Berlin - Bei der letzten Al-Kuds-Demonstration in Berlin wurde wieder die Vernichtung Israels gefordert – wenn auch  etwas verklausulierter. Zu diesem Schluss kommen die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), das Register Charlottenburg-Wilmersdorf, das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus und Research and Documentation. 

Die Mitarbeiter der vier Organisationen werteten in den vergangenen Tagen die skandierten Parolen und die in Arabisch und Farsi gezeigten Losungen der Demo aus, die am 23. Juni mit mehreren Hundert Teilnehmern über den Kurfürstendamm zog.

Iranische Politiker mit dabei

Vertreter Irans, das bekanntlich Israel vernichten will, verbreiteten bei der Demo massenhaft dschihadistische Propaganda. Wie früher schon liefen Vertreter der Islamischen Republik Iran mit, unter anderem Hamidreza Torabi vom Islamischen Zentrum Hamburg (IZH). Neu war, dass ein  Mann mit einem Aufnäher der Revolutionsgarden Poster verteilte, die für den bewaffneten Kampf gegen Israel warben.

Mehrere Plakate bedienten eine Rhetorik, die sich an Kämpfer der Hizbollah richtet. Eine Losung forderte militärische Rache für den angeblich durch Israel  getöteten Hizbollah-General Imad Mughniya. Laut  RIAS sagte ein Vertreter des „Demokratischen Komitees Palästinas e.V. gegenüber Al-Manar, einem in Deutschland verbotenen Hizbollah-Sender: „Wir rufen alle Muslime zu Widerstand mit allen Mitteln zur Befreiung von Falastin (Palästina, d.R.), vom Meer bis zum Fluss.“

Anschluss an die linke Szene Berlins

Geworben wurde unter anderem für die Terrororganisation „Popular Front for the Liberation of Palestine“. Auf der Kundgebung sprach ein Vertreter der „Demokratischen Komitees Palästinas e.V.“, die  Anschluss an linke, internationalistische politische Szenen Berlins suchen. Sie gehörten zu den Aufrufern zu der Demo des Internationalistischen Blocks am 1. Mai in Berlin.

Am Breitscheidplatz hielten die Demonstranten eine Gedenkminute für die Opfer des Terroranschlags ab.  Ein Imam rezitierte eine Sure, in der Muslime aufgefordert werden, sich  dem vermeintlich irreführenden Glauben von Juden und Christen zu widersetzen. 

Unterteilung in gute und schlechte Juden

Nach antisemitischen Pöbeleien und Angriffen auf Gegendemonstranten  im Jahr 2014 achteten die Veranstalter dieses Mal auf ihre Wortwahl. Offen antisemitische Plakate stellte RIAS  nicht fest. Dennoch wurde Israel dämonisiert. So wurde behauptet, Israel töte „alle 3 Tage“ ein Kind.  Die Unterteilung in gute anti-zionistische, „israel-kritische“, „echte Juden“ und „Zionisten“, die keinen richtigen jüdischen Glauben hätten, sei einer der roten Fäden  des diesjährigen Marsches gewesen.

Jürgen Grassmann, langjähriger Organisator der Al-Kuds-Demo, präsentierte zu Beginn drei Vertreter der jüdischen antizionistischen Sekte Neturei Karta vor, die wie immer an der Eröffnungskundgebung der Demo teilnehmen. Vom Lautsprecherwagen gab Grassmann vor, wer ein "richtiger Jude" sei. "Die Juden sind unsere Brüder. Aber nur die gläubigen Juden. Nur die Juden, die auch gegen Israel sind, die aufstehen gegen den Zionismus, das sind richtige Juden."

„Das zentrale Anliegen des Kudstag-Marsch ist die Beseitigung Israels", sagt Benjamin Steinitz, Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus. „Auch wenn das Auftreten nach einigen Gesichtspunkten wie Gewaltanwendung und offenem Antisemitismus gemäßigter erscheint, versteht sich die veranstaltende Kuds-AG als Beschleuniger für die Abschaffung Israels."

„Die Embleme und Symbole, unter anderem der iranischen Revolutionsgarden und der Hisbollah, unterstreichen, wie eng die  Demonstration ideologisch und organisatorisch mit Teheran verbunden ist. Also durch ein Regime, dass regelmäßig zur Zerstörung Israels aufruft“, sagte Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Commitee Berlin. „Bemerkenswert ist, dass an der Spitze des Aufzuges Hamidreza Torabi  lief, der noch vor wenigen Wochen Gast im Auswärtigen Amt war.“