Berlin - Ganz Berlin, ganz Brandenburg, das ganze Land – in diesem Fall ist das wohl keine Übertreibung – rätselten in den vergangenen Wochen, wann der BER wohl eröffnen kann. 2019, 2021, niemals? Der Mann, der die Verantwortung dafür trägt, das multipel gescheiterte Vorhaben noch zu irgendeinem Abschluss zu bringen, war da schon zwei Schritte weiter.

Als Flughafen-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup in dieser Woche dem Abgeordnetenhaus seine Pläne für den Flughafen erläutern sollte, begann er seinen Vortrag nicht etwa mit einem Problembericht über schlecht verkabelte Türen oder zu kleine Sprinklerleitungen. Lütke Daldrup zeigte stattdessen bunte Bilder von teuren Bürobauten.

Er erklärte seine Vision für das nächste Jahrzehnt. Eine „Airport City“ soll dann um den BER herumwachsen. „Der Flughafen muss sein Geld verdienen, deshalb ist die Immobilienentwicklung ein zentrales Thema für uns“, sagte Lütke Daldrup.

Ruppig ins neue Amt 

Wenn es schlecht läuft, wird man ihn vielleicht schon bald verhöhnen dafür, dass er im Jahr 2017 irgendeinen Gedanken an die Zeit nach der Eröffnung des BER verschwendete. Wenn es gut läuft, bleibt ihm zumindest das erspart. Dass Lütke Daldrup jemals gefeiert wird für das, was er am BER erreichen will, damit rechnet er wohl selbst nicht.

Ruppig ist noch eine freundliche Umschreibung dafür, wie er mit Michael Müller Anfang des Jahres seinen Vorgänger Karsten Mühlenfeld aus dem Amt drängte und schließlich als einziger Kandidat für die Nachfolge übrigblieb.

Lütke Daldrup hielt Mühlenfeld für überfordert, und er kann sehr unangenehm werden, wenn andere seine Erwartungen nicht erfüllen. Als Mühlenfeld in der höchst angespannten Lage vor einem Jahr – die Eröffnung Ende 2017, mit der man damals noch ernsthaft rechnete, stand auf der Kippe – kurzerhand und ohne Rücksprache seinen Technikchef feuerte, war die Eskalation nicht mehr zu stoppen.

Aus Sommer wurde Herbst

Jetzt hat Lütke Daldrup selbst den Job, den niemand ernsthaft anstreben kann. Pflichtgefühl dürfte ein Antrieb für ihn sein – Lütke Daldrup ist Sozialdemokrat und er gilt als höchst loyal, gerade seinem früheren Chef Michael Müller gegenüber.

Der hatte ihn fest eingeplant als Staatssekretär in der Senatskanzlei, der helfen sollte, die komplizierte Dreierkoalition auf Kurs zu halten. Doch gegen Chaos am Flughafen hilft keine Koalitionsdisziplin.

Nun also versucht Lütke Daldrup an der Baustelle und in der paralysierten Flughafengesellschaft, den Laden zusammenzuhalten. So wie er es sich vorgenommen hatte, hat das bislang nicht geklappt. Bis zum Sommer werde es einen Eröffnungstermin für den BER geben, versprach er bei seinem Antritt.

Aus dem Sommer wurde Herbst, auch der ist fast vorbei – und Lütke Daldrup hätte wohl noch länger am Terminplan gearbeitet, wenn nicht die Europäische Investitionsbank auf der Nennung eines Datums noch in diesem Jahr bestanden hätte.

Nie wieder kompliziert bauen

Einen Erfolg kann man die Festlegung auf den Herbst 2020 also nicht nennen. Trotzdem hat der Flughafenchef Fortschritte erzielt. Unter dem Druck des Volksentscheids zur Tegel-Offenhaltung trieb er die Planung für den Ausbau des BER voran, dessen Kapazität längst von den tatsächlichen Passagierzahlen überholt wurde.

Der sogenannte Masterplan zeigt einen Weg auf, wie der Flughafen wachsen kann, und er wird begleitet von einem Versprechen Lütke Daldrups. „Am BER werden keine weiteren komplexen Gebäude wie das Hauptterminal entstehen“, wiederholt er immer wieder.

Außerdem hat Lütke Daldrup beträchtliche Energie darauf verwendet, die fünf großen Baufirmen in die Pflicht zu nehmen, die noch am BER tätig sind.

Zumindest mit dem finnischen Unternehmen Caverion, das die Sprinkleranlage baut, hat er im November eine vertragliche Übereinkunft erreicht. Seitdem, so heißt es aus dem Aufsichtsrat, gingen die Arbeiten wesentlich schneller voran. Das nächste Jahr wird zeigen, ob der Rückstand noch aufzuholen ist.