Foto: Anne Brüning

Wenn wir an Mathilda denken, ist das dieses Jahr ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zusammen. Denn das Schlappohr-Zwergkaninchen, das mit seinem Bruder George seit ein paar Jahren Teil unserer Familie ist, hätte es fast nicht durch den Herbst geschafft. Das Häschen kauerte eines Tages apathisch im Stall. Also ab in die Tierarztpraxis. Dort wurde Mathilda stationär aufgenommen, im Inkubator gewärmt und mit Heubrei gepäppelt. Es stand auf der Kippe, ging aber gut. Nach zwei Tagen durfte Mathilda nach Hause und erholte sich schnell. Jetzt hoppelt, schnuppert und mümmelt sie wieder. Zu Weihnachten gibt es ein Festtagsmenü: frische Petersilie und ein Stück Apfel. Anne Brüning

23. Dezember - eine Kamelhalsfliege in Seenot

Foto:  xblickwinkel/H.xBellmann/F.xHeckerx

Es war ein ruhiger Herbsttag in den Stockholmer Schären, kräuselige kleine Wellen auf dem Meer. Fast hätte ich sie nicht gesehen, nur im Augenwinkel bemerkte ich, wie sie mit ihren Flügeln schlug, aber nicht von der Wasseroberfläche abheben konnte. Eine Kamelhalsfliege in Seenot! Sofort stoppte ich mein Ruderboot, hob sie vorsichtig an Bord, setzte sie auf die hintere Bank. Dort saß sie dann im leichten Wind, ließ ihre Flügel trocknen. Krabbelte irgendwann los zur Bordwand, weiter zur Rudergabel, über den Riemen auf meine Hand, den Arm entlang bis auf den Kopf, spannte die Flügel aus und flog an Land. Wollte sie sich bedanken, so hatte sie es mit ihrer Zutraulichkeit getan. Frederik Bombosch

22. Dezember - der Elch

Foto: imago images/ Lem

Eines Tages war er einfach da, der flauschige Kerl. Es muss so um die Adventszeit vor fünf Jahren gewesen sein. Er saß auf unserem Sofa und starrte mich mit seinen schwarzen Kulleraugen selig an. Wo er herkam? Irgendwo aus Schweden, sagte er. Bereits nach kurzer Zeit bestand er auf einem Namen und fühlte sich als vollwertiges Familienmitglied. Ohne Pflichten, dafür mit Extra-Rechten. Diktatoren-Rechten! Er will mit seinen haarigen Pfoten im Keksteig rühren oder vom Sofa aus Befehle erteilen. Nach kurzer Diskussion nannten wir ihn Herr Älchinger und stellten ihm das Sofa bedingungslos zur Verfügung. Seitdem bedient er sich munter an unseren Keksen und krümelt alles voll. Isabella Galanty

21. Dezember – die Kuchentiere

Foto: privat

Nach den W-Tieren war ich als Kind mit Haustieren durch. Wellensittich und Wasserschildkröten hatten ein kurzes, hartes Leben bei mir. Schnell war ich auf den Geschmack von Kuchentieren gekommen. Besonders in der Vorweihnachtszeit beschert das Backen sensorisch-philosophisches Vergnügen. Lebkuchen etwa: Erst ist der Teig klebrig, widerständig. Doch nach dem händischen Kneten fühlt sich die mehlbepuderte Oberfläche an wie Seide, noch warm vom  heiß gemachten Honig. Und dann das Verzieren mit Puderzuckerkleister und essbarem Schmuck aller Art. Okay, andere können das besser. Mir kommt es eben auf die Balance aus Honig, Muskat, Zimt, Nelken an. Es zählen innere Werte. Tobias Miller

20. Dezember - Sissi, die Kaiserin

Foto:privat

Sissi, eine wahre Kaiserin, ist bei uns eingezogen. Sie hieß bereits so, als wir das Kaninchen bei uns aufnahmen. Namen verändert man nicht, fand ich. Irgendwie hat Sissi auch gepasst. Wie ein Sausewind rannte sie durchs Wohnzimmer. Runde um Runde, immer schneller. So schnell, dass sie manche Kurve nicht schaffte und mit dem Hintern gegen die Heizung knallte. Rums! Sie konnte auch ganz verkuschelt sein. Eines Nachmittags war sie verschwunden. Wir haben die ganze Wohnung durchsucht. Hat sie ein Kabel angeknabbert? Klemmt sie hinterm Sofa? Ne, nichts. Bis sich die Bettdecke meiner Eltern verdächtig bewegte. Sissi hatte es sich gemütlich gemacht – höchst kaiserlich. Dorothea Nitzsche

