Foto: privat

Maria, Josef und das Jesuskind hatten es nie leicht bei uns. Erbarmen und Nächstenliebe waren Fremdwörter für meine Katze Bonnie, die zwar herzallerliebst dreinschauen konnte, aber alljährlich die selbstgebaute Krippe in Beschlag nahm. Mit einem Tatzenhieb und einem konsequenten Schwanzschlag wurde das Jesuskind samt Hirten umgeschubst und sich breit gemacht. Schaue ich mir heute das Foto an – es ist wohl etwa 30 Jahre alt, man erkennt es am Lametta, das heute wohl kaum einer mehr ernsthaft verwendet –, könnte man das Bild wohl inzwischen auch gut zur Bebilderung eines Gentrifizierungsartikels nutzen. Bonnie, der kleine Miethai, oder so ähnlich. Melanie Reinsch


10. Dezember – Uta reist mit

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Auf meinem eleganten beigen Sofa lebt eine fröhliche Äffin. Farblich passt das gut, denn Uta (wegen der schicken Windstoßfrisur identifizierte ich das Tier als eine Sie) ist braunhaarig. Darüber hinaus ist der Orang-Utan nicht nur optisch eine Bereicherung, Uta unterhält mich auch beim Abendbrot und bringt mich zudem auf neue Ideen – seit dem Tag vor fünf Jahren, an dem sie mir ein Freund zu Weihnachten schenkte. Das geschah nach einem Zoo-Besuch, wo wir uns lange darüber amüsiert hatten, wie die Affen mit einem Bettlaken spielten. In diesem Jahr wartet eine große Überraschung auf Uta: Ich schenke uns beiden eine Reise nach Sumatra – denn dort ist neben Borneo die Heimat der Orang-Utans.  Susanne Dübber


9. Dezember - Kuscheln mit dem Griechen

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Die kalten Temperaturen sind für Henry, den Griechen, nichts. Zum guten Stil eines autonomen Katers gehört für ihn, sich den Pelz von der Sonne maximal aufheizen zu lassen und dann auf kühlen Fliesen rücklings zu ruhen, alle viere lässig von sich gestreckt, bis es Zeit zum Essen ist. Jetzt muss er das Dasein eines Untermieters im Plumeau seiner Menschen fristen und steht nicht auf, bevor es erstens hell und zweitens heizungswarm genug geworden ist. Einen Wollschal, wie Bob der Streuner ihn trägt, lehnt er als englisches Exzentrikertum aber ab. Advent heißt für Henry: warten, bis die Wärme wiederkommt. Dass der Winter noch gar nicht wirklich angefangen hat, sagen wir ihm lieber nicht. Petra Kohse


8. Dezember - Leo und Cleo

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Kuschelhasen, wo’s  jetzt so zeitig dunkel wird – das sind Leo und Cleo. Er, der Zwergwidder, mollig-gemütlicher Schlappohrträger, lässt sich mit „Sir“ anreden. Sie, das Löwenköpfchen, trägt ihr kokettes Naturell gern pharaoninnengemäß zur Schau, putzt sich emsig und geht abends ungern schlafen. Irgendwas muss doch noch los sein, ’ne Party, Musik, jemand, der sie bewundert und mit ihr spielt. Aber sie will gewinnen! Gar nicht kapriziös stellt Vegetarierin Cleo sich beim Fressen an: etwas Heu, ein paar Körner, gerne Möhrchen. Anders Sir Leo an ihrer Seite: Er knabbert bevorzugt frisches Basilikum und nach dem allabendlichen Blaubeer-Drops trollt er sich ins Heu-Bettchen. Ingeborg Ruthe


7. Dezember - Der alte Herr und Hilde

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Zwölf ist er, der Dackel, ein alter Herr mit Allüren. Hält sich für Napoleon. Überhört jeden Späterziehungsversuch. Im Treppenhaus wird er neuerdings zum Charmeur. Was an Hilde liegt. Sie bezog jüngst die Wohnung gegenüber und ist ein Chihuahua. Wenn wir Hilde treffen, wird der Dackel wieder jung, tänzelt, wanzt sich ran. Hilde gibt sich unnahbar. Im Lexikon las ich nach, was den Chihuahua ausmacht: 1. Hält sich für Napoleon. 2. Hat oft eine empfindliche Stelle am Kopf. 3. Sollte nicht vom Mobiliar springen, weil sonst Knochenbrüche drohen. Ich habe dem Dackel erklärt, dass er sich fernhalten soll. Aus Sicherheitsgründen. Er wird die Warnung ignorieren. So ist das mit dem Verliebtsein. Bettina Cosack


6. Dezember - Die Chinesische Nachtigall

Eine Nachtigall.
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Der Name Anno klingt entfernt nach einer Körperöffnung. Ein Glück also, dass wir die Chinesische Nachtigall nicht am 5. Dezember bekamen, dem Namenstag von Anno, sondern am 6., und so tauften wir sie Nick. Wegen Nikolaus, Bischof von Myra, legendärer Stiefelfüller. Auch Nick war ein Wohltäter. Das hatte mit Pit zu tun und dem Tipp eines Bekannten, der Nachtigall einen Finken in die Voliere zu geben. Pit eben. Das passte nicht nur namentlich. Nick nahm Pit nachts unter seinen Flügel. Die beiden waren unzertrennlich. Dann starb Pit. Nick verlor die Schwanzfedern, eine Zeit lang war er sehr durcheinander. Einmal kackte er mir auf die Schulter. Da hätte Anno als Name besser gepasst. Christian Schwager


