Auch im 21. Jahrhundert werden Schwangerschaftsabbrüche noch als Straftaten gehandelt.
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BerlinEine Frau, die in Berlin ihre Schwangerschaft abbricht und den Fötus abtreibt, ist, wenn man aktuellen Studien und Statistiken folgt, nicht besser als ein Mörder. Zumindest dann, wenn sie sich nicht der gesetzlich vorgeschriebenen Zwangsberatung unterzieht. Sie findet sich in derselben Statistik wieder, wie jemand, der heimtückisch seinen Nachbarn erschlägt. Ebenso geht es einem Arzt, der auf seiner Internetseite über Abbrüche informiert.

Klingt absurd? Diesen Eindruck kann allerdings jeder gewinnen, der die Berliner Kriminalitätsstatistik liest und glaubt, was darin steht. Sowohl der Schwangerschaftsabbruch wie auch Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung werden in dieser Statistik Straftaten gegen das Leben genannt. Das wird schon seit Jahren so gemacht.

Unzeitgemäßer Umgang mit Abtreibungen

Nun ist allerdings noch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung dazu gekommen, in die diese Daten über den Weg einer OECD-Statistik Eingang gefunden haben. Wer sich mit dieser Studie weiterbildet, kommt zu der Erkenntnis, dass eben diese Frau mit ihrem Schwangerschaftsabbruch darüber hinaus die Lebensqualität ihrer Mitbürger schmälert. Denn das DIW verwendet die Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik, um einen europäischen Vergleich über Lebenszufriedenheit anzustellen.

Das ist mehr als problematisch. Allerdings nicht nur, weil hier statistischer Unfug produziert wurde. Einmal mehr stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von einer solchen Definition von Tötungsdelikten. Vielleicht ist es Zeit, ein größeres Paket wieder aufzuschnüren: Wie zeitgemäß ist es, dass der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch auftaucht?