Berlin - Die Enttäuschung bei Tom Schreiber ist groß. Seit mehr als zwei Wochen fehlt vom Koffer des Berliner SPD-Abgeordneten jede Spur. Wie berichtet, war das Gepäckstück auf einem Inlandsflug mit Air Berlin auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt verloren gegangen. Ohne seine Kleidung und ein Zelt flog Schreiber dann weiter zum Wanderurlaub nach Kanada. "Zum Glück waren keine Wertgegenstände darin", sagt Schreiber.

Was folgte, waren unzählige Kontakte zwischen ihm und Air Berlin. Zwischenzeitlich erfuhr der SPD-Politiker, dass sein Koffer aufgetaucht sei - und ihm nun mit der Lufthansa nach Kanada nachgeschickt werde. Doch ob er dort jemals ankam, weiß Schreiber nicht. An einem Tag teilte ihm Air Berlin mit, dass der Koffer in Halifax angekommen sei - am anderen Tag, dass sein Gepäck doch nicht da ist. Ein Hin und Her, der Koffer verschwand also zum zweiten Mal.

Probleme beim Bodenpersonal in Tegel

Trotz mehrfacher Nachfragen hörte Schreiber dann tagelang nichts mehr von der Fluggesellschaft - und von seinem Koffer. Schreiber, der längst wieder zurück aus seinem Urlaub ist, kritisiert vor allem die Kommunikation von Air Berlin, sie sei höchst unprofessionell. "Kundenservice geht anders", so Schreiber.

Kontakt mit der Airline habe er, wenn überhaupt, nur über Twitter gehabt, Anrufe und Mails habe es nicht gegeben. Bis zum Freitag. Da schrieb Air Berlin: "Leider konnte Ihr Gepäck bisher nicht lokalisiert werden." Bis vier Wochen nach Flugdatum würde nach dem Koffer gesucht, "da erfahrungsgemäß die meisten verlorenen Gepäckstücke in diesem Zeitraum wieder gefunden werden". 

Tom Schreiber hat seinen Koffer "abgeschrieben"

Daran glaubt Schreiber nicht: "Mittlerweile habe ich das abgeschrieben." Für seine nächsten Reisen will er vorsorgen - mit Kleidung im Handgepäck und einem Peilsender im Aufgabegepäck. Zudem will sich der SPD-Politiker mit einem Brief an die Geschäftsführung der Airline wenden und hofft auf eine Entschädigung. 

Schreiber ist nicht der einzige, der seinen Frust über Air Berlin öffentlich macht. Erst Mitte Juli traf es Moderator Frank Elstner - dieser kam nach einem Inlandsflug von Air Berlin vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden ohne Koffer in Tegel an. „Wie verliert man auf einem Inlandsflug ohne Umsteigen einen Koffer?“, echauffierte sich Elstner daraufhin per Twitter.

Seit Monaten ist Air Berlin immer wieder in den Schlagzeilen, weil Gepäck verloren geht. Der Wechsel des Bodenpersonals am Flughafen Tegel führte zu massiven Problemen bei der Gepäckzustellung. Und auch bei den Kunden verliert Air Berlin immer mehr an Ansehen. Die Zahl der Fluggäste sank im Urlaubsmonat Juli im Vergleich zum Vorjahreswert um 24 Prozent auf 2,44 Millionen. Am Dienstag schließlich meldete die angeschlagene Airline Insolvenz an. 

Air Berlin: "Verlust eines Gepäckstücks ist nahezu unwahrscheinlich"

Bei Air Berlin bedauert man den Fall Tom Schreiber. "Wir haken umgehend nach", verspricht der Sprecher der Fluggesellschaft, Tobias Spaeing. Dass bei Air Berlin besonders häufig Koffer verschwinden, kann er nicht bestätigen: "Der Verlust eines Gepäckstücks ist nahezu unwahrscheinlich und liegt bei Air Berlin im Bereich von unter 0,0001 Prozent."

Im vergangenen Jahr seien "weit über 99 Prozent aller aufgegeben Gepäckstücke nach dem Flug verlässlich, pünktlich und einwandfrei am Zielflughafen über die Gepäckausgabe an unsere Gäste übergeben" worden, so Spaeing. Ein Grund, warum ein Gepäckstück im Ausnahmefall fehlgeleitet wird, sei beispielsweise der temporäre Ausfall einer Gepäcksortieranlage am Flughafen.