Berlin - Jetzt sind Berlins Radfahrer gefragt. Wo gibt es gefährliche Kreuzungen? An welchen Einmündungen ist die Sicht versperrt? Wo kommen Abbieger Fahrrädern in die Quere? Solche Gefahrenstellen können auf einer neuen Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gemeldet werden. Schon am Dienstag, dem ersten Tag, wurden mehr als 100 Knotenpunkte genannt. „Wir setzen auf ein breites öffentliches Beteiligungsverfahren, um ein wichtiges Thema zu bearbeiten – Abbiegeunfälle zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrenden“, teilte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) mit. „Eine gute Sache“, sagte Bernd Zanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Doch die Problemlösungen liegen längst auf dem Tisch.“

Trotz großer Anstrengungen hat der Senat sein Ziel, die Zahl der schweren Verkehrsunfälle deutlich zu senken, bislang nicht erreicht. Und immer noch ist das Risiko, als Radler unter die Räder zu kommen, größer als für andere Verkehrsteilnehmer. „2012 verunglückte alle zwei Stunden ein Radfahrer in Berlin“, so Gaebler. 35 Prozent der Menschen, die bei Unfällen ums Leben kamen, waren per Rad unterwegs. Abbiegende Fahrzeuge sind eine Gefahr. Zanke: „Von den 52 Radfahrern, die in den vergangenen fünf Jahren in Berlin starben, kamen 20 durch Abbieger ums Leben – meist durch rechts abbiegende Lkw.“

ADFC: Lösungen sind längst klar

Nun will sich der Senat verstärkt um dieses Problem kümmern – was allerdings erst durch die 60 000 Euro, die das Bundesverkehrsministerium als Zuschuss gab, möglich geworden ist. Auf der Webseite können Unfallstellen gemeldet werden, aber auch Kreuzungen, an denen es oft Beinahe-Unfälle gibt. Autofahrer können sich ebenfalls beteiligen. „Wir wollen einen Überblick über alle Konfliktschwerpunkte, an denen sich Radfahrer bedroht fühlen“, so Gaebler. Der Online-Dialog, den die Agentur Zebralog moderiert, ist Teil eines Bundesprojekts. Es soll einen Leitfaden entwickeln, wie Abbiegeunfälle verhindert werden können. Der Senat will die 20 Kreuzungen, die am häufigsten gemeldet werden, besonders intensiv prüfen.

„Dabei ist klar, was an solchen Gefahrenstellen unternommen werden müsste“, so Zanke. Ampeln sollten so geschaltet werden, dass sich Abbieger und Radfahrer nicht mehr in die Quere kommen. Radler würden auch von speziellen Wartezonen an den Ampeln profitieren, die vor denen der Autos markiert werden. Doch die Behörden seien überfordert, auch die einzige Berliner Verkehrsunfallkommission komme mit der Arbeit kaum nach.

Das neue Internetportal ist bis zum 10. Dezember geschaltet: www.radsicherheit.berlin.de