Berlin - Seltsam: Während die straff organisierte Politik in Parteien und Verbänden zur schamlosen Selbstüberhöhung neigt, nichts Großartigeres und Herrlicheres kennt als die eigenen Beschlüsse, Taten und Programme – so tendiert der gemeine Wutbürger meist zur Selbstzerfleischung. Viel gekämpft, doch nichts erreicht, die da oben machen ja ohnehin, was sie wollen: So lautet offenbar auch das offizielle Zwischenfazit der Initiative „Mediaspree versenken“, die 2008 ein fulminant erfolgreiches Bürgerbegehren gegen die einseitig investorenfreundlichen Bebauungspläne an der Spree organisierte.

Nun, wenn sie sich schon nicht selbst loben können, dann wollen wir es tun. „Mediaspree versenken“ ist eine der folgen- und auch segensreichsten Bürgerinitiativen gegen den Ausverkauf innerstädtischer Grundstücke an die größten, schönsten und vor allem meistbietenden Investoren. Geplant war die Uferbebauung verwalterisch noch im alten Stil, also à la Stuttgart 21, mit erstarrter und überformalisierter Bürgerbeteiligung, die Mitsprache und auch Protest so lange in Verfahrensfragen wegorganisiert, bis sie wirkungslos sind. Das ist jetzt anders, und es ist besser als vorher: Die Leute haben mit den Begehren ein hervorragendes Instrument, um auf ihre Interessen aufmerksam zu machen. Die Politik reagiert längst, nicht nur an der Spree, auch beim Wasser, bei den Mieten, den Kitas.

Trotzdem werden dadurch nicht auf einmal alle Bürgerwünsche wahr. Sie sind ja auch höchst unterschiedlich und schon gar nicht immer gut. Der Kampf um Interessen, Lebensraum gegen Rendite etwa, der höret nimmer auf.