Air Berlin: Stewardess verliert unbegleitetes Kind am Flughafen Tegel

Air Berlin hat’s schon wieder vermasselt: Eine Stewardess ließ ein unbegleitetes Kind am Samstagmittag direkt nach der Landung am Berliner Flughafen Tegel im Flugzeug alleine – der Junge entschied sich schließlich, den Flieger auf eigene Faust zu verlassen, um seinen Vater zu suchen.

Ronald Haselhorst ist sauer. Schließlich habe er 130 Euro für einen Betreuungsservice von Air Berlin gebucht, damit sein 11-jähriger Sohn sicher mit dem Flugzeug von Karlsruhe nach Berlin fliegen und schließlich vom Vater in Empfang genommen werden kann. Die Übergaben von der Mutter über die Betreuungsperson bis zum Vater sollten auf Formularen dokumentiert werden. Stattdessen blieben die Blätter zur Hälfte leer und der Junge musste den Weg vom Flugzeug zur Empfangshalle alleine finden. 

Air Berlin brachte neunjähriges Mädchen in Gefahr

Schon 2015 wurde ein ähnlicher Fall durch „Lindenstraße“-Schauspielerin und Mutter Clelia Sarto bekannt: Damals hatte ein Mitarbeiter von Air Berlin ihre neunjährige Tochter bei einem Zwischenstopp in Stuttgart zwei Stunden in der Flugzeughalle alleine auf den Anschlussflug nach Berlin warten lassen. Der Hinweis durch das Crew-Mitglied: „Hier wartest du jetzt zweieinhalb Stunden, bis dich jemand abholt.“

Das Kind hatte Glück: Als es in einem Restaurant nach Hilfe suchte, nahm sich eine Reisende des Mädchens an. Sarto wurde von Air Berlin mit der Möglichkeit abgefertigt, eine Beschwerde-Mail schicken zu können. Die Fluglinie versprach damals gegenüber der Berliner Zeitung, dass es sich um einen bedauerlichen Einzelfall handle, der sich nicht wiederholen werde.

Kein Einzelfall: Auch Junge vom Betreuungsservice allein gelassen

Nun ist klar: Kinder, die trotz des Betreuungsservices durch Air Berlin unbeaufsichtigt gelassen werden, sind bei der Fluggesellschaft kein Einzelfall. Wie kann das passieren? „Die Stewardess hat gesagt, ich solle warten, aber nach einer Weile habe ich sie nicht mehr gesehen. Dann habe ich nach ihr gesucht, sie aber nicht mehr gefunden. Deswegen habe ich das Flugzeug alleine verlassen, bin in den Shuttlebus gestiegen und anschließend zur Empfangshalle gelaufen. Ich wusste, dass mein Vater dort auf mich warten würde“, erzählt der Junge der Berliner Zeitung.

An den typischen Ablauf erinnerte sich der Elfjährige durch seine zahlreichen Urlaube mit den Eltern. Dass er aber alleine flog, war an diesem Tag das erste Mal. „Seine Mutter wohnt in Karlsruhe und ich in Berlin“, erklärt Ronald Haselhorst. „Sonst sind wir mit der Bahn gefahren und haben unseren Sohn über die ganze Strecke begleitet. Das kostet aber jedes Mal viel Zeit. Deswegen wollten wir es nun mit Air Berlin versuchen.“

Völliges Desinteresse der Air Berlin-Mitarbeiter

Als der Sohn des Berliners am Sonnabend alleine auf ihn zugelaufen kam, sei der Vater „total perplex“ gewesen. „Er hätte auch von jemand Fremden mitgenommen werden können.“ Verärgert ist er auch über das Desinteresse der Air-Berlin-Mitarbeiter: „Mein Sohn hatte ein großes, auffälliges Schild für unbegleitete Kinder am Körper und trotzdem konnte er am Flughafen frei herumlaufen, ohne vom Personal angesprochen zu werden.“ Sofort ging Haselhorst zum Service-Schalter. „Die Mitarbeiter telefonierten ohne Ergebnis herum.“ Ähnlich wie Clelia Sarto wurde auch er abgespeist mit dem Satz: „Na ja, ist ja noch mal gut gegangen.“

Die zuständige Stewardess habe den Verlust des Kindes weder bei den Kollegen, noch bei Ronald Haselhorst gemeldet. „Mein Sohn muss diese Woche zurück zu seiner Mutter fliegen, daher verlange ich eine Stellungnahme von Air Berlin, wie so eine Sauerei passieren kann. Wenn die Fluggesellschaft also nicht in irgendeiner Form reagiert, werde ich Strafanzeige erstatten.“

Wiedergutmachung: Gutscheine für Flugtickets?

Auf Anfrage der Berliner Zeitung schreibt Air Berlin: „Wir überprüfen den Fall sofort. Dazu kontaktieren wir sowohl die Crew als auch die Mitarbeiter des Bodenpersonals, die am Samstag im Dienst waren. Wir wollen den Fall gründlich aufarbeiten. Unser Guest Relation Team hat bereits hat mit der Familie telefoniert.“

Im Fall der Schauspielerin Clelia Sarto schenkte Air Berlin der Familie Gutscheine für drei Flugtickets und einen exklusiven Besuch bei der Fluglinie. „Promi-Bonus!“, wurde damals kritisiert. „Das würden wir bei jedem anderen Gast auch so machen“, sagte Air Berlin. Familie Haselhorst darf also gespannt sein.