Begleitet von Protesten linker Demonstranten haben 5000 Anhänger der rechtspopulistischen AfD in Berlin demonstriert. Der Protestzug der rechtspopulistischen Partei stand unter dem Motto "Asyl braucht Grenzen. Rote Karte für Merkel". Die Polizei war mit rund 1100 Beamten am Samstag im Einsatz.

40 Festnahmen

Etwa 1100 Gegendemonstranten versuchten, den AfD-Anhängern den Zugang zum Treffpunkt am Roten Rathaus zu versperren, wie ein Polizeisprecher berichtete. Eine Sitzblockade wurde von Polizisten aufgelöst. Dabei setzten sie vereinzelt auch Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Zum Teil wurden Demonstranten weggetragen. Es gab 79 Festnahmen, 29 Polizisten wurden verletzt.

Die Teilnehmer der AfD-Demonstration sprachen sich mit Plakaten und Transparenten gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Aufnahme von Flüchtlingen aus. Immer waren bekannte AfD-Sprechchöre zu hören: "Wir sind das Volk", "Lügenpresse" oder "Merkel muss weg". Unter den AfD-Anhängern waren viele ältere Menschen aus bürgerlichen Kreisen, aber auch eine Gruppe von etwa 40 klar erkennbaren Neonazis.

Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch sagte zu Beginn der Kundgebung: "Wir schaffen und wollen nicht Zehntausende Flüchtlinge pro Tag." Auch der brandenburgische AfD-Chef Alexander Gauland rechnete mit Merkels Flüchtlingspolitik ab. Sie gehe einen deutschen Sonderweg und isoliere Deutschland in Europa. "Merkel hat eine Meise", stellte er fest.

Mehrere Hundert Menschen demonstrieren für Weltoffenheit

Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry warf den übrigen Parteien bei der Schlusskundgebung vor, die nationale Identität Deutschlands durch eine Massenzuwanderung zu gefährden. Das Sozialsystem habe endliche Kapazitäten, das müsse allen klar sein.

Entlang der Strecke des Aufzugs bis zum Hauptbahnhof demonstrierten mehrere Hundert Menschen für Weltoffenheit und beschimpften die AfD-Anhänger als „Rassistenpack“. An den Absperrungen der Polizei schrien sich Mitglieder beider Lager gegenseitig an. Nach Polizeiangaben blieb es aber weitgehend friedlich. Die Gegendemonstranten pfiffen, riefen "Halt die Fresse" und "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda":

Gewerkschaften und Parteien gegen die AfD

Am Nachmittag gab es dann eine Kundgebung gegen die AfD am Brandenburger Tor. Die Berliner Landesverbände von SPD, CDU, Grünen und Linken hatten dazu aufgerufen. Auch Mitglieder der Piratenfraktion demonstrierten.

Berlins SPD-Chef Jan Stöß sagte, man wolle ein Zeichen gegen die AfD setzen: "Wir überlassen diesen Menschen nicht die Straßen und Plätze im Herzen Berlins. Wir stehen für ein freies und weltoffenes Berlin." AfD und Pegida, das sei fremdenfeindliche Hetze, so Stöß.

Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein

Bereits am Vormittag gab es eine Kundgebung gegen die AfD. Sie begann gegen 11 Uhr in der Kreuzberger Kochstraße und zog weiter zur Abschlusskundgebung zum Bebelplatz nach Mitte.

Dabei hatte es eine Auseinandersetzung zwischen Polizei und Gegendemonstranten gegeben. An der Französischen Straße versuchten sie, zur Strecke der AfD-Demonstration durchzubrechen. Nach Aussage der Polizei kam es hierbei zu Angriffen auf die Beamten. Sie setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Ein Polizist wurde verletzt, konnte seinen Dienst aber fortsetzen. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen.

Antifa, linke Bündnisse, Studenten und Familien waren auf der Straße, um für ein weltoffenes Berlin zu werben. "Ich demonstriere gegen die AfD, weil sie rassistisch ist. Ich bin für ein offenes und soziales Deutschland", sagte eine Kolumbianerin, die regelmäßig in Moabit für die Rechte der Flüchtlinge demonstriert. Ihre Botschaft trug sie auf einem Plakat vor sich her: "Wir sind viele. Berlin gegen Nazis".

"Die AfD ist nur ein stummer Schrei nach Liebe"

Auch die Berlinerin Helga Iwohn ist in den vergangenen Wochen oft auf die Straße gegangen, um gegen AfD und Pegida Position zu beziehen. "Es ist erschreckend, was deren Hetze bewirkt. Die Zunahme rechter Gewalt ist beängstigend", sagt sie.

"Die AfD ist nur ein stummer Schrei nach Liebe", "Rassisten stoppen" und "Refugees welcome" waren die Botschaften der Demonstranten. Mit Trommeln wurde Stimmung gemacht. (mit dpa)