Potsdam - Mit der Volksinitiative «Stoppt Massentierhaltung» will ein Agrarbündnis die industrielle Tierhaltung in Brandenburg stoppen. «Wir wollen die Landesregierung zu einem Kurswechsel bewegen», sagte Mitinitiator Axel Kruschat vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Donnerstag zum Start der Aktion in Potsdam. Ziel sei eine Gesetzesänderung, um unter anderem den Bau weiterer Anlagen wie den Hähnchenmastbetrieb in Gumtow (Prignitz) oder die Schweinemastanlage in Haßleben (Uckermark) zu verhindern. Um eine Beratung im Landtag zu erzwingen, will die Initiative mehr als 20 000 Unterschriften in einem Jahr sammeln.

Das Aktionsbündnis mit mehr als 40 Mitgliedern ist ein regionaler Zusammenschluss von Verbänden der Landwirtschaft, des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes. «Wir wollen Fehlentwicklungen wie in Niedersachsen verhindern. Es ist Irrsinn die großen Anlagen zu bauen», betonte Jochen Fritz von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Wilhelm Schäkel von der Bürgerinitiative «Wittstock contra Industriehuhn» warnte vor der Umweltbelastung für die Seenlandschaft durch Ammoniak. Die Landesregierung und die Genehmigungsbehörden opferten die einzigartige Natur auf dem Altar der industriellen Massentierhaltung, sagte er.

Unterstützung kam von den Grünen in Brandenburg. «Für uns bleibt es schlichtweg unbegreiflich, dass Rot-Rot den Bau immer neuer Tierfabriken unterstützt», sagte der Landesvorsitzende Benjamin Raschke. Nach Angaben der Grünen werden im Land in bestehenden Mastanlagen fünf Millionen Hähnchen gezüchtet. Zudem seien 1,2 Millionen Plätze genehmigt, weitere ein Million Plätze beantragt.

Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) steht wegen seiner Zustimmung zur Massentierhaltung immer wieder in der Kritik. Er verweist jedoch auf einen niedrigen Viehbestand des Landes im bundesweiten Vergleich. «Für den Erhalt unser ländlichen Räume ist eine funktionsfähige und vielfältige Landwirtschaft unerlässlich, sie schafft Wertschöpfung und Arbeitsplatz», betonte sein Sprecher Jens-Uwe Schade. Landesweit gibt es laut Ministerium etwa 5500 Agrarbetriebe mit rund 36 000 Beschäftigten.

Die Anzahl der Mastbetriebe hat in den vergangenen Jahren insbesondere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stark zugenommen. Meist sind es ortsfremde Großinvestoren, die riesige Mastanlagen bauen. Umwelt- und Tierschützer kritisieren neben mangelndem Tierschutz und gesundheitlichen Gefahren die klimaschädlichen Auswirkungen. (dpa/bb)