Die neue Fahrradstaffel der Polizei hat ihre ersten Einsätze hinter sich. Die Polizisten im blau-grünen Radlerdress beteiligten sich an der Schwerpunktaktion zum Schutz von Radfahrern, für die am Dienstag erste Ergebnisse vorgelegt worden sind. In der vergangenen Woche hatten Polizisten an mehreren verkehrsreichen Kreuzungen kontrolliert. Dabei achteten sie darauf, ob Autofahrer vor dem Rechtsabbiegen über die Schulter nach hinten schauen, damit sie keinem Radfahrer in die Quere kommen.

424 Fahrer wurden von der Polizei gestoppt, weil sie sich falsch verhalten hatten, hieß es am Dienstag. „In 281 Fällen waren die Verstöße so eindeutig, dass Anzeigen gefertigt werden mussten“, teilte die Polizei mit. Täglich könne „massenhaft“ beobachtet werden, dass Rechtsabbieger geradeaus fahrende Radler in Gefahr bringen. „Fast die Hälfte aller Radfahrerunfälle mit tödlichem Ausgang resultierte in den vergangenen Jahren aus Kollisionen mit Rechtsabbiegern“, hieß es. 2013 kamen in Berlin neun Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben, in diesem Jahr waren es bislang sieben.

Bei der Schwerpunktaktion bekamen aber auch viele Radfahrer Anzeigen. Den Polizeibeamten in zivil, die als Beobachtungsposten eingesetzt waren, fielen vor allem zahlreiche Rotlichtverstöße auf – Radfahrer ignorierten Ampeln und fuhren bei Rot einfach weiter.

Blitz-Marathon Mitte September

Die Fahrradstaffel organisierte eigene Kontrollen. Die Resonanz auf ihre Einsätze fiel „sehr positiv aus“, hieß es. Wie berichtet, hat die Staffel, der fünf Polizistinnen und 15 Polizisten angehören, in der vergangenen Woche den Dienst aufgenommen. Eigentlich sollte sie schon Ostern anfangen, doch die Beschaffungen dauerten länger als gedacht. Weil die Fahrradsaison früh begann, waren die Lager bald leer gekauft – die Polizei hatte das Nachsehen. So musste sie die Ausschreibung für 20 Fahrräder wiederholen, weil es an dem relativ kleinen Auftrag kaum Interesse gab. Für die Anschaffung der Radlerbekleidung, die schließlich bei einem Hersteller in Sachsen bestellt wurde, musste auch mehr Zeit eingeplant werden.

Weitere Verkehrskontrollen sind geplant. So wird es am 18. und 19. September wieder einen Blitz-Marathon geben, bei dem an einer dreistelligen Zahl von Orten das Tempo gemessen wird. „Berlin nimmt an der bundesweiten Aktion wieder teil“, hieß es. Normalerweise gibt es im Berliner Straßenverkehr täglich 50 Geschwindigkeitskontrollen.

Im vergangenen Oktober hatte diese Form der Großkontrolle in Berlin Premiere. Mehr als tausend Beamte waren mit Laser- und Radargeräten im Einsatz, sie ermittelten an 254 Orten bei rund 78 500 Fahrzeugen das Tempo. 2 746 Autofahrer waren zu schnell unterwegs. Hoch war dieser Anteil nicht – überhaupt ist die Geschwindigkeitsmoral der Autofahrer in Berlin besser als ihr Ruf. Das ergab eine Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft und der Technischen Universität Berlin, die an einem Tag im April dieses Jahres an 19 Stellen in der Stadt das Tempo gemessen hatten.

Neuer Blitzer in Schöneberg

Ergebnis war, dass nur vier Prozent der Autos schneller fuhren als die erlaubten 54 Kilometer pro Stunde – Tempo 50 zuzüglich des anerkannten Toleranzwertes.

Trotzdem setzt die Polizei ihre Tempokontrollen fort und passt ihr Einsatzkonzept immer wieder an. Das gilt auch für stationäre Blitzer. Die Anlage an der Petersburger Straße in Friedrichshain wurde entfernt, dafür ist eine neue am Innsbrucker Platz (Schöneberg) geplant.