Berlin - In Berliner Ämtern und auf vielen öffentlichen Baustellen könnte der Ton bald schärfer werden. Denn künftig sollen auch Soldaten für den Neubau und die Sanierung dringend benötigter Schulgebäude sorgen. Als Planer, Bauleiter oder Technischer Zeichner. Das haben die Berliner Bezirke jüngst in ihrem 10-Punkte-Plan zur sogenannten Schulbauoffensive festgelegt.

„Kooperationen mit Hochschulen, Universitäten, staatlich anerkannten Technikerschulen und dem Bundesministerium für Verteidigung müssen ausgebaut werden, um Absolventen für den öffentlichen Dienst als modernen Arbeitgeber zu finden“, heißt es in dem Beschluss.

Im Visier haben die Bezirksbürgermeister vor allem Zeitsoldaten, die bei der Bundeswehr etwa Ingenieurswesen studiert oder eine Ausbildung als Bauzeichner gemachten haben. „Pro Jahr verlassen etwa 800 ausgebildete und studierte Ingenieure die Bundeswehr in Richtung Arbeitsmarkt“, sagte der Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). Das sei eine Chance. Tatsächlich verpflichten sich Zeitsoldaten in der Regel für 12, mitunter auch für 15 Jahre bei der Bundeswehr. Danach suchen sie eine Anschlussverwendung.

Aufgebracht hat den Vorschlag übrigens ein AfD-Politiker: Andreas Otti, der Spandauer Stadtrat für Facility Management, ist selbst Berufsoffizier und weiß von daher ziemlich genau, wovon er redet. „Da gibt es viele qualifizierte Leute, für die Berlin attraktiv ist“, sagte Otti und verwies darauf, dass diese Zeitsoldaten besonders gestählt seien, weil sie ihr Studium ja nicht in Semestern, sondern wie bei der Bundeswehr üblich in Trimestern studiert hätten.

„Wir müssen alle Möglichkeiten, qualifiziertes Personal zu akquirieren, in Erwägung ziehen“

„Wer das schafft, der ist wirklich leistungsfähig“, sagte Otti. In der Berliner AfD sind Berufsoffiziere bekanntlich gut vertreten, der Landes- und Fraktionschef Georg Pazderski ist Oberst a.D.

Die Idee hatte Otti bei dem Treffen der Bezirksbürgermeister zum Thema Schulbau vor gut einer Woche im Gutshaus Britz vorgetragen und war dabei auf Zustimmung gestoßen, wie auch die Gastgeberin, Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bestätigte. „Wir müssen alle Möglichkeiten, qualifiziertes Personal zu akquirieren, in Erwägung ziehen“, sagte sie.

Der Berliner Senat will in den nächsten zehn Jahren 5,5 Milliarden Euro in den Neubau und die Sanierung von Schulgebäuden investieren. Das ist eine riesige Herausforderung für die ausgezehrte öffentliche Verwaltung. Gerade die bezirklichen Bauämter haben jetzt schon große Probleme, das nötige Personal zu finden.

Denn die Bezirke bezahlen erheblich schlechter als Privatfirmen oder auch die Senatsebene. Und nun wird eigens eine Tochter der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge gegründet, um alle größeren Schulbauprojekte umzusetzen. Diese Howoge-Tochter soll als privatrechtliche GmbH entstehen, auch damit die Fachleute dort besser bezahlt werden können.

Die maroden Schulbauten sind seit Jahren ein öffentliches Ärgernis

Bezirkspolitiker befürchten bereits, dass sich Mitarbeiter aus den Bezirksämtern dort bewerben werden. „Wir werden uns gegenseitig das Wasser abgraben“, hieß es. Fraglich ist ohnehin, ob die Bezirke für Ex-Bundeswehrsoldaten überhaupt attraktiv sind, denn deren bisherige Besoldung war deutlich höher. Die Bezirke kooperieren zudem bereits mit Fachhochschulen, bieten ein duales Studium an, um den Nachwuchs an sich zu binden.

Die maroden Schulbauten sind seit Jahren ein öffentliches Ärgernis. Am Dienstagmorgen wollen Lehrer der Spandauer Carlo-Schmid-Sekundarschule gegen den Sanierungsstau an ihrer Schule demonstrieren – ausstaffiert mit Bauhelmen, Ohrenschützern oder Atemschutzmasken. Im Eingangsfoyer war Ende Oktober aufgrund eines Wasserohrbruchs die mit Feuchtigkeit vollgesogenen Zwischendecke eingestürzt.

Den Wasserschaden hatte tagelang niemand bemerkt, weil Wochenende war und ein Feiertag anstand. Die Lehrer beklagen nun, dass die Sanierung der Schule zu lange auf sich warten ließ. Zudem sei unklar, ob bei der Beseitigung von Dämmplatten vor ein paar Jahren nicht doch krebserregende Künstliche Mineralfasern (KMF) freigesetzt worden seien.

Seit die Dämmplatten und nun auch die Zwischendecke als Schallschutz fehlen, habe der Lärm im Schulgebäude stark zugenommen, hieß es. Der Lehrerprotest ist insofern pikant, weil Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gerade erst in einem Newsletter an die Schulleiter darum gebeten hatte, diese sollten die eigene Schule nicht permanente als „Schrottimmobilie“ schlecht reden. Manche hatten dieses Schreiben als „Maulkorb“ gewertet. In Spandau jedenfalls hält man sich offenbar nicht dran.