Ärzte dürfen ihre Praxis nur noch in ein Gebiet verlegen, das schlechter medizinisch versorgt ist als ihr bisheriger Standort. Auf diese Strategie haben sich Senatsgesundheitsverwaltung, Kassenärztliche Vereinigung (KV) und Krankenkassen verständigt. Bislang zog es die rund 80 Ärzte, die jährlich umziehen, meist in eine wohlhabendere Gegend, doch jetzt gilt das „Prinzip bergab“.

Ein Hausarzt aus Pankow kann sich also ohne Weiteres in Neukölln niederlassen, wo der Versorgungsgrad mit nur 50 Prozent am schlechtesten in Berlin ist. Charlottenburg-Wilmersdorf mit einer Versorgungsdichte von über 160 Prozent bleibt dem Mediziner dagegen verwehrt.

Mit knapp 9000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten ist Berlin zwar die am besten ausgestattete Region Deutschlands. „Das Problem ist nicht die Anzahl, sondern die Verteilung“, sagt Gabriela Leyh, Leiterin des Landesverbandes der Ersatzkassen. Es bestehe durchaus das Risiko, dass nun weniger Ärzte umziehen, weil sie nicht in Gegenden mit einer schwierigen Sozialstruktur arbeiten wollen, sagt Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU).

Doch mit anderen Mitteln erreiche man eine gerechtere Verteilung nicht. Erstens werde es wegen eines Zulassungsstopps nicht mehr Ärzte geben, die sich neu niederlassen. Und Mediziner, die in den Ruhestand wechseln, würden ihren Arztsitz meist vererben oder in einer Gemeinschaftspraxis an den Mitinhaber übertragen.

Nach Angaben von KV-Vorstand Uwe Kraffel sind bereits Klagen von Praxen, denen Umzüge vom Zulassungsausschuss der KV und der Kassen verweigert wurden, anhängig. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir bis 2015 sichtbare Ergebnisse schaffen“, sagt er. Dann soll ausgewertet werden, wie die Versorgung sich entwickelt hat.

Eine weitere Neuerung steht 2015 auf dem Prüfstand: So sollen ärmere Bezirke deutlich mehr Hausarzt- und Kinderarztpraxen bekommen. Werden bislang bei der Berechnung des Versorgungsgrades die Einwohnerzahlen (auf 1409 Berliner kommt ein Hausarzt) und der Altersdurchschnitt berücksichtigt, kommen nun Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder einfache Wohnlage hinzu.

„Der Zusammenhang von Gesundheit und sozialer Lage ist belegt“, sagt Czaja. Menschen in sozial schwachen Gegenden würden häufiger krank. Doch dort herrsche Ärztemangel, während die Versorgung in Bezirken mit einem günstigen Sozialindex wie Steglitz-Zehlendorf überdurchschnittlich gut sei. Dort soll es weniger Praxen geben.