Berlin - Eines der stabilsten Vorurteile in Architekturdebatten seit etwa 130 Jahren – also seit dem Aufstieg der modernen Massengesellschaften – ist, dass die Behausungen von Arbeitern und Armen mit schuld seien, wenn deren Bewohner radikale Parteien wählten. Sie seien eben „abgehängt“, „vergessen“, wehrten sich mit dem Stimmzettel auch gegen ästhetisch monotone, sozial und ökonomisch „vernachlässigte“ Wohnverhältnisse.

Auch jetzt wieder wird dieses Erklärungsmuster bemüht angesichts des scheinbar genau an der Bebauungsstruktur von Berlin orientierten jüngsten Wahlergebnisses. Danach hat die CDU vor allem in den Einfamilienhausvierteln des Nordens und Südwestens sowie Marzahns noch reüssieren können, die SPD in einem breiten, von kaiserzeitlichen Mietskasernen und Reformsiedlungen der 1920er-Jahre und der Nachkriegszeit geprägten Streifen von Treptow nach Spandau, die Linke in den Arbeitervierteln des Ostens.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.