19. Dezember - Mia, die erfolglose Catfluencerin

Foto: privat

Auf Instagram ist meine Katze Mia eher ein Sternchen als ein Star. Dass sie den letzten Schritt zur erfolgreichen Catfluencerin nicht geht, liegt an ihrem Naturell: Sie lässt sich nicht verbiegen. Das heißt, im physischen Sinne schon. Gerade nachdem sie mal wieder ein Nickerchen gemacht hat, turnt sie mir „Katze-Kuh“ vor, dass es jedem Yogalehrer eine Freude wäre – aber auf meine Kommandos hören, mir Wünsche erfüllen oder wenigstens mein flehentliches Betteln erhören, ist nicht drin. Und so liegt auch diesen Dezember das Rentierkostüm wieder ungenutzt in der Kiste und ich passe für das perfekte Weihnachtsfoto nur den Moment ab, an dem sie zufällig neben dem Adventskranz sitzt. Domescu Möller

18. Dezember - Das Tier ohne Namen

Das Tier hatte keinen Namen, aber es soll ein schönes Leben gelebt haben. Das versicherten uns jedenfalls die Leute, die es verkauften. Das Tier war eine Gans. Sie lebte nicht irgendwo in Polen oder Ungarn unter irgendwelchen Bedingungen – wie fast 90 Prozent der Weihnachtsgänse, die hierzulande serviert werden. Unsere Gans lebte ein halbes Jahr lang auf einem Bio-Bauernhof in Brandenburg. Kurz vor dem Fest konnten wir sie frisch geschlachtet in einem Büro am Kudamm abholen. Dort standen die Leute Schlange, die 50 Euro für das artgerechte Leben ihres Festtagsbratens bezahlt hatten. Unsere Gans sah sehr schön dick aus, war aber gar nicht fett. Und gebraten schmeckte sie hervorragend. Jens Blankennagel


Foto: privat

17. Dezember - Der gefräßige Skalar

Ich hatte mir immer einen Fisch gewünscht – bis ich mir selbst einen kaufte, einen Goldfisch. Der Arme wurde in seinem Bowleglas gesotten, das wir an einem Sommertag im Auto hatten stehen lassen. Zur Entschädigung bekamen mein Bruder und ich zu Weihnachten ein Aquarium, mit Guppys, Black Mollys und: einem Skalar. Ein Prachtbursche, leicht suizidal – er versuchte öfters, aus dem Aquarium zu springen – und eigen, was den Speiseplan anging: Der sah nämlich auch Fisch vor, so dass sich das Aquarium sukzessive leerte und Weihnachten darauf nur noch der Skalar übrig war. Es war der Beginn einer langen Freundschaft. Ich hatte mir einen Fisch gewünscht – das war er. Christian Seidl


16. Dezember - Lancelot, der Albino

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Nur sechs Jahre alt sollte Lancelot laut Züchter werden. Ich war neun Jahre alt und Lancelot der Kompromiss zu einem Hund. Der Züchter sagte, dass Schneehasen nicht so alt werden und wir Lancelot immer im Käfig halten sollten. Taten wir nicht. Lancelot sprang heraus, wie es ihm beliebte, und war da, wo wir auch waren. Wenn er keine Lust mehr hatte, dann sprang er zurück in den Käfig, den man heute auch anders gestalten würde. Irgendwie artgerechter. Aber damals sah man das nicht so eng. Lancelot wurde mit Kartoffeln und Trockenfutter verwöhnt und im Sommer saß er unter einem Baum und mied die Sonne. Er war ein Albino und ich habe ihn geliebt. Er wurde fantastische zehn Jahre alt. Marcus Weingärtner


15. Dezember - Cockerspaniel Sascha

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Plötzlich war Sascha da. Der Cockerspaniel war mir nicht unbekannt, er gehörte den Nachbarn zwei Häuser weiter. Einer vierköpfigen Familie, die den ganzen Tag in hellen Tennisklamotten herumlief und ihre Wochenenden auf Tennisplätzen verbrachte. Die wollten Sascha nicht mehr haben, einen Blauschimmel, drei Jahre alt. Er war eine Art Weihnachtsgabe, unser erstes Tier überhaupt; viele sollten folgen, noch heute hat meine Muttern einen Hund. Sascha aber war besonders, niemand verbellte so begeistert Passanten vor unserem Gartenzaun und niemand apportierte so unverdrossen Tennisbälle. Ich sollte ihn später „strukturdoof“ nennen. Was für ein garstiges Wort! Christian Schlüter


