Natürlich erinnern sie sich noch an ihre ersten Besucher. „Die Marcella aus Mexiko“, sagt Zaki. „Und ihr Mann, der Klaus“, sagt Hanno. Das war 2012. Inzwischen haben die beiden in ihrer Wohnung am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg den 78. Gast empfangen. „Hanno und Zaki sind fabelhafte Gastgeber“, schrieben Besucher in das virtuelle Gästebuch. „What a wonderful place to stay in Berlin.“

Hanno sagt: „Jeder, der bei uns war, hat einen guten Eindruck von Berlin bekommen.“ Zaki sagt: „Hier treffen Menschen aufeinander, das ist doch etwas Wundervolles.“ So sehen die beiden das. So sehen das ihre Besucher.

Nur die Stadt sieht es anders: Seit knapp einem Jahr gilt es in Berlin das Zweckentfremdungsverbot-Gesetz. Seitdem bedarf es einer ausdrücklichen Genehmigung vom Bezirksamt, wenn jemand ein Zimmer oder seine Wohnung über Plattformen wie Airbnb – mit derzeit 16.000 Angeboten – oder auch Wimdu oder 9flats vermieten will. Denn das ist, so sieht es der Gesetzgeber, Zweckentfremdung.

Das Gesetz soll verhindern, dass die ohnehin schon angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt durch die Vermietung von Ferienwohnungen noch verschärft wird. Es soll vornehmlich professionelle Anbieter in die Schranken weisen. Betroffen sind aber auch Menschen wie Hanno und Zaki. Denn das Gesetz ist derart ungenau und umständlich formuliert, dass nicht klar ist, was eigentlich in Zukunft noch erlaubt ist.

Sechzig Euro die Nacht

Im Januar haben Hanno und Zaki mit fünfzehn anderen einen Offenen Brief an den Senator für Stadtentwicklung, Andreas Geisel (SPD), geschrieben. „Als Bürger Berlins, die gelegentlich ihr Zuhause, in dem sie selber leben, teilen, sehen wir uns nicht als illegale Vermieter“, schrieben sie. Sie wollen ihre Wohnung auch in Zukunft teilen. Und sie wollen dafür Geld nehmen dürfen.

Eigentlich, sagen Hanno und Zaki, haben sie sich vom Gesetz zunächst gar nicht angesprochen gefühlt. „Für uns war es nie Zweckentfremdung“, sagt Hanno. Die Wohnung misst 160 Quadratmeter, ein Zimmer war immer für Gäste da, für Freunde, für Familie. „Bevor wir mit Airbnb anfingen, war es immer so leer hier“, sagt Zaki. „Wir nehmen doch niemandem Wohnraum weg, wenn wir jemanden bei uns übernachten lassen“, sagt Hanno.

Der Senator aber sieht das anders, am Donnerstag hat er auf den Brief geantwortet: „Niemand kann und möchte Ihnen verbieten, dass Sie unentgeltlich Gäste in Ihrer Wohnung aufnehmen.“ Er argumentiert, dass Vermieter hohe Mieten in Zukunft damit rechtfertigen könnten, dass ihre Mieter durch Plattformen wie Airbnb zusätzliche Einnahmen hätten. Darüber hinaus sei es egal, ob die „gewerbliche Nutzung von Wohnraum“ nun „hauptberuflich betrieben wird oder lediglich der gelegentlichen Erzielung von zusätzlichen Einnahmen dient“. Berlins Beliebtheit bei Touristen dürfe Vermieter und Mieter nicht verleiten, „maximale Renditen“ aus der Wohnungsknappheit zu schlagen.

Sechzig Euro kostet eine Übernachtung bei Hanno und Zaki. Dafür dürfen Gäste die Küche und das Bad mitnutzen, bekommen Tipps, Kaffee und manchmal auch ein gemeinsames Abendessen. Als die beiden die Wohnung vor zehn Jahren gekauft haben, waren die Immobilienpreise günstig. Beide waren Professoren und verdienten gut. Jetzt ist Hanno Pensionär und Zaki selbstständig. Es ist nicht so, dass Airbnb ihre Existenz sichert. „Aber es ist gut, dass es da ist“, sagt Zaki.

Es geht vielen Berlinern so wie Hanno und Zaki. Die Mieten steigen und die Menschen rücken zusammen, sie ziehen in Wohngemeinschaften oder vermieten ein Zimmer unter. Home Sharing ist für viele auch eine Möglichkeit, im Zentrum wohnen bleiben zu können. Airbnb sagt, dass der durchschnittliche Gastgeber 2500 Euro pro Jahr verdiene und 90 Prozent von ihnen nur eine Wohnung vermieten. 41 Prozent der Gastgeber sagten, dass sie sich die eigene Miete nur durch das Airbnb-Geld leisten können.

Der Senat hat das Gesetz gerade verschärft. Nun sollen die Plattformen verpflichtet werden, der Stadt die Daten ihrer Nutzern bereitzustellen, damit die Stadt besser gegen sie vorgehen kann.