Vier Personen finden einen Schlafplatz, es gibt eine Küche, ein Badezimmer und der Preis ist unschlagbar: 12 Euro pro Nacht bezahlen Nutzer der Vermietungsplattform Airbnb für diesen Schlafplatz in Friedrichshain. Was als „ganze Wohnung“ angezeigt wird, ist aber ein altes Wohnmobil. Es stehe in Friedrichshain, im Bereich Simon-Dach-Straße, Revaler Straße, schreibt seine Besitzerin. Das Wohnmobil könne aber in eine ruhigere Gegend gefahren werden.

Das Airbnb-Angebot hat die Friedrichshainer Initiative Die Anrainer im Internet entdeckt und verbreitet. Sie kritisiert es. Von einem „Ausverkauf“ und einer zunehmenden „Eventisierung“ ihres Kiezes ist die Rede. Das Wohnmobil falle unangenehm auf, wenn die Gäste bei voll aufgedrehter Musik drinnen feiern.

In die Online-Debatte mischen sich auch Bezirkspolitiker ein. Stadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke), zuständig für Bürgerdienste, empfiehlt, den Vorfall dem Ordnungsamt zu melden, Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) schreibt: „Das ist wirklich unverfroren!“

Illegales Angebot, das gefällt

Unter das Zweckentfremdungsverbot, mit dem Berlin seit Monatsanfang gegen illegal vermieteten Wohnraum über die Plattform Airbnb vorgeht, fällt das Wohnmobil jedoch nicht. Es ist ja kein Wohnraum. Andy Hehmke (SPD), dem das Ordnungsamt untersteht, sagte der Berliner Zeitung: „Das ist illegale Sondernutzung.“ Das öffentliche Straßenland, auf dem das Wohnmobil parkt, diene Verkehrszwecken, und nicht Wohn- und Übernachtungszwecken. „So etwas wäre nie genehmigt worden und wird es auch in Zukunft“, sagt Hehmke. Seine Behörde hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Man kenne das Wohnmobil und werde Airbnb das illegale Angebot melden.

Schlafgästen aus der Schweiz, Australien und Spanien gefällt das Wohnmobil jedenfalls. Sie geben auf dem Portal höchste Bewertungen. „Ein sehr cooler und authentischer Platz in einer großartigen Nachbarschaft“, schreibt einer. Im August ist das Wohnmobil ausgebucht.