14. Dezember - Mäxchen und die grüne Wäscheklammer

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Mäxchen war kein gewöhnlicher Wellensittich. Er konnte headbangen und fütterte hingebungsvoll eine als Partnervogel-Ersatz dienende grüne Wäscheklammer. Einen Fluchtversuch im Garten brach er nach wenigen Sekunden ab und ließ sich widerstandslos zurück in seinen Käfig setzen. Meine Mutter meinte zwar, er sei einfach zu dick, um wegzufliegen, aber ihr fehlte an dieser Stelle der Überblick. Nein, Mäxchen liebte uns so sehr, dass er alles verzieh. Meiner Mutter, dass sie den Suppentopf nicht deckelte und er in der heißen Brühe landete. Meiner Oma, dass sie zu Weihnachten mit der schweren Holzpantine auf ihn drauf latschte. Mäxchen flog ungerührt weiter – zurück zu seiner Klammer. Anne Vorbringer


13. Dezember – Das Klopatier

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Nach Abzug aller Wutausbrüche und anderer aufwühlender Ereignisse wie Wachstumsschub und Wackelzahn sind Kleinkinder ja vor allem lustig. Man sollte aber nicht allzu oft über sie lachen, weil: siehe oben. Sehr lustig sind vor allem die Zwischenschritte auf dem Weg zum Spracherwerb. Ihren Schnuller nannte unsere Tochter „Uschi“, sie rollte mit der Zunge und trank „RO-Saft“, um die Dopplung phonetisch hervorzuheben, sagt sie heute noch „Zwillillinge“, außerdem „fotofiert“ sie gerne. Und dann wohnt bei uns das „Klopatier“ im Bad. Das Klopatier soll ein entfernter Verwandter des Backpatiers und Malpatiers sein. Wahrscheinlich ist es viel lustiger als das Pubertier. Paul Linke


12. Dezember - Drei Haselnüsse für Nasi

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Erst der Nager, dann der Mensch. So beginnt ein jeder sinnvoller Tag, seit sich uns ein Eichhörnchen (ja, es gibt auch dunkelbraune) angeschlossen hat. Von einer befreundeten Vierjährigen wurde das Tier Nasi getauft, da seine Nase beim Herumschnuppern so niedlich näselt. Nun heißt es also jeden Morgen nach dem Aufstehen: Drei Haselnüsse für Nasi. Um die geistige Mobilität des Kleinnagers zu fördern, werden sie mal hier mal dort in den Blumenkästen versteckt. Nasi hat das Spiel allerdings durchschaut und ist jüngst dazu übergegangen, sich direkt aus der Tüte zu bedienen. Die liegt natürlich nicht lose auf dem Balkon herum, sondern ist sorgfältig gedeckelt. Kein Problem für Nasi, die schlaue Nuss. Frank Junghänel


11. Dezember - Bonnie, der Miethai

Foto: privat

Maria, Josef und das Jesuskind hatten es nie leicht bei uns. Erbarmen und Nächstenliebe waren Fremdwörter für meine Katze Bonnie, die zwar herzallerliebst dreinschauen konnte, aber alljährlich die selbstgebaute Krippe in Beschlag nahm. Mit einem Tatzenhieb und einem konsequenten Schwanzschlag wurde das Jesuskind samt Hirten umgeschubst und sich breit gemacht. Schaue ich mir heute das Foto an – es ist wohl etwa 30 Jahre alt, man erkennt es am Lametta, das heute wohl kaum einer mehr ernsthaft verwendet –, könnte man das Bild wohl inzwischen auch gut zur Bebilderung eines Gentrifizierungsartikels nutzen. Bonnie, der kleine Miethai, oder so ähnlich. Melanie Reinsch


10. Dezember – Uta reist mit

Foto: privat

Auf meinem eleganten beigen Sofa lebt eine fröhliche Äffin. Farblich passt das gut, denn Uta (wegen der schicken Windstoßfrisur identifizierte ich das Tier als eine Sie) ist braunhaarig. Darüber hinaus ist der Orang-Utan nicht nur optisch eine Bereicherung, Uta unterhält mich auch beim Abendbrot und bringt mich zudem auf neue Ideen – seit dem Tag vor fünf Jahren, an dem sie mir ein Freund zu Weihnachten schenkte. Das geschah nach einem Zoo-Besuch, wo wir uns lange darüber amüsiert hatten, wie die Affen mit einem Bettlaken spielten. In diesem Jahr wartet eine große Überraschung auf Uta: Ich schenke uns beiden eine Reise nach Sumatra – denn dort ist neben Borneo die Heimat der Orang-Utans.  Susanne Dübber


