer stand fest, aber ich wankte, mir wurden die Tickets geklaut. Meines und die von zwei Kumpels. Ich hatte den Trip arrangiert, vorfinanziert und versaut. Entsprechend groß das Hallo vor dem Schalter der British Airways. 

Wir sind dann nach zähen und zwecklosen Verhandlungen auf die Bahn umgestiegen. Vom Zoo aus acht Stunden gen Westen. Stehend im Gang. Lok-Wechsel in Drewitz und Marienborn. „Guden Obend, die Doggumende bidde.“ Unter unseren Füßen das Klack-Klack der Schienen, über unseren Köpfen Günter Pfitzmann, Harald Juhnke, Brigitte Mira und unsere Tickets, vielleicht. Christian Schwager

Rasanter Flughafenwechsel: In meinem Kopf gab es nur noch ein Wort: Schönefeld, Schönefeld, Schönefeld. Wochenlang hatte die Berliner Zeitung an einer Sonderausgabe zum Umzug von Tegel nach Schönefeld gearbeitet. Dann hatte ich Urlaub. Der Flieger nach Barcelona ging – was sonst – von Schönefeld, Schönefeld, Schönefeld. Der Bus war fast da – als dann doch der Groschen fiel. Ich musste nach Tegel! Umzug war ja geplatzt. Also beim nächsten Stopp raus aus dem Bus, nächstes Taxi durch Sprung auf die Straße kapern, 50 Euro extra als Spurtprämie bieten. Telefonieren. Zum Terminal rennen. Da stand mein Mitreisender und hinderte das Personal von Air Berlin seit Minuten daran, das Gate zu schließen. Ich durfte mit Rucksack durch. Gutes Tegel! Maritta Tkalec

Als Tegel das Tor zur Welt für mich war: Der Flughafen Tegel war mir schon zu einer Zeit vertraut, als ich dachte, dass ich ihn niemals betreten darf – oder erst, wenn ich alt und grau bin. In meiner ersten Wohnung in Prenzlauer Berg hörte ich die Flugzeuge bestimmter Linien auf dem Weg von oder zu ihm hin. Dann aber kam die Zeit, da er mir das Tor zur Welt bedeutete. Nicht nur in die weite Welt: Als wir noch nicht über die Umweltschäden durch das Flugwesen aufgeklärt waren und auch das Zeitungswesen florierte, flog ich sogar zur Buchmesse nach Frankfurt am Main von Tegel aus. Pfui.

Irgendwann setzte die Gewöhnung ein. Bis mir auffiel, dass sich DDR-artige Provisorien im Flughafen durchsetzen. Die Anbauten der neuen Terminals links und rechts wirkten wie Behelfsverpackungen. Auf dem Weg zu D und E konnte man sich gut verlaufen. Und der schwankende Verbindungsgang zur Halle C vertrieb jegliches Metropolengefühl. Cornelia Geißler

Kalter Entzug bei Air France: Ein Wochentag um die Mittagszeit, irgendwann Ende der Neunziger. Von Tegel aus sollte es nach Paris gehen. Direktflug, eineinhalb Stunden. Das Beste an TXL war immer, dass man auf den letzten Drücker kommen konnte, nur mit Handgepäck sogar noch kurz vor Abflug. Natürlich war es auch diesmal wieder knapp und das Parkhaus direkt unter den Check-in-Schaltern voll. Ausweichen auf den Außenparkplatz. Suchen, finden, Auto abschließen, zum Gate hetzen, Ticket auf den Tresen legen, durchatmen und in Gedanken schon im Flieger: letzte Reihe, Kaffee und dann – eine Zigarette.

Ich würde gern im Raucherbereich sitzen, sagte ich der Dame von Air France. Sie lächelte. „Bedaure, das ist ein Nichtraucherflug.“ Ich wusste damals noch nicht, was Waterboarding ist, doch so etwa musste es sich anfühlen: (Rauch) atmen wollen, aber nicht können. Ich habe den Flug überlebt, aber nichts gelernt. Das Rauchen habe ich erst Jahre später aufgegeben. Jochen Knoblach

Foto:  dpa/Marcel Kusch
Blick in den Himmel über Tegel.

Wie man einen Freund wiederfindet: Ein stressiger Flug, ein langer Flug. Zurück aus Asien nach vier Wochen Urlaub. Fast den ganzen Tag hatten wir in Bussen und im Flieger verbracht. Als wir endlich in Tegel landeten, waren unsere Rucksäcke nach London weitergeflogen. Verlorenes Gepäck ist immer ärgerlich. Natürlich vor allem, wenn es auf dem Hinflug den falschen Flieger erwischt. Auf dem Rückweg ist es immer noch nervig, auch wenn man die durchgeschwitzten Shirts nicht mehr braucht. Aber in diesem Fall war das verlorene Gepäck ein Geschenk, denn es führte zu einer Begegnung der unerwarteten Art.

