Mit einem Lächeln auf den Lippen verlässt Thomas Krüger den Gerichtssaal. Als sich die schwere Tür hinter ihm schließt, hebt er die Hand zum Victory-Zeichen. Acht Minuten hat sein Prozess im Amtsgericht Tiergarten gedauert. Länger brauchte die Richterin nicht, um zu entscheiden: Thomas Krüger hat keinen Hausfriedensbruch im U-Bahnhof Alexanderplatz begangen. Insgesamt drei BVG-Mitarbeiter und vier Polizisten hatten ihn dort im vergangenen Jahr überwältigt und gefesselt. Der Grund: Krüger hatte einen Witz auf Kosten des Bahnpersonals gerissen.

Rückblick: Müde lässt sich Thomas Krüger in einer Juli-Nacht im U-Bahnhof Alexanderplatz auf einer Sitzbank nieder. Es ist etwa 1.15 Uhr, der Berufsmusiker aus Marzahn kommt von einem Auftritt und hat sein Keyboard dabei. Wenige Minuten sitzt er auf der Metallbank, als ihn eine Sicherheitsmitarbeiterin anspricht. Sie hält ihn offenbar nicht für einen gewöhnlichen Fahrgast, sondern für jemanden, der im Bahnhof stört.

„Ich warte hier auf die nächste Bahn zum Hauptbahnhof“

„Die Dame war extrem pampig und fragte, warum ich auf der Bank verweile“, sagt Krüger. Ihm missfiel der Ton der Frau und deshalb riss er einen kleinen Witz: „Ich warte hier auf die nächste Bahn zum Hauptbahnhof. Ab 2020 soll die hier schließlich fahren.“

Tatsächlich plant die BVG eine solche Strecke.

Nach Krügers Angaben wurde die Mitarbeiterin immer aggressiver. „Sie fragte mich, ob meine Mutter weitere lustige Kinder wie mich hätte.“ Außerdem soll sie gesagt haben: „Wenn du mich anfässt, kriegst du in die Fresse, das schwöre ich dir!“ Schließlich tauchten vier Polizisten und zwei weitere BVG-Mitarbeiter auf, drückten Krüger auf den Bahnsteig, fesselten seine Hände auf dem Rücken und schleppten ihn aus dem Bahnhof.

BVG zeigt Krüger wegen Hausfriedensbruch an

Dort bekam er einen Platzverweis für den Bereich Alexanderplatz ausgesprochen. Ein Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs wurde eingeleitet. Krüger war entsetzt: „So kann die BVG nicht mit ihren Gästen umgehen“, sagt er.

Die Richterin im jetzigen Prozess sah das Versagen ganz offenbar ebenfalls nicht auf Krügers Seite. „Sie konnte sich das Schmunzeln kaum verkneifen“, sagt er. Das lag womöglich auch daran, dass Krüger sein Keyboard als Beweismittel mitgebracht hatte. „Nach acht Minuten war es auch schon vorbei“, beschreibt der Beschuldigte den Ablauf der Verhandlung. Der Vorwurf gegen ihn wurde „wegen Geringfügigkeit“ zurückgewiesen, das Verfahren eingestellt.

Nachricht an die „lieben gelben Freunde“

In zwei Facebook-Posts bedankt sich Krüger nun bei seinem juristischen Beistand, dem CDU-Politiker Alexander J. Herrmann, und richtet sich auch noch einmal an die BVG. Er schreibt den „lieben gelben Freunden“ und dankt ihnen „recht herzlich für diese Absurdität“. Er würde sich freuen, wenn Kunden künftig nicht mehr als „Herumlungerer“ eingestuft würden.

Und dann hat Krüger noch eine kleine Frage: „P.S.: Wann fährt denn nun der erste Zug zum Hauptbahnhof?“