9. Dezember - Kuscheln mit dem Griechen

Foto: privat

Die kalten Temperaturen sind für Henry, den Griechen, nichts. Zum guten Stil eines autonomen Katers gehört für ihn, sich den Pelz von der Sonne maximal aufheizen zu lassen und dann auf kühlen Fliesen rücklings zu ruhen, alle viere lässig von sich gestreckt, bis es Zeit zum Essen ist. Jetzt muss er das Dasein eines Untermieters im Plumeau seiner Menschen fristen und steht nicht auf, bevor es erstens hell und zweitens heizungswarm genug geworden ist. Einen Wollschal, wie Bob der Streuner ihn trägt, lehnt er als englisches Exzentrikertum aber ab. Advent heißt für Henry: warten, bis die Wärme wiederkommt. Dass der Winter noch gar nicht wirklich angefangen hat, sagen wir ihm lieber nicht. Petra Kohse


8. Dezember - Leo und Cleo

Foto: Privat

Kuschelhasen, wo’s  jetzt so zeitig dunkel wird – das sind Leo und Cleo. Er, der Zwergwidder, mollig-gemütlicher Schlappohrträger, lässt sich mit „Sir“ anreden. Sie, das Löwenköpfchen, trägt ihr kokettes Naturell gern pharaoninnengemäß zur Schau, putzt sich emsig und geht abends ungern schlafen. Irgendwas muss doch noch los sein, ’ne Party, Musik, jemand, der sie bewundert und mit ihr spielt. Aber sie will gewinnen! Gar nicht kapriziös stellt Vegetarierin Cleo sich beim Fressen an: etwas Heu, ein paar Körner, gerne Möhrchen. Anders Sir Leo an ihrer Seite: Er knabbert bevorzugt frisches Basilikum und nach dem allabendlichen Blaubeer-Drops trollt er sich ins Heu-Bettchen. Ingeborg Ruthe


7. Dezember - Der alte Herr und Hilde

Foto: Privat

Zwölf ist er, der Dackel, ein alter Herr mit Allüren. Hält sich für Napoleon. Überhört jeden Späterziehungsversuch. Im Treppenhaus wird er neuerdings zum Charmeur. Was an Hilde liegt. Sie bezog jüngst die Wohnung gegenüber und ist ein Chihuahua. Wenn wir Hilde treffen, wird der Dackel wieder jung, tänzelt, wanzt sich ran. Hilde gibt sich unnahbar. Im Lexikon las ich nach, was den Chihuahua ausmacht: 1. Hält sich für Napoleon. 2. Hat oft eine empfindliche Stelle am Kopf. 3. Sollte nicht vom Mobiliar springen, weil sonst Knochenbrüche drohen. Ich habe dem Dackel erklärt, dass er sich fernhalten soll. Aus Sicherheitsgründen. Er wird die Warnung ignorieren. So ist das mit dem Verliebtsein. Bettina Cosack


6. Dezember - Die Chinesische Nachtigall

Eine Nachtigall.
Foto: Privat

Der Name Anno klingt entfernt nach einer Körperöffnung. Ein Glück also, dass wir die Chinesische Nachtigall nicht am 5. Dezember bekamen, dem Namenstag von Anno, sondern am 6., und so tauften wir sie Nick. Wegen Nikolaus, Bischof von Myra, legendärer Stiefelfüller. Auch Nick war ein Wohltäter. Das hatte mit Pit zu tun und dem Tipp eines Bekannten, der Nachtigall einen Finken in die Voliere zu geben. Pit eben. Das passte nicht nur namentlich. Nick nahm Pit nachts unter seinen Flügel. Die beiden waren unzertrennlich. Dann starb Pit. Nick verlor die Schwanzfedern, eine Zeit lang war er sehr durcheinander. Einmal kackte er mir auf die Schulter. Da hätte Anno als Name besser gepasst. Christian Schwager


5. Dezember – Zwei Rennmäuse auf Klassenfahrt

Rennmäuse
Foto: xblickwinkel 

Klassenfahrten habe ich immer gehasst. So sah ich auch der Fahrt im Winter der achten Klasse schlecht gelaunt entgegen. Doch dieses Mal kam es anders, denn kurz zuvor hatte sich meine Schulfreundin Jenny verbotenerweise zwei Rennmäuse zugelegt, die sie Mario und Anna nannte (das sollte, kein Scherz, zusammen das Wort Marihuana ergeben). Jenny brachte sie mit und versteckte sie  im Schrank in unserem Zimmer, wo sie prompt gefunden wurden. Am Ende durfte ich die Mäuse adoptieren und taufte sie um: in Jekyll und Puschkin. Letzteres beeindruckte meine Eltern, da sie eine Hommage an den Dichter vermuteten. Dass ich den Namen auf einer Wodkaflasche entdeckt hatte, verschwieg ich lieber. Tanja Brandes


