Der Riesen-Bohrer vom Mauerpark hat einen Namen. Er heißt Kerstin. So wurde er am Montag von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos) und Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe, getauft. Kerstin ist genau genommen kein Riesen-Bohrer, sondern eine Tunnelbohrmaschine. Sie soll einem unterirdischen Abwassertunnel den Weg durch den Park bahnen – und so zum Bau von Berlins größtem Staubecken beitragen.

Namenspatin der zwölf Meter langen und 134 Tonnen schweren Maschine ist Kerstin Oster, Personalvorstand der Wasserbetriebe. Ihr war es bei der Taufe vergönnt, die traditionsgemäße Flasche Sekt an dem schweren Gerät zu zerschmettern. Kerstin Oster erklärte auch, warum der Bohrer einen Mädchennamen bekommen sollte. „Starke Frauen planen bei uns Projekte wie diesen Stauraumkanal, sanieren Kanäle, leiten Wasserwerke und den gesamten Abwasserbereich“, sagte sie. Ständig würden Nachwuchs- und Fachkräfte gesucht, um bei Großprojekten wie nun im Mauerpark mitzuwirken.

Bis zu 15 Meter am Tag

Die Bauarbeiten für den künftigen großen Abwasserspeicher begannen am Montagnachmittag mit dem Einsetzen des Kopfes der Tunnelbohrmaschine in die Baugrube. Diese befindet sich in der Bernauer Straße und ist derzeit 13 Meter tief. Von dort wird sich Kerstin, der Bohrer, innerhalb von drei Monaten zur Gleimstraße auf der Nordseite des Mauerparks vorarbeiten. Der so entstehende Strauraumkanal unter dem gepflasterten Weg durch die Grünanlage soll künftig bei starkem Regen 7400 Kubikmeter Abwasser speichern und so Panke und Spree vor Verschmutzung bewahren. Um das Alltagsleben im Park, aber auch die Tier- und Pflanzenwelt nicht zu beeinträchtigen, wird beim Bau des 654 Meter langen Kanals auf oberirdische Arbeiten möglichst verzichtet.

Im Einzelnen ist geplant, dass sich die Tunnelbohrmaschine, die dem Ingenieursunternehmen Wayss und Freytag gehört, bis zu 15 Meter am Tag fortbewegt. Ihr Bohrkopf löst den Boden und zerkleinert Steine. 25 bis 30 Lkw-Ladungen Schutt sollen jeden Tag abgefahren werden. Der so entstehende Kanal wird einen Außendurchmesser von viereinhalb Metern haben, was dem Durchmesser der Bohrmaschine entspricht. Der fertige Stauraumkanal soll aus 218 aneinandergereihten Rohren bestehen, von denen jedes fast 32 Tonnen wiegt. Sie dürfen nur nachts und polizeibegleitet angeliefert werden.

Der Schlussspurt des Sanierungsprogrammes

„Dieses auch für uns außergewöhnliche Großprojekt steht exemplarisch für unsere Strategie, unsere Infrastruktur stadtverträglich zu erneuern und auszubauen“, sagte Wasserbetriebe-Vorstandschef Jörg Simon. Sein Unternehmen und das Land Berlin investieren gemeinsam 20 Millionen Euro in das Projekt, zu dem auch ein Entleerungspumpwerk an der Gleimstraße und Verbindungsbauwerke zu den Kanalisationen beiderseits des Parks gehören.

Umweltsenatorin Regine Günther stellte das Bauvorhaben in einen größeren Zusammenhang. Mit dem Kanal im Mauerpark beginne der Schlussspurt des Sanierungsprogrammes für die Berliner Mischwasserkanalisation.

Das Programm umfasse Dutzende Projekte mit einem Gesamtvolumen von 300.000 Kubikmetern, von denen 240.000 Kubikmeter bereits fertig seien. „Mit dem Stauraumkanal leisten wir außerdem einen wichtigen Beitrag für saubere Gewässer und schützen so die Gesundheit der Bürger“, so Günther.