Wir kamen müde ins Büro für verlorene Koffer, und ich hatte sofort glänzende Laune. Denn vor mir saß Pierre, der Ex-Freund einer Mitbewohnerin aus meiner ehemaligen WG. Das Gepäck war sofort vergessen. Wir redeten über früher. Er erzählte, dass er noch immer fliegen will und hier das Geld für seinen Pilotenschein verdient. Wir fuhren beschwingt nach Hause und hatten später den Jetlag noch gar nicht ausgeschlafen, als die Rucksäcke geliefert wurden. Jens Blankennagel

Der Charme des Provinziellen: Bei welchem anderen Flughafen würde man auf eine solche Idee kommen? Säugling, Gepäck und Kinderwagen ins Auto packen. Zum Saatwinkler Damm fahren. Parken, das Auto abschließen und losspazieren. Einfach über die Brücke, zum Gate, ins Flugzeug steigen und abfliegen. Ohne Sorgen, dass das Auto nach zwei Wochen Urlaub in der Fremde nicht mehr da sein könnte. So unkompliziert. Als ob man nur zur Bushaltestelle oder zum Parkspaziergang fahren würde.

Es ist schon ein paar Jahre her, aber wir haben das nicht nur einmal gemacht und wir waren auch nicht die Einzigen. Die Reise mit dem nur wenige Monate alten Kind ist mir in Erinnerung geblieben. Sie verbindet mich mit dem Flughafen Tegel. Wenn ich an Tegel denke, habe ich immer dieses Bild vor Augen. Wie ich über die Brücke spaziere und mich zu Fuß dem Terminal nähere. Es ist eine liebevolle Erinnerung.

Der Flughafen Tegel hat etwas Provinzielles gehabt. Aber das hat seinen Charme ausgemacht. Es gab kein Autobahnwirrwarr, keine Absperrungen, keine Abschreckung. Man musste sich nicht durch endlose Shopping Malls quälen. Alles Anstrengende heutiger Verkehrsflughäfen fehlte. Er war auch bis zuletzt noch ein bisschen so, wie ich das ganze West-Berlin zu Mauerzeiten in Erinnerung habe. Sehr überschaubar und gemütlich, anders als der Rest der Welt und doch irgendwie großstädtisch und interessant, schon allein wegen seiner Architektur. Das möchte ich nicht zurückhaben, aber ich erinnere mich gerne daran. Julia Haak

Warten auf den TXL-Bus, der nicht hält: Vor ein paar Jahren ließ ich mich in Myanmar mit einer Pferdekutsche zum Flughafen bringen. Mir machte der Kontrast zwischen den beiden Verkehrsmitteln Spaß. Der Weg zum Flughafen Tegel war ähnlich kontrastreich, jedenfalls, wenn man ihn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegte. Denn der Flughafen in einer der größten Industrienationen der Welt bekam nie einen U- oder S-Bahn-Anschluss, auch nicht, als Berlin dann Hauptstadt war. Für mich endete die Fahrt mit der U-Bahn am Jakob-Kaiser-Platz, eine räudige Station mit allerlei Treppen und Treppchen. Beim Kofferschleppen wurde man nur auf dem letzten Abschnitt von einer Rolltreppe unterstützt. Dann hieß es warten bei Wetter und Wind auf den TXL-Bus. Manchmal war er schon so voll, dass der Fahrer an der Haltestelle einfach vorbeifuhr. Susanne Lenz

Landung um Mitternacht – und die Koffer sind weg: Stell dir vor, du landest kurz vor Mitternacht in Tegel und die Koffer sind weg. Das passierte vor drei Jahren, als ich mit meiner Familie zur recht später Stunde von Fuerteventura nach Berlin zurückkam. Eine gefühlte Ewigkeit stehen wir im Terminal C am Gepäckband – und keine Spur von unseren Koffern. „Kommt noch was?“, rufe ich durch die Luke einem der Gepäckmännern zu. Ein „Nee“ kommt zurück. Also schnell zur Gepäckermittlung, ein Polizist weist uns den Weg quer durch den fast leeren Flughafen Tegel zum Terminal 1. Zum Glück, das Büro ist noch offen. Etwas Papierkram, am nächsten Tag bringt ein Taxi unsere Koffer nach Hause. Ein Jahr später: Wieder sind die Koffer weg. Nur: Wir sind dieses Mal in Fuerteventura und die Koffer noch in Tegel. Norbert Koch-Klaucke