Zunächst eine Nachricht aus der Rubrik: Hätten Sie’s gewusst? Und zwar: Friedrichshain-Kreuzberg hat einen Stadtrat für Ordnung. Und das ist gar nicht so abwegig, bedenkt man, dass vor allem der Kreuzberger sein Chaos gerne geordnet hat. Zum Beispiel das internationale, junge Flair auf den Straßen. Ja, aber bitte ohne viel Lärm – wie wäre es mit schalldämpfender Gummibeschichtungspflicht für Rollkoffer?

War bisher zum Glück nur so ein Gedanke, übrigens von Bürgermeisterin Monika Herrmann, nicht von besagtem Stadtrat für Ordnung. Der heißt Peter Beckers und zu seinem Aufgabengebiet gehört außerdem die Wirtschaft. Beckers weiß also, dass die lärmenden Touristen nicht nur zerdepperte Bierflaschen und Urin an den Hauswänden lassen, sondern auch viel Geld in den Hotels und an den Tresen und Tischen, der Bars, Restaurants und Clubs. Ordnung und Wirtschaft im Bezirk gehören zusammen, auch wenn es zuweilen heftig knirscht.

Beckers hat sich deshalb etwas ausgedacht, was er „stadtverträglichen Tourismus“ nennt und Donnerstag im Fluxbau, einem Club an der Spree, vorgestellt hat. Erstes Ziel: Lärm verringern. Und zwar so, dass das kreative, weltoffene Image des Bezirks nicht touchiert wird, sondern vielleicht gar ein nettes Urlaubsvideo auf dem Smartphone dabei herauskommt. Und das geht so: Eine Gruppe Künstler von der Berliner Pantomimeschule wird lautlos zwischen der auch Ballermanns Rache genannten Simon-Dach-Straße und dem Kotti d’Azur herumspringen und die Nachtschwärmer charmant um Ruhe und Sauberkeit bitten.

Unterstützt wird Beckers Initiative vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und Visit Berlin, der Tourismusgesellschaft, der längst klar ist, dass Berlin nicht so beliebt ist, weil sie so viele Werbeplakate aufgehängt hat. Umgesetzt wird das Projekt von der Club Commission, dem Interessenverband des Berliner Nachtlebens.

Der hat zunächst untersucht, wie das in anderen Städten so läuft, in Venedig zum Beispiel, wo ein Kreuzfahrtschiff schon mal 5.000 Touristen auf einmal in die Gassen entleert, oder Amsterdam, wo die jungen Partygänger zum Alkohol auch noch kiffen dürfen. Die Pantomime, ein Import aus den Partymetropolen Genf und Brüssel, waren am schnellsten umsetzbar.

Und so eine Darbietung klingt natürlich hübscher als Auftritte von in ihren Uniformen eher ungrazil wirkenden Ordnungsamtsmitarbeiter. Oder allabendliche Einsätze der Polizei wie auf der aus Reiseführern bekannten Admiralbrücke. Mediatoren, wie sie auch die Pantomime begleiten sollen, haben dort kaum etwas ausrichten können im Konflikt schlaflose Anwohner versus berlineuphorische Erasmus-Studenten. Nach dem Sommer wird man sehen. Die Pantomime sollen übrigens weniger traditionell aussehen, sondern zum „Style Berlins“ passen. Vollbart und Röhrenjeans? Das nennt man dann Realsatire.