Der Autor Eliyah Havemann befestigt eine zuvor abmontierte Stahlplatte wieder auf der umstrittene Stahlsäule des Künstlerkollektivs. (5.1.2020).
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinAktivisten haben mit einer überraschenden Aktion in Berlin versucht, die umstrittene Stahlsäule des Künstlerkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) abzubauen. Eine Gruppe von etwa 20 Menschen, darunter auch jüdische Aktivisten, begann am Sonntagmittag, die gegenüber dem Reichstagsgebäude aufgestellte Säule zu demontieren. Die Polizei brach die Aktion ab.

Das für umstrittene Aktionen bekannte ZPS-Kollektiv hatte die Säule Anfang Dezember auf dem Gelände der früheren Krolloper gegenüber dem Reichstagsgebäudes aufgestellt. Die Aktion war von Beginn an heftig umstritten, weil das Kollektiv behauptet hatte, die Stahlsäule enthalte Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis. Die Verwendung von Asche jüdischer Opfer wäre ein Verstoß gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe.

Die Asche hatte das ZPS nach den Protesten nach eigenen Angaben entfernt und an die Orthodoxe Rabbinerkonferenz übergeben, die sie demnach auf einem jüdischen Friedhof beisetzte.

Mit Asche von Opfern des Holocaust sollte man keine Kunst und Politik machen.

Eliyah Havemann

Die Aktivisten, die sich als Aktionskünstler Komitee bezeichneten, wollten die Säule nach eigenen Angaben abbauen, „um sie anschließend an einen geheimen Ort zu bringen“. Zu der Gruppe gehörte auch der Autor Eliyah Havemann. „Mit Asche von Opfern des Holocaust sollte man keine Kunst und Politik machen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur zur Begründung. Zudem sei er persönlich betroffen. Es bestehe die theoretische Möglichkeit, dass Asche seines Großvaters darunter sei. Dagobert Biermann, Vater des Sängers Wolf Biermann und Großvater Havemanns, war im Konzentrationslager Auschwitz von den Nazis ermordet worden.

Die Aktivisten hatten eine Israel-Fahne dabei und dokumentierten den Abbau auf Twitter. „Wer Leid konsumierbar macht, ist Teil des Problems“, stand auf einem Banner mit Antifa-Logo. Nach dem gescheiterten Abrissversuch bleibt die Säule nun vorerst am ursprünglichen Ort stehen.

Das ZPS war nach eigenen Angaben nicht informiert und will gegen die Aktion vorgehen. „Wir werden das auf deren Kosten wieder instand setzen“, hieß es vom ZPS. Wegen Sachbeschädigung sei Anzeige erstattet worden, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sei eine Demontage der Säule unterbunden worden. Zu beobachten war, dass der zuvor entfernte obere Teil der Stele wieder aufgebaut wurde. Teile eines Bauzauns, der um die Säule herum aufgestellt worden war, wurden wieder aufgestellt.

Die Stadtbezirksverwaltung hatte den Verantwortlichen nach eigener Angabe eine Frist zu Beseitigung der inzwischen einbetonierten Säule bis 20. Dezember gesetzt. Dagegen hat das ZPS Widerspruch eingelegt.