Berlin - Der Fall des Berliner Journalisten Billy Six, der in Venezuela seit vier Monaten in einem Gefängnis des dortigen Geheimdienstes festgehalten wird, bewegt die Gemüter. Viele Berliner finden es unverständlich, warum sich die Bundesregierung nicht öffentlich für die Freilassung des Mannes einsetzt und demonstrierten Mittwoch gemeinsam mit der Familie vor dem Auswärtigen Amt. Auch die AfD hat das Thema für sich entdeckt. Für die Eltern zählt allerdings nur eins: „Wir wollen unser Kind lebend wiedersehen“, so der Vater des Journalisten zur Berliner Zeitung.

Als Billy Six (32) Mitte November 2018 in Venezuela wegen angeblicher Spionage und Rebellion verhaftet wurde, waren seine Eltern auf einer mehrjährigen Fahrradtour rund um die Welt. Inzwischen sind sie wieder in Berlin – und versuchen alles, um ihren Sohn nach Hause zu holen.

Keine wirkliche Unterstützung von Billy Six durch Außenministerium

Doch anders als in anderen Fällen zeigt sich das Außenministerium diesmal auffallend zurückhaltend. Zwar hatte Heiko Maas (SPD) im Bundestag kürzlich beteuert, man betreue Six konsularisch. Das Auswärtige Amt habe zudem mit dem venezolanischen Botschafter in Berlin über den Fall geredet. Auch als Reaktion auf die Demonstration am Mittwoch wies das Auswärtige Amt die anhaltende Kritik am mangelnden Einsatz für den inhaftierten deutschen Journalisten Billy Six am Donnerstag erneut zurück.

Bisher hätten drei Haftbesuche stattgefunden. „Im Rahmen unserer intensiven konsularischen Betreuung setzen sich das Auswärtige Amt und die Botschaft Caracas auch weiterhin dafür ein, dass die Herrn Six zustehenden Rechte respektiert und eingehalten werden und er ein transparentes und rechtsstaatliches Verfahren erhält“, hieß es wörtlich. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte bereits im Februar dem Vorwurf der Untätigkeit widersprochen. Doch eine wirkliche Unterstützung wie in vergleichbaren Fällen gibt es dennoch bislang nicht. „Wir haben alle Parteien in Deutschland um Hilfe gebeten, sich öffentlich für die Forderung nach unverzüglicher Freilassung unseres Sohnes und deutschen Journalisten Billy Six einzusetzen“, sagt Edward Six der Berliner Zeitung.

Vater Edward Six fordert persönliches Gespräch mit Heiko Maas

Insgesamt 709 Bundestagsabgeordnete habe man persönlich angeschrieben. Und nur 35 Rückläufe bekommen. Dass nun die AfD und die ebenfalls rechtslastige „Merkel-muss-weg“-Bewegung den Fall Six für sich entdeckt haben, „ist halt so“, sagt der Vater des Journalisten Billy Six. Dieser arbeitet vor allem für die rechtskonservative Wochenzeitschrift Junge Freiheit.

„Es geht mir nur darum, dass ich meinen Jungen lebend wiedersehe. Wer selber Kinder hat, der weiß, was ich und meine Frau gerade durchmachen!“ Ihm sei daher „jede Unterstützung recht, gerne auch von den Grünen, der SPD, der FDP oder CDU, von wem auch immer. Das ist uns völlig egal!“ Weil vor allem die Unterstützung des Außenministeriums fehle, hatte Edward Six für den späten Mittwochnachmittag eine Kundgebung vor dem Auswärtigen Amt angekündigt. „Wir fordern ein persönliches Gespräch mit Heiko Maas, um ihm in die Augen zu schauen."