Der Tower des Flughafens BER
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BerlinDass der nun verkündete Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen BER das letzte Wort zum Thema war, glauben sicherlich die wenigsten. Jedenfalls dürfte die Mehrheit in den verbleibenden elf Monaten bis zum Oktober 2020 noch einige Überraschungen für möglich halten. Die Bestätigung dafür kam dann schon am Wochenende: Wie die Bild am Sonntag unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht an die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und den Bund meldete, benötigt die Flughafengesellschaft für den Finanzierungsplan 2021 bis 2024 fast 300 Millionen Euro mehr als bislang veranschlagt. Bereits Mitte November soll Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup – Jahresgehalt laut Beteiligungsbericht des Berliner Senats: 495.000 Euro – den Bedarf angemeldet haben.

Der Markt normalisiert sich

Konkret fehlten dem Bericht zufolge für die Fertigstellung des Hauptterminals noch einmal 212 Millionen Euro, womit die Kosten des Hauptterminals also auf insgesamt 2,6 Milliarden Euro steigen. Zur Erinnerung: Als der erste BER-Eröffnungstermin auf den Oktober 2011 gelegt wurde, sollte der gesamte Großflughafen einmal zwei Milliarden Euro kosten.  

Darüber hinaus wird offenbar auch der weitere Ausbau des künftigen Flughafens teurer. Auf rund 60 Millionen Euro taxiert die Flughafengesellschaft dem Bericht zufolge den Mehrbedarf für den sogenannten Masterplan 2040, nach dem die Kapazität des Airports auf 58 Millionen Passagiere pro Jahr erweitert werden soll. Insgesamt sind laut BER-Finanzierungsplan nun also fast 800 Millionen Euro statt bislang etwa einer halben Milliarde Euro nötig. Wie die Zeitung berichtete, reagierten die Gesellschafter verärgert über den Mehrbedarf und forderten die Geschäftsführung zur Nacharbeit auf.

Tatsächlich haben sich die Gesamtkosten des Flughafens seit der Projektierung mehr als verdreifacht. Schon jetzt sollen die Kosten bei 7,3 Milliarden Euro liegen. Geht der Airport im nächsten Oktober nach dann mehr als 14-jähriger Bauzeit tatsächlich in Betrieb, könnte sogar die Acht-Milliarden-Euro-Marke in Sicht sein. Derzeit kostet der BER an jedem Tag 1,1 Millionen Euro, über 30 Millionen Euro jeden Monat.

Zudem scheint inzwischen die langfristige Tragfähigkeit des BER-Geschäfts unsicher. Angesichts des Handlungsdrucks in puncto Klimaerwärmung ist längst nicht sicher, ob der BER eine Kapazitätsanpassung auf eine mehr als doppelt so hohe Passagierzahl wirklich nötig hat. Denn das Fliegen wird teurer werden. Billigflieger gelten bereits als Auslaufmodell, und der Wandel ist bereits ablesbar. „In der Sommersaison 2019 ist das Wachstum der Low-Cost-Angebote in Deutschland zum Stillstand gekommen“ konstatiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in der jüngsten ihrer regelmäßigen Preisanalysen. Demnach stiegen bei Ryanair die Ticketpreise von Herbst 2018 auf Herbst 2019 im Schnitt um 17 auf 55 Euro, die von Eurowings von 100 auf 111 Euro.

Umkämpfte Flugrouten

Hatten Billigflieger ihr Angebot nach der Pleite von Air Berlin 2017 im Europaverkehr stark erweitert, so normalisiert sich nun der Markt. 2018 wurden laut DLR in Deutschland bereits etwas weniger Billigflüge angeboten. „Nach einer Phase des rasanten Verkehrswachstums planen die Fluggesellschaften nun deutlich zurückhaltender“, stellte kürzlich auch der Chef des Frankfurter Flughafens fest, des viertgrößten Europas.

Für den BER deuten sich darüber hinaus nötige Korrekturen an den Flugrouten an. Kaum war am Freitag der Eröffnungstermin bekanntgegeben worden, wies die Deutsche Flugsicherung (DFS) darauf hin, dass es nach der geplanten Eröffnung des Hauptstadtflughafens noch einmal Änderungen an Teilen der umkämpften Flugrouten geben könnte. „Dort, wo es notwendig ist, werden wir dann Betriebsverfahren anpassen“, kündigte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle an. Zunächst werde das Unternehmen aber das erste Betriebsjahr nutzen, um Erfahrungen zu sammeln.

In der entsprechenden Mitteilung verweist die in Hessen ansässige Behörde darauf, dass die Routen bereits 2012 festgelegt worden seien und sich seitdem die Rahmenbedingungen geändert hätten. Heute gebe es in Berlin 20 Prozent mehr Flüge und 40 Prozent mehr Passagiere. Seinerzeit war Air Berlin der größte Flughafenkunde in Berlin, nach der Pleite wurde es Easyjet. Tatsächlich haben sich auch zahlreiche Flugziele geändert. Also alles neu?  

Der Rechtsanwalt Remo Klinger, der die Flugroutengegner im Prozess zur Wannsee-Route vertreten hat, warnte im Tagesspiegel bereits vor gravierenden Änderungen: „Es sollten möglichst keine neuen Betroffenheiten ausgelöst werden."