sGiftige Dämpfe auf dem Flughafen Tegel: Beim Entladen einer Air-Berlin-Maschine hat es am Dienstagmorgen einen Großalarm der Feuerwehr gegeben. Sechs Menschen erlitten Atemwegsreizungen.

Das Flugzeug vom Typ Boeing 737-800 war kurz nach 8 Uhr aus Oslo gekommen. Als Mitarbeiter des Flughafens am Terminal die Gepäckklappen öffneten, schlug ihnen ein scharfer Geruch entgegen. Die Arbeiter und zwei Crew-Mitglieder klagten plötzlich über Atemwegreizungen und trockene Augen.

Gegen 8.40 Uhr rief deshalb die Flughafenfeuerwehr ihre Kollegen von der Berliner Feuerwehr zur Unterstützung hinzu. Die rückte mit zahlreichen Rettungswagen und Sonderfahrzeugen an. Auch Chemieexperten und ein Notarzt waren vor Ort. „Sechs Personen haben über Atemwegsreizungen geklagt“, sagte Feuerwehrsprecher Sven Gerling. „Ein Notarzt hat sie untersucht und ließ fünf der Betroffenen in Krankenhäuser bringen“, sagte er. Der Sechste wollte selbst zum Arzt gehen, wenn sich die Reiz-Symptome verschlimmern sollten.

Die Ursache für den Vorfall scheint geklärt zu sein. Nach Angaben eines Flughafensprechers war in Oslo ein Teil der sogenannten Beiladung, die nicht zum Gepäck der Passagiere gehört, falsch gesichert worden. „Die Beiladung war ordnungsgemäß deklariert, aber nicht richtig festgezurrt worden“, sagte der Sprecher. Bei der Chemikalie habe es sich „um einen alkalischen Feststoff gehandelt, der geeignet ist, Atemreizungen hervorzurufen“. Der Betrieb auf dem Flughafen sei nicht eingeschränkt gewesen, betonte er.

Flugzeug musste umkehren

Nach Informationen der Berliner Zeitung handelt es sich bei der gefährlichen Fracht um das Alkaloidsalz mit der UN-Nummer 1544, das in Fässern aufbewahrt wurde. Mit UN-Nummern werden gefährliche Stoffe deklariert. Das Salz schädigt Haut, Augen und Atemwege. Er ist sehr giftig, wenn man es verschluckt, einatmet, oder wenn die Haut damit in Kontakt kommt.

Ebenfalls am Dienstag ereignete sich ein weiterer Vorfall mit einer Air-Berlin-Maschine. Sie musste auf der Reise von Tegel nach Palma de Mallorca außerplanmäßig in Nürnberg landen. Nach Angaben von Air Berlin hatte die Besatzung einen Geruch im vorderen Toilettenbereich festgestellt, der nicht sofort eindeutig zuzuordnen gewesen sei. Worum es sich bei dem Geruch gehandelt habe, werde noch untersucht. Die Maschine sei normal gelandet, die Passagiere wurden auf andere Flüge verteilt.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte es einen weiteren Vorfall gegeben. Wie erst jetzt bekanntwurde, entschloss sich die Besatzung des Air-Berlin-Flugs AB 6553 von Berlin-Tegel nach Frankfurt kurz nach dem Start dazu umzukehren. Sie nahm in der Kabine einen Geruch wahr, den sie nicht eindeutig zuordnen konnte. Das Flugzeug, das um 6.37 Uhr in Tegel gestartet war, landete dort um 6.54 Uhr wieder. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Fluggäste und Besatzung“, sagte eine Air Berlin-Sprecherin auf Anfrage. „Das Flugzeug wurde von der Technik intensiv überprüft und ist bereits wieder für den Betrieb freigegeben.“

Nachbarn befürchten Risiken

Anwohner setzen sich dafür ein, dass der Flugbetrieb in Tegel so bald wie möglich endet. Die Lage im Stadtgebiet führe zu Risiken, sagte Johannes Hauenstein aus Reinickendorf. „Das Gefahrenpotenzial wird ausgeblendet.“ Hauenstein sagte, dass bei Starts und Landungen drei Tankstellen in geringer Höhe überflogen werden. Auf der Ostseite des Flughafens lägen innerhalb der ersten vier Kilometer fünf Schulen unter den Strecken. Zudem würden durch Luftwirbel mehrmals im Jahr Dächer beschädigt.

Nach den geltenden Regeln muss der Flughafen Tegel spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme der beiden Start- und Landebahnen des Flughafens BER stillgelegt werden. Flughafenchef Hartmut Mehdorn strebt jedoch an, die Übergangszeit auf neun bis zwölf Monate zu verlängern – für den Fall, dass bei Störungen am neuen Schönefelder Flughafen ausgewichen werden muss. (mitl ls)

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