Berlin - Erst qualmen, dann wegwerfen. Millionen von Zigarettenkippen landen achtlos auf Berlins Straßen. Und nicht nur dort. Auch die Sandstrände der Strandbäder verwandeln sich immer mehr in ein Stummel-Meer.

Vielen Gästen kippt bei diesem Anblick die Badelaune. Das Strandbad Wannsee ist jetzt das erste in Berlin, das daher mit einem uneingeschränkten Rauchverbot droht.

Im Strandbad, in das bis zu 6000 Besucher an Hitzetagen kommen, wird der Strand mit Kippen überflutet. Jeden Morgen werden sie mit einer großen Kehrmaschine entsorgt.

Überdimensionaler Aschenbecher

„Sollten die Stummel im Sand überhandnehmen, müssen wir über ein absolutes Rauchverbot für das Strandbad Wannsee nachdenken“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe. Was kaum einer weiß: Am Strand des Bades herrscht bereits Rauchverbot. So steht es in der Hausordnung. Nur hält sich kaum ein qualmender Badegast daran. Um Ärger zu vermeiden, haben die Bäderbetriebe bisher die Strand-Raucher toleriert.

Allerdings bitten die Bademeister per Durchsage im Gegenzug darum, wenigstens die Kippen in die dafür vorgesehenen Aschenbecher zu entsorgen. Was scheinbar von vielen nicht befolgt wird. „Eigentlich müsste jedem klar sein, dass Strandbadstrände keine überdimensionalen Aschenbecher sind“, sagt Bäderbetriebe-Sprecher Oloew.

4000 Chemikalien

Laut einer TU-Studie liegen auf jedem Quadratkilometer in Berlin 2,7 Millionen weggeworfene Zigarettenkippen. Das hat Folgen. Viele gelangen nach Regenfällen durch die Kanalisation oder direkt von den Uferzonen in die Berliner Gewässer. Dort wurden im Schnitt bis zu zwei Mikrogramm Nikotin gemessen. 

Das Gift, dass nicht nur Menschen schadet, „schädigt auch das Ökosystem der Gewässer“, sagt Daniel Wicke vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Das Nikotin kann so die Fruchtbarkeit der dort lebenden Organismen negativ beeinträchtigen. Außer Nikotin sind in einer Kippe noch bis zu 4000 Chemikalien, darunter Arsen und Blei.