ADAC-Umfrage: Berliner wollen nicht auf das Auto verzichten

Volker Krane gibt es neidlos zu. Die Berliner Fahrrad-Aktivisten haben gut gearbeitet, sagte der Vorstand für Verkehr im ADAC Berlin-Brandenburg. „Sie haben für Furore gesorgt“ – mit polarisierenden Diskussionen und ihrer Kampagne für einen Volksentscheid. Ganz klar: In der öffentlichen Debatte fühlt sich die Autofahrerlobby unterrepräsentiert. Das wollen Volker Krane und sein Mitstreiter Jörg Becker ändern. Am Donnerstag stellten sie die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung vor. Fazit: Ohne das Auto geht es nicht. Es gibt aber auch Sympathie für Forderungen der Fahrradlobby.

Unterschiedliche Zahlen

„Wir sind nicht die Bleifuß-Fraktion“, meinte Krane. Doch auch die Berliner Autofahrer hätten Meinungen zu Mobilitätsthemen. „Mit der Veröffentlichung unserer Ergebnisse wollen wir auch denen eine Stimme geben, die sich bislang nicht öffentlich geäußert haben.“

Im Auftrag des ADAC Berlin-Brandenburg hat das Forschungswerk Nürnberg im Juni 500 Mitglieder befragt. Wenig überraschend: Fast alle gaben an, dass sie über ein Auto verfügen. Nur sechs Prozent der Befragten teilten mit, dass ihrem Haushalt kein Pkw zur Verfügung steht. Daten, die sich im Gegensatz zur ADAC-Umfrage auf alle Berliner beziehen, belegen dagegen einen niedrigeren Motorisierungsgrad. Eine Befragung der TU Dresden ergab 2013, dass 40 Prozent der Berliner Haushalte kein Auto besitzen.

Überraschender fand der ADAC, dass 56 Prozent der Umfrageteilnehmer das Anliegen unterstützen, dem Radverkehr mehr Platz auf den Straßen zur Verfügung zu stellen. Eine große Minderheit von 44 Prozent sprach sich zudem dafür aus, dass auf allen Hauptverkehrsstraßen mindestens zwei Meter breite Radfahrstreifen markiert werden müssten – auch dies ist eine Forderung beim Fahrrad-Volksentscheid.

Aktionsplan gefordert

Der Wunsch nach grünen Ampel-Wellen für Radfahrer stieß dagegen mehrheitlich auf Ablehnung. Klar wurde auch: Die Auto fahrenden Berliner wollen nicht auf dieses Verkehrsmittel verzichten. Für 43 Prozent der Befragten sei das Auto unverzichtbar, für weitere 50 Prozent ein unverzichtbarer Bestandteil zur Sicherung der Mobilität. 87 Prozent wollen auch weiterhin entscheiden, ob sie in der Innenstadt Auto fahren oder nicht. „Forderungen, diese Wahlfreiheit einzuschränken, passen nicht in unsere freiheitliche Grundordnung“, sagte Krane.

Dazu gehöre aber auch, den Nahverkehr attraktiver zu machen und mehr Parkplätze an Bahnhöfen zu schaffen. Krane. „Täglich fahren rund 200.000 Pendler aus dem Umland nach Berlin. Die 27.000 Park-and-Ride-Plätze reichen nicht aus. Wir fordern einen Aktionsplan.“