Berlin - Finally, here it is: Berlin at its best! Ruinös, verdorben, bodenständig. Die Queen entdeckt das echte Hauptstadtgefühl. All die langweiligen Stunden im blutleer aufpolierten Schloss Bellevue: Over! Luckily! Schlösser hat die Queen schließlich ihr ganzes Leben schon zuhauf gesehen. Her home is a castle.

Schluss mit royalem Rambazamba. Head over heels hinein in die Herzkammer der Berliner Ranzigkeit. Mit Krone im Trolley und Gatte Prinz Philip im Schlepptau checkt die Queen in Wedding ein.

Perlhuhn mit Spargel zum Dinner? Oh, please! Stattdessen: Currywurst und Cupcake.

Das wirkt relaxed, das wirkt down to earth. Yes! Tolle Bilder für all die Unterlinge daheim im Empire und die frenetisch flaggenschwingenden Fans in Berlin. Vorbei die anstrengenden Stunden im straff durchkomponierten Diplomatenspiel zwischen Pomp und Circumstances.

„Zeit für eine Auszeit“, schreibt Airbnb neben die Bilder. Das Privatvermieter-Portal ist skin on skin dabei, wenn die Queen very gechilled das Kiezgefühl aufsaugt, wie sonst nur ihr geliebtes Königinnen-Wasser aus den Quellen der englischen Malvern Hills.

Aber, surprise, surprise! Auf den Bildern ist nicht die echte Queen zu sehen, sondern eine gecastete Doppelgängerin. Airbnb setzt die Fake-Queen zur Spritztour auf den Roller und zum Sightseeing in die S-Bahn.

Very smart, diese Marketing-Experten! Mit dem Image von Airbnb verhält es sich ja in etwa so wie mit dem Weddinger Stadtbild: Beide sind ramponiert. Das Portal „ferienwohnisiere“ Berliner Kieze und vertreibe die Menschen aus ihren Häusern. So heißt es.

Deswegen: Schnell im Glanze der Kronjuwelen sonnen, um den eigenen Ruf wieder brillieren zu lassen. Shine on, you royal diamond! Eine Publicity-Panne pünktlich zum Besuch der Queen in Berlin, die Wedding dem leidlichen Ausverkauf näher bringt als der notwendigen Aufwertung.

Whatever, der Queen kann es egal sein. Viel zu sagen hat sie ohnehin nicht mehr. Todesurteile darf sie noch unterschreiben - so schreibt es die taz. Huldvoll winkt sie, lächelt nett, vereint lenkungsfreudige Massen hinter sich - die perfekte diplomatische Vorhut für David Cameron. Als Maskottchen taugt sie noch blendend. My oh my.