Die Berliner AfD fühlt sich ungerecht behandelt. Mal wieder. Und startet – mal wieder – ein Meldeportal, auf dem sie sich einerseits einopfern und andererseits gegen alle austeilen wird, die sich gegen rechts engagieren. Das Portal versucht, durch martialische Bebilderung und fragwürdige Zahlenspiele zu beeindrucken. Kevin Kühnert ist hier Marxist, seine Thesen zur Enteignung zeigen „bundesdeutsche Tendenzen bezüglich Linksradikalismus“. Kritiker wirkten am Donnerstag unentschieden: Soll man darüber jetzt lachen? Oder sich fürchten?

Weder noch. Man sollte das Portal ernst nehmen und genau beobachten – wie die AfD. Denn so dümmlich der Auftritt auf den ersten Blick auf manche wirken mag: Die AfD setzt hier die Onlinestrategie fort, die sie schon auf ihren Homepages und vor allem in den sozialen Medien fährt: Verallgemeinerung, Provokation, Angstmache. Damit ist die AfD im Netz extrem erfolgreich – erfolgreicher als die Onlineauftritte anderer Parteien. Kraft und Einfluss des neuen Kanals werden davon abhängen, wie stark die AfD ihn pflegt.

Verallgemeinerung, Provokation, Angstmache

Der Launch des Portals zu genau diesem Zeitpunkt ist ein durchsichtiges Manöver, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abzulenken. Weg vom Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke. Weg von der endlich ernsthaft geführten Diskussion über rechtsextremistische Netzwerke in Deutschland. Weg aber vor allem von der AfD selbst, deren aggressive Onlinestrategie von einigen als Nährboden für Hassverbrechen gewertet wird.

Wir dürfen der AfD diesen Gefallen nicht tun, dürfen uns nicht ablenken lassen. Sondern müssen genau hinsehen – jetzt auch auf das neue Meldeportal.