Es ist ein Thema, das viele Berliner bewegt. Die Deutsche Bahn (DB) nutzt die Eröffnung eines weiteren Abschnitts der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-München dazu, den Vollzahler-Fahrpreis auf dieser Verbindung kräftig anzuheben.

Wie berichtet kostet nach dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember ein Ticket zum Flexpreis zwischen Berlin und München 150 Euro. Damit steigt der Vollzahlertarif, der heute noch 132 Euro pro Weg beträgt, um 13,6 Prozent. Eine kräftige Fahrpreiserhöhung, die heftige Kritik auf sich gezogen hat. Nun hat die Bahn auf die Abzock-Vorwürfe reagiert.

Eine Bahnsprecherin erklärte am Dienstagmittag, warum der Maximalpreis so stark angehoben wird. „Zwischen Berlin, Nürnberg und München werden wir zum Fahrplanwechsel unser Angebot signifikant verbessern“, sagte sie. Die Fahrzeiten sinken zum Teil um 30 Prozent. Wenn eine Fahrt im ICE-Sprinter zwischen Berlin und München nur noch knapp vier Stunden dauert, könne die Bahn erfolgreich mit den Flugzeug konkurrieren.

„Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es sich bei der neuen Strecke um ein Riesenprojekt handelt, bei dem große Summen investiert werden“, so die Sprecherin. Allein die 107 Kilometer lange Neubaustrecke in Thüringen und Franken, die am zweiten Advent in Betrieb geht, hat drei Milliarden Euro gekostet. Am Ende wird das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) 8, wie der Aus- und Neubau der Bahnverbindung Berlin-Nürnberg heißt, zehn Milliarden Euro kosten. Es sei klar, dass sich die Fahrzeitverbesserung und die Investitionen auch in den Fahrpreisen widerspiegeln, sagte die Bahnsprecherin.

Weiterhin Sparangebote verfügbar

Sie wies auch darauf hin, dass es neben dem Flexpreis-Vollzahlertarif auch weiterhin Sparangebote für die Verbindung Berlin-Nürnberg-München geben werde. „Im November werden wir eine Million Fernverkehrstickets für 19,90 Euro anbieten. Bei dieser Aktion wird es selbstverständlich auch Tickets für die Neubaustrecke geben“, so die Sprecherin.

Ein weiterer Spartipp: Wer bis zum 9. Dezember bucht, bekommt die Fahrkarten noch zum alten, niedrigeren Preis. Wer zeitlich flexibel ist, sich auf einen Zug festlegt und früh ein Sparangebot bucht, kann auch auf der neuen Verbindung schon für 29,90 Euro in der zweiten und für 39,90 Euro in der ersten Klasse im ICE von Berlin nach München reisen. Erst wer am 10. Dezember oder später bucht, muss die neuen, höheren Preise zahlen. Aber auch dann werde es Sparangebote geben, hieß es.

Am Dienstag wurde auch bekannt, dass die angekündigte Sprinter-Fahrzeit von 3 Stunden und 55 Minuten nur für die ICE-Sprinter gilt, die bis zu dreimal pro Tag in der Fahrtrichtung Nord von München nach Berlin verkehren. In der Fahrtrichtung Süd, von Berlin nach München, nennt die Fahrplanauskunft www.bahn.de etwas längere Fahrzeiten.

So ist der ICE-Sprinter, der Berlin um kurz nach 6 Uhr verlässt, bis München 4 Stunden 2 Minuten unterwegs. Das liege daran, dass er bis Erfurt mit einem anderen ICE, der dann nach Frankfurt am Main weiterfährt, vereinigt wird, sagte die Bahnsprecherin. In Erfurt würden die beiden Züge getrennt, was Zeit erfordert. Die ICE-Sprinter am 12.05 und 18.05 Uhr ab Berlin brauchen nach München 3 Stunden 58 Minuten. „Das hängt damit zusammen, dass es zwischen Bamberg und Nürnberg, wo die Strecke noch nicht ausgebaut ist, keine optimalen Fahrplantrassen für diese Züge gab“, so die Sprecherin.

Der Münchener Verkehrsexperte und Unternehmensberater Dieter Schneiderbauer hält die angekündigte Preisanhebung für tragbar. „Mit der deutlichen Erhöhung des Flexpreises von 135 Euro auf 150 Euro auf der Strecke Berlin – München nutzt die Deutsche Bahn den deutlich steigenden Nutzen für Reisende durch die Fahrzeitverkürzung von 1,5 bis 2 Stunden für eine Umsatzsteigerung“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens ECM Ventures am Dienstag der Berliner Zeitung.

„Im Vergleich zu den Flugpreisen (Economy Class ca. 150-250 Euro und Business Class 300-450 Euro) ist das bei voller Flexibilität immer noch wettbewerbsfähig. Wer im Voraus bucht und Zugbindung akzeptiert bekommt die Bahnfahrt auch in Zukunft für 30 Euro.“