Berlin - Die Spuren rechter Propaganda sind nicht zu übersehen. In Johannisthal, im Berliner Südosten, tauchen immer wieder NPD-Plakate und -Aufkleber, Hakenkreuz-Schmierereien und rechtsextreme Slogans auf. Vor allem im südlichen Ortsteil sind viele Wände gezeichnet von rechter Propaganda.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz des Bezirks Treptow-Köpenick und die Initiative „Uffmucken“ organisierten am Mittwochabend einen Kiezrundgang, um die Gegend rund um Springbornstraße und Sterndamm von rechten Parolen zu säubern. Rund 100 Menschen rückten mit Spachteln und Reinigungsmitteln in Sprühflaschen an. Etwa eine Stunde lang beseitigten sie Aufkleber und Plakate. Es war bereits die zweite Putzaktion dieser Art.

Wie Yves Müller, einer der Organisatoren, mitteilte, hatte es in der Nacht zu Mittwoch einen Anschlag auf das Haus eines Putz-Aktivsten gegeben. Unbekannte hatten das Fenster seines Hauses mit einem Stein eingeworfen und den Briefkasten gesprengt. Der Bewohner, ein SPD-Politiker, engagiert sich seit Jahren gegen rechtsextreme Umtriebe in der Gegend.

Zeichen gegen Rechts setzen

Laut Müller ist Johannisthal keine typische Rechten-Hochburg. Bisher seien hier in erster Linie Propaganda-Delikte das Problem. Die benachbarten Ortsteile Oberschöneweide und Niederschöneweide sind dagegen für ihre rechtsradikale Szene bekannt. Dort gibt es die Nazi-Kneipe „Zum Henker“ und weitere rechte Treffs sowie den Laden „Hexogen“ des neuen NPD-Chefs Sebastian Schmidtke, in dem auch Waffen verkauft werden. Hans Erxleben, Sprecher des Bündnisses für Demokratie, hat jedoch beobachtet, dass immer mehr Rechte nach Johannisthal kommen.

„Es ist wichtig, rechtzeitig ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen“, sagte die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Treptow-Köpenick Ines Feierabend (Linke), die ebenfalls mitputzte. „Die Rechten wollen optisch ihr Territorium abstecken, aber da behalten wir den längeren Atem“, betonte Yves Müller.

Die erste große Putzaktion gab es vor etwa zwei Monaten. Auslöser war, dass zwei Jugendliche von Rechten angriffen und verfolgt worden waren, als sie Nazi-Aufkleber von einem Laternenpfahl entfernen wollten. Aus Solidarität rief das Bündnis für Demokratie zum Spaziergang und zur Reinigung der Wände auf. Damals kam es zu einem Zusammenstoß mit Rechten. Maskierte mit verbotenen Quarzhandschuhen, mit denen die Schlagkraft erhöht wird, attackierten die rund 50 Demokraten.

Langfristige Strategien gegen Neo-Nazis geplant

Am Mittwochabend blieb es während der Putzaktion friedlich. Rechte tauchten nicht auf. Rund zwei Dutzend Polizisten in Uniform und Zivil begleiteten den Rundgang. Zu den Demonstranten gehörten 25 Jugendliche aus Spanien, Portugal und Italien, die an einem Austauschprogramm des Kreisjugendrings Köpenick unter dem Motto „Let’s act against racism“ teilnehmen. Aber vor allem machten viele Menschen aus dem Bezirk mit. „Ich fühle mich von den Rechten hier bedroht“, sagte ein 27-Jähriger, der im Kiez wohnt. „Das Gefühl, ständig in Deckung gehen zu müssen, ist anstrengend.“ Es wäre schlimm, wenn sich die Menschen an den Anblick der rechten Propaganda gewöhnten, betonte ein 77-Jähriger. Deswegen belasse er es auch nicht beim einmaligen Putzen. Jeden Tag, wenn er zum Einkaufen gehe, habe er eine Spachtel dabei, um Aufkleber entfernen zu können.

Es werde wohl nicht lange dauern, bis neue Aufkleber und Poster im Kiez auftauchen, sagte Hans Erxleben. Doch dann werde man auch diese entfernen. Darüber hinaus will das Demokratie-Bündnis nun einen Runden Tisch einrichten. Er soll langfristige Strategien gegen Rechts entwickeln.