Schuld war die Prawda, die Wahrheit also. Die damalige KPdSU-Zeitung schrieb im September 1964 in einem Artikel über sozialistische Agenten und nannte sie „Kundschafter des Friedens“. Seitdem wurde der Terminus auch in der DDR für diejenigen Agenten benutzt, die von der Stasi oder dem militärischen Geheimdienst im In- wie im Ausland auf Ausländer angesetzt waren. Die Stasi wurde bekanntlich wenige Wochen nach dem Mauerfall aufgelöst.

Offenbar scheint mittlerweile genug Zeit ins Land gezogen zu sein, um sich diesem Thema von der humoristischen Seite zu nähern. Und zwar in einem Film mit Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Thomas Thieme und Winfried Glatzeder. In „Kundschafter des Friedens“, der dieser Tage und Wochen entsteht, spielt die Herren vier alte Haudegen, die urplötzlich die Chance sehen, sich zu rehabilitieren – und manch offene Rechnung mit einem ebenfalls langgedienten BND-Agenten (gespielt von Jürgen Prochnow) zu begleichen, dem sie aus der Bredouille helfen.

Komödie mit Polit-Hintergrund

Regisseur der Agentenkomödie, die im September nächsten Jahres zunächst ins Kino und später ins ZDF kommen soll, ist Robert Thalheim. Der einstige Geschichtsstudent hatte eine Zeit lang in der internationalen Begegnungsstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz gearbeitet. Aus dieser Erfahrung machte er den feinfühligen Film „Am Ende kommen Touristen“, der 2007 auf dem Filmfestival von Cannes gezeigt wurde.

Nun also eine Komödie mit deutsch-deutschem Hintergrund. Allerdings solle die politisch-historische Komponente nicht im Vordergrund stehen, wie Produzent Andreas Banz erklärt. Es sei kein Ost-West-Film und schon gar keine Stasi-Verherrlichung. „Wir wollen einen Best-Ager-Film machen, der sich mit dem universellen Thema beschäftigt, im Alter nicht mehr gebraucht zu werden“, sagt Banz. „So ein bisschen wie R.E.D.“ Diese Komödie mit Helen Mirren, Bruce Willis, Morgan Freeman und John Malkovich spielte 2010 fast 200 Millionen Dollar ein – ein Plus von 140 Millionen Dollar. Solche Summen sind für einen deutschen Film naturgemäß kein Maßstab, jedenfalls wird über das Budget von „Kundschafter“ noch geschwiegen.

So oder so tut Improvisation Not. Am letzten Berliner Drehtag in der vergangenen Woche machte sich die Crew in der Akademie der Künste in Tiergarten breit. Dort waren Zimmer und Einrichtungen des früheren Kanzlerbungalows in Bonn nachgebaut worden. Das sah alles hübsch detailgetreu aus. Vielleicht bis auf den Liebchengang, einen Geheimgang vom Bundestag ins Kanzleramt.

Testosteron-lastiger Cast

Aus der Realität ist über solch einen Gang nichts bekannt, im Film konnte sich der jeweils amtierende Regierende auf diese Weise diskret zurückziehen, wenn’s im Parlament mal wieder zu lang und langweilig wurde. Aber es konnten eben auch Personen hindurchgeschleust werden, die nicht jeder sehen sollte. Natürlich weiß die Ex-Stasi-Truppe von dem Liebchengang, schließlich ging einst Harry (Winfried Glatzeder), Romeo-Agent der Stasi, dort ein und aus. Jetzt nutzen die Männer ihr Wissen für ihren Coup.

Am Set hatten die Alt-Agenten jedenfalls ihre helle Freude am gemeinsamen Spiel. In den Pausen flachsten die Endsechziger Hübchen und Thieme mit den Anfangsiebzigern Prochnow und Gwisdek über den Vorteil geräumiger und gut geheizter Wohnwagen am Set und über allerlei Krankheiten der inneren Organe. Kaum vorstellbar, dass die durchweg ergrauten Herren ihre Themen wechseln sollten, wenn Antje Traue am Set ist. Die 34-Jährige, die eine BND-Analytikerin spielt, ist die einzige Frau im Testosteron-lastigen Cast. Es gibt sicher leichtere Aufgaben.

Vielleicht tröstet sie die Aussicht auf ein paar Tage Gran Canaria auf Produktionskosten über manchen Macho-Spruch hinweg: Die Kanaren-Insel gibt in den kommenden Wochen die Kulisse für die (fiktive) ehemalige Sowjetrepublik Katschekistan ab.