4. Dezember -Eine Amsel mit Alkoholproblem

Eine Amsel.
Foto: imagoimages/STAR-MEDIA

Diese Amsel hat vermutlich ein Alkoholproblem. Alljährlich im Herbst torkelt sie durch die Luft, klammert sich in den Ranken des Wilden Weins fest und haut sich die vergärenden Beeren in den Schlund. Aufgrund einer weißen Feder und ihres exaltierten Benehmens nannten wir die Amsel Blanche, nach der trinksüchtigen Figur aus Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“. Dann erfuhren wir, dass es sich wegen des schwarzen Gefieders um einen Hahn handeln musste. Bei der Umbenennung wollten wir den Suffaspekt nicht außer Acht lassen und wurden im selben Stück fündig. Das Tier heißt nun wie Blanches polnischer Schwager Kowalski, lässt jegliche Eleganz vermissen und pöbelt rum.  Ulrich Seidler


3. Dezember - Eine echte Eisbär-Liebe

Foto: Privat

Haustiere haben in dieser Familie nie eine Rolle gespielt. Dafür dominieren die Berliner Eisbären seit nunmehr sieben Jahren Alltag, Urlaubsplanung, Freizeitgestaltung und gemeinsame Essenszeiten. Insider wissen, dass beim Vater die Eishockey-Sicherungen durchgebrannt sind. Nun, wir haben zwei entsprechende Kuscheltiere: Eisbär, der Ältere, wie die Tochter inzwischen 3,5 Jahre Jahr alt, hat bei Aufnahme in die Familie den Titel UweTommerDonnie bekommen – dabei handelt es sich um die Aneinanderstrickung vergangener Berliner Eishockey-Trainer. Eisbär, der Jüngere, der etwas später hinzukam, ist einfach da – ohne Titel. Er wird geduldet, mehr nicht. Benedikt Paetzholdt


2. Dezember -Lovebird des Urlaubs

Foto:  Privat

Es geschah im Sommerurlaub auf Rügen. Einen Tag lang schon hatten wir einen exotischen Vogel beobachtet, der von Baum zu Baum flog. Er war wohl aus irgendeinem Vogelbauer entwischt. Völlig erschöpft landete er auf unserem Balkon. Wir schafften es, ihn ins Zimmer zu locken. Dort saß er knülle auf dem Boden, wo wir ihn fütterten.

Später hockte er auf der Gehhilfe unserer Oma. Am Ende fanden wir eine Tierstation, die den Vogel aufnahm. Dem Aussehen nach gehörte er zur Papageienart der Unzertrennlichen, auch „Lovebird“ genannt – bekannt für bedingungslose Partnertreue. Hatte er seinen Partner verloren? Wenn ja: Hoffentlich fand er in der Tierstation eine neue Liebe. Torsten Harmsen


1. Dezember – Ein Hamster namens Weißkohl

Foto: Imago stock&people

Lange bevor ich Hunde hatte, kümmerte ich mich zu Hause um zahlreiche andere Tiere. Ein früher Liebling war der Hamster Weißkohl, der sich der großen Zuneigung sämtlicher Familienmitglieder erfreute. Den Namen hatte mein Bruder ausgewählt, eine Anspielung auf den weißen Bauch des Tiers. Ich fand ihn nicht lustig. Weißkohl war zwar klein, wie sich das für einen Goldhamster gehört, aber bot doch ein bisschen Streichelfläche. Als ich einmal in einem Schulaufsatz von ihm erzählte, übersah die Lehrerin meinen Buchstabendreher und gab mir eine Eins.

Meinen Vater regte das zu einem eigenen Text über den „Glodhamster“ an. Weißkohl war vor allem deshalb so beliebt, weil er auf seinen Namen hörte. Es war in der Vorweihnachtszeit, als meine Eltern dies bei einem fröhlichen Abend mit redseligem Besuch vorführen wollten. Weißkohl fiel dabei vom Tisch. Vielleicht war er betrunken. Er rannte davon und ward nie wieder gesehen. Wir wohnten in einem Altbau mit (so war das in der DDR) geheimnisvollen Verstecken. Cornelia Geißler