Die neue rot-schwarze Koalition im Bezirk Mitte hat am Donnerstagabend ihre erste weitreichende Entscheidung getroffen. Ab 1. Januar 2012 ist das Grillen im Großen Tiergarten verboten. So haben es SPD und CDU beschlossen. Damit endet eine Tradition für zehntausende Berliner, darunter viele türkische und arabische Familien. Sie haben vor allem an Wochenenden die 20 Hektar große Grillfläche genutzt, um sich mit der Familie und mit Freunden zu treffen.

Die Entscheidung für das Grillverbot fiel am Donnerstag kurz vor Mitternacht äußerst knapp aus. Nur 26 der 28 Mitglieder der rot-schwarzen Koalition in Mitte stimmten für das Verbot. 25 Verordnete von Grünen, Linken und Piraten waren dagegen. Hätten zwei ihrer Verordneten wegen Krankheit nicht gefehlt, wäre das Verbot gescheitert. „Das Grillen im Tiergarten war immer Gesprächsstoff. Es gab Aufklärungskampagnen und Polizeieinsätze – das alles hat aber nichts genutzt“, sagt SPD-Fraktionschef Hans-Günter Mahr.

Die 300 000 Euro pro Jahr für die Müllbeseitigung seien bei dem knappen Haushalt des Bezirks zu hoch. Ähnlich argumentiert die CDU, die das Grillverbot als Teil einer Vereinbarung mit der SPD zur Zusammenarbeit in dieser Legislaturperiode durchgesetzt hatte. „Beim Müllproblem sind die Grenzen überschritten“, sagt Fraktionschef Thorsten Reschke.

Jahrzehnte alte Tradition

Seit Jahrzehnten wird im Tiergarten gegrillt. 1998 begrenzte der Bezirk das Grillen auf eine Fläche zwischen John-Foster-Dulles-Allee und Straße des 17. Juni. Das Problem mit den Grillresten bekam man aber nie in den Griff. Zwar wurden große Container aufgestellt, dennoch hinterließen die Besucher riesige Müllberge, teilweise schütteten sie die Grillkohle in die Büsche.

Insbesondere türkische Vereine kritisieren das Grillverbot. Nach Ansicht des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg treffe es vor allem Menschen mit Migrationshintergrund und niedrigem Einkommen. Sprecher Hilmi Kaya Turan sagt, dass Familien in ihren Möglichkeiten für eine Freizeitgestaltung eingeschränkt würden. Er habe den Eindruck, dass versucht werde, bestimmte Bevölkerungsschichten vom Stadtzentrum fernzuhalten.

Kritik von den Türken

Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) nimmt die Kritik ernst, verweist aber auf Gespräche mit dem Türkischen Bund. „Das Grillverbot ist kein Integrationsthema“, sagt Hanke. Der Große Tiergarten bleibe ein Treffpunkt für alle. „Picknicken ist weiter erlaubt, man kann dort seine Freizeit verbringen.“ Der Bezirk will nun die Parkordnung ändern und Schilder an den Wegen austauschen. Wie Grillfreunde aber schon jetzt sagen, werde im Frühjahr trotz Verbots wieder im Tiergarten gegrillt, dann eben illegal.

Dass es auch anders geht, zeigt die Praxis auf dem einstigen Flugfeld in Tempelhof, dort gibt es seit Mai 2010 drei große Grillflächen. „Wir sind zufrieden mit den Besuchern. Sie hinterlassen die Plätze recht sauber“, sagt Parkmanager Michael Krebs von der Grün Berlin GmbH. Man habe ein ausgeklügeltes Müllmanagement entwickelt, auch am Wochenende würden von einem Dienstleister die Container geleert. Allerdings sind die Grillplätze in Tempelhof nur fünf Hektar groß. Laut Krebs werden die Kosten für die gesamte Müllentsorgung auf dem 303 Hektar großen Tempelhofer Areal in diesem Jahr etwa 80 000 Euro betragen.