Der erste Berliner Patient mit dem Affenpockenvirus ist ein Mann Mitte 50 und Patient von  Heiko Jessen, Arzt in Schöneberg. Anders als der Münchner Fall sei der Mann nicht gereist, sagte der Mediziner der Berliner Zeitung. Sein Patient habe Berlin in letzter Zeit nicht verlassen. Der Mann habe sich vermutlich vor einer Woche bei einer Party in einem Club in Berlin angesteckt, sagte er.

Der Zeitraum passe auch zu der in der Literatur beschriebenen Inkubationszeit von fünf bis 20 Tagen, sagt der Mediziner. Jessen ist Spezialist für Infektionskrankheiten, mit seinem Bruder führt er eine infektiologische Schwerpunktpraxis in der Nähe des Nollendorfplatzes. Interessant sei, dass der Berliner Patient Nummer eins einmal gegen Pocken geimpft sei.

Bei der Untersuchung seien zwei kleine Pocken aufgefallen, berichtet Jessen. Man habe in der Praxis Proben genommen und an das Robert-Koch-Institut geschickt. Untersucht wurden sie mittels PCR-Test. Am Freitagabend habe er die Bestätigung mündlich erhalten, sagt Jessen. Anfragen der Berliner Zeitung ans RKI blieben zunächst ohne Antwort.

Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend „okay“. Er sei nicht im Krankenhaus und werde von ihm engmaschig betreut. Jessen geht davon aus, dass es nicht die einzige Infektion in Berlin bleibe. „Ich erwarte für nächste Woche einen Anstieg der Infektionszahlen.“

Die Affenpocken sind eine Infektionskrankheit, die durch Viren von Tieren auf den Menschen übertragen wird. In Afrika wurden Affenpocken bei vielen verschiedenen Tieren nachgewiesen, vor allem bei Nagetieren und mehreren Affenarten. Auch von Mensch zu Mensch können die Viren weitergegeben werden, jedoch nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur begrenzt.

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Ähnliche Symptome wie bei Pocken

Die Symptome ähneln denen der Pocken. Dazu zählen Hautausschlag im Gesicht, an den Handflächen oder Fußsohlen, Schorf, Fieber, Muskelschmerzen und Schüttelfrost.

Durch den Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten kranker Tiere können sich Menschen mit dem Virus anstecken. Von Mensch zu Mensch wird das Virus durch Tröpfcheninfektion, Wunden oder kontaminierte Gegenstände übertragen.

Am Montag wies die WHO darauf hin, dass einige der kürzlich in Großbritannien bestätigten Fälle unter homosexuellen Männern aufgetreten seien. „Obwohl die derzeitige Häufung von Fällen bei Männern auftritt, die Sex mit Männern haben, ist es wahrscheinlich zu früh, um daraus Schlussfolgerungen über die Art der Übertragung zu ziehen“, sagte Michael Skinner, Virologe am Imperial College in London dem Science Media Center.

In der Regel halten die Symptome zwei bis vier Wochen an und die Krankheit heilt von alleine aus. Schwere Fälle treten eher bei Kindern und gesundheitlich angeschlagenen Menschen auf. Auch die Menge an Viren, denen ein Patient ausgesetzt war, spielt eine Rolle für den Krankheitsverlauf. Die Sterblichkeitsrate bei registrierten Infektionsfällen schwankt je nach Virusstamm zwischen null und zehn Prozent.