Rangsdorf - Brandenburgs AfD-Landeschef Alexander Gauland hat bei einer Mitgliederversammlung an die Einigkeit der Partei appelliert und den Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke verteidigt. „Er hat nichts gesagt, wofür er sich schämen müsste“, sagte Gauland am Samstag vor rund 200 AfD-Mitgliedern in Rangsdorf südlich von Berlin. Höcke hatte mit seiner Forderung nach einer 180-Grad-Wende im Umgang mit der deutschen Vergangenheit bundesweit für Empörung gesorgt.

Er habe kein Verständnis für Ausschlussforderungen gegen Höcke, sagte Gauland. „Auch ich hätte mir manches in Ton und Inhalt anders gewünscht. Aber, liebe Freunde, wenn die Granaten einschlagen, steht man zusammen“, sagte Gauland und erhielt dafür viel Applaus. Höcke habe Großartiges für die Partei geleistet, das spreche zu seinen Gunsten. „Er gehört zu unserer AfD“, sagte Gauland.

36 Kandidaten wollen auf die Landesliste

Bei der Mitgliederversammlung sollten 20 Kandidaten für die Landesliste zur Bundestagswahl im September aufgestellt werden. Am Samstag begann die Vorstellungsrunde mit insgesamt 36 Kandidaten. Das Wahlergebnis wird frühestens am Sonntag (29.1.) erwartet. Gauland selbst kandidiert ebenfalls für den Bundestag. Ob er auf den Spitzenplatz gewählt wird, war zunächst unklar. Spitzenkandidat soll nach Parteiangaben derjenige werden, der am wenigsten Nein-Stimmen erhält.

Gauland wird oftmals ähnlich wie Höcke und der AfD-Parteichef aus Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, zum national-konservativen, rechten Flügel der AfD gezählt. Gauland sagte in seiner Eröffnungsrede: „Ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren die Gesetze brechen und den Rechtsstaat mit Füßen treten, die unser Geld in Griechenland in ein Fass ohne Boden versenken, die unsere Staatsgrenzen nicht zu schützen vermögen und Millionen fremde Menschen in dieses Land holen, ausgerechnet diejenigen wollen uns zur verfassungsfeindlichen Partei erklären.“

Die AfD hat in Brandenburg etwas mehr als 1000 Mitglieder. Gauland tritt auch als Direktkandidat im Wahlkreis 63 an, der die Stadt Frankfurt (Oder) und den Kreis Oder-Spree umfasst. Der Wahlkreis gilt als eine Hochburg der AfD. Gauland betonte in seiner Bewerbungsrede, er wolle sich im Bundestag um die Außenpolitik kümmern. Es müsse mit Russland verhandelt werden.

Zu Berichten, er könne als Bundestagsabgeordneter auch sein Landtagsmandat behalten, sagte er: „Ich habe nicht die Absicht, zwei Mandate wahrzunehmen.“ Dies sei lediglich als eine Übergangslösung denkbar gewesen, wenn er in die Parlamentarische Kontrollkommission des Landtags gewählt worden wäre. Damit war Gauland allerdings gescheitert. (dpa)