Berlin - Sein Fazit klingt nicht gerade berauschend: „Wir haben mit dem Bürgerentscheid einiges erreicht, fühlen uns aber noch immer nicht ernst genommen von der Politik“, sagt Robert Muschinski. Der 50-Jährige, der unter diesem Künstlernamen auftritt, ist Mitglied der Initiative „Mediaspree versenken!“. Vor vier Jahren war die in Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Bürgerentscheid gegen die Pläne der Mediaspree erfolgreich. Für den Sonnabend, zum 4. Jahrestag ihres Erfolgs, wird erneut zum Aktionstag gerufen. Gemeinsam mit Kiezprojekten aus Neukölln, Prenzlauer Berg und weiteren Teilen Berlins soll „gegen den Ausverkauf der Stadt“ demonstriert werden.

„Wir wollen auf die zunehmende Verdrängung von Menschen aus der Innenstadt durch Mieterhöhungen aufmerksam machen“, sagt Muschinski. Am Kottbusser Tor in Kreuzberg seien bereits existenzielle Notsituationen entstanden. „Und die Politik tut nichts.“ Es gehe auch darum, dass in Berlin immer mehr Freiflächen verschwinden. Die Lebensqualität nehme ab, „weil die Stadt ihre letzten Grundstücke verschachert“. Beim Aktionstag gehe es um eine solidarische Stadtpolitik im Interesse der Bürger.

Muschinski und seine Mitstreiter verstehen sich als Vertreter aller Betroffenen. Ob A 100, BER oder Coca-Cola-Zentrale – nichts findet vor ihnen Gnade. Die Geschmacklosigkeit auf ihrem Flyer, auf dem ein Flugzeug Kurs auf zwei Hochhäuser nimmt, wird jedoch mit Schulterzucken registriert. Die Devise der Initiative „Wir gucken genau hin“ scheint nur für andere zu gelten.

Einen solchen Ort glauben die Protestler am Treptower Spreeufer ausgemacht zu haben. Neben dem Allianz-Tower will ein Investor Wohnungen und ein Hotel bauen. Der Bebauungsplan von 1994 gestattet dort drei Hochhäuser. Für „Mediaspree versenken!“ nicht akzeptabel. Was wirklich gebaut werden soll, wird vom Investor und vom Bezirksamt Treptow-Köpenick bislang geheim gehalten. „Hinterzimmer-Geschacher“ nennen dies die Protestler. Deshalb soll der Demozug auch am Allianz-Tower Halt machen. Denn es gehe – wie beim Bürgerentscheid vor vier Jahren – um Teilhabe an Politik. Selbst im basisdemokratisch funktionierenden Friedrichshain-Kreuzberg gebe es da noch Defizite: „Was nützt es, wenn trotz Bürgerentscheid weitere Hochhäuser gebaut werden?“ Zwar bemühe sich der grüne Bürgermeister um Änderungen, doch seien die Ergebnisse eher dürftig. So werde auch die Forderung eines 50 Meter breiten freien Uferstreifens nirgends verwirklicht. Dabei ist an vielen Stellen das Spreeufer gar keine 50 Meter breit.

Auch das Argument, Investoren müssten entschädigt werden, wenn sie weniger bauen dürften, lassen die Protestler nicht gelten: „Für den Großflughafen muss Berlin Milliarden nachzahlen. Da sind Entschädigungen, die wirklich im Interesse der Bürger wären, Peanuts.“

Der Aktionstag am Sonnabend beginnt um 14 Uhr an der Warschauer Brücke. Nach 7,5 Kilometern und 7 Kundgebungen ist gegen 22 Uhr am Schlesischen Tor Schluss. Infos: www.ms-versenken.org