5. Dezember – Zwei Rennmäuse auf Klassenfahrt

Rennmäuse
Foto: xblickwinkel 

Klassenfahrten habe ich immer gehasst. So sah ich auch der Fahrt im Winter der achten Klasse schlecht gelaunt entgegen. Doch dieses Mal kam es anders, denn kurz zuvor hatte sich meine Schulfreundin Jenny verbotenerweise zwei Rennmäuse zugelegt, die sie Mario und Anna nannte (das sollte, kein Scherz, zusammen das Wort Marihuana ergeben). Jenny brachte sie mit und versteckte sie  im Schrank in unserem Zimmer, wo sie prompt gefunden wurden. Am Ende durfte ich die Mäuse adoptieren und taufte sie um: in Jekyll und Puschkin. Letzteres beeindruckte meine Eltern, da sie eine Hommage an den Dichter vermuteten. Dass ich den Namen auf einer Wodkaflasche entdeckt hatte, verschwieg ich lieber. Tanja Brandes


4. Dezember -Eine Amsel mit Alkoholproblem

Eine Amsel.
Foto: imagoimages/STAR-MEDIA

Diese Amsel hat vermutlich ein Alkoholproblem. Alljährlich im Herbst torkelt sie durch die Luft, klammert sich in den Ranken des Wilden Weins fest und haut sich die vergärenden Beeren in den Schlund. Aufgrund einer weißen Feder und ihres exaltierten Benehmens nannten wir die Amsel Blanche, nach der trinksüchtigen Figur aus Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“. Dann erfuhren wir, dass es sich wegen des schwarzen Gefieders um einen Hahn handeln musste. Bei der Umbenennung wollten wir den Suffaspekt nicht außer Acht lassen und wurden im selben Stück fündig. Das Tier heißt nun wie Blanches polnischer Schwager Kowalski, lässt jegliche Eleganz vermissen und pöbelt rum.  Ulrich Seidler


3. Dezember - Eine echte Eisbär-Liebe

Foto: Privat

Haustiere haben in dieser Familie nie eine Rolle gespielt. Dafür dominieren die Berliner Eisbären seit nunmehr sieben Jahren Alltag, Urlaubsplanung, Freizeitgestaltung und gemeinsame Essenszeiten. Insider wissen, dass beim Vater die Eishockey-Sicherungen durchgebrannt sind. Nun, wir haben zwei entsprechende Kuscheltiere: Eisbär, der Ältere, wie die Tochter inzwischen 3,5 Jahre Jahr alt, hat bei Aufnahme in die Familie den Titel UweTommerDonnie bekommen – dabei handelt es sich um die Aneinanderstrickung vergangener Berliner Eishockey-Trainer. Eisbär, der Jüngere, der etwas später hinzukam, ist einfach da – ohne Titel. Er wird geduldet, mehr nicht. Benedikt Paetzholdt


2. Dezember -Lovebird des Urlaubs

Foto:  Privat

Es geschah im Sommerurlaub auf Rügen. Einen Tag lang schon hatten wir einen exotischen Vogel beobachtet, der von Baum zu Baum flog. Er war wohl aus irgendeinem Vogelbauer entwischt. Völlig erschöpft landete er auf unserem Balkon. Wir schafften es, ihn ins Zimmer zu locken. Dort saß er knülle auf dem Boden, wo wir ihn fütterten.

Später hockte er auf der Gehhilfe unserer Oma. Am Ende fanden wir eine Tierstation, die den Vogel aufnahm. Dem Aussehen nach gehörte er zur Papageienart der Unzertrennlichen, auch „Lovebird“ genannt – bekannt für bedingungslose Partnertreue. Hatte er seinen Partner verloren? Wenn ja: Hoffentlich fand er in der Tierstation eine neue Liebe. Torsten Harmsen


1. Dezember – Ein Hamster namens Weißkohl

Foto: Imago stock&people

Lange bevor ich Hunde hatte, kümmerte ich mich zu Hause um zahlreiche andere Tiere. Ein früher Liebling war der Hamster Weißkohl, der sich der großen Zuneigung sämtlicher Familienmitglieder erfreute. Den Namen hatte mein Bruder ausgewählt, eine Anspielung auf den weißen Bauch des Tiers. Ich fand ihn nicht lustig. Weißkohl war zwar klein, wie sich das für einen Goldhamster gehört, aber bot doch ein bisschen Streichelfläche. Als ich einmal in einem Schulaufsatz von ihm erzählte, übersah die Lehrerin meinen Buchstabendreher und gab mir eine Eins.

Meinen Vater regte das zu einem eigenen Text über den „Glodhamster“ an. Weißkohl war vor allem deshalb so beliebt, weil er auf seinen Namen hörte. Es war in der Vorweihnachtszeit, als meine Eltern dies bei einem fröhlichen Abend mit redseligem Besuch vorführen wollten. Weißkohl fiel dabei vom Tisch. Vielleicht war er betrunken. Er rannte davon und ward nie wieder gesehen. Wir wohnten in einem Altbau mit (so war das in der DDR) geheimnisvollen Verstecken. Cornelia Geißler