Die Größe eines Erfolgs lässt sich an solchen Erlebnissen ermessen. Während unseres Gesprächs im Restaurant Dressler am Kurfürstendamm wird der Berliner Schauspieler René Steinke von den Nachbartischen aus beobachtet. In dem Moment, in dem wir erkennbare Anstalten machten, uns voneinander zu verabschieden, stehen plötzlich Österreicher vor ihm und bitten um gemeinsame Fotos. Die sehen in ihm immer noch den Actionhelden Tom Kranich aus „Alarm für Cobra 11“, was Steinke kein bisschen stört, im Gegenteil.

Natürlich posiert er freundlich und geduldig für Fotos. Auch dankbar. Diese Serie „Cobra 11“ hat ihm seine Eigentumswohnung im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg finanziert. Während er noch dafür vor der Kamera stand, bekam er kostenlos einen Porsche vor die Tür gestellt. Inzwischen fährt Steinke Kombi: „Mein Hund ist so groß!“ Bei „Alarm für Cobra 11“ hatte Steinke zweimal einen ersten Drehtag. Nach seinem ersten Abschied von der Serie wurde er nämlich zurückgeholt. Diese Gefahr schien durch die Art seines zweiten Abschieds – er wurde im Dienst bei der Autobahnpolizei erschossen – gebannt. Sollte man meinen, würde damit die Fantasie von Leuten in Produktionsfirmen allerdings stark unterschätzen: „Zwei Jahre nach meinem Serientod haben die wieder angerufen und gefragt, ob ich zurück komme.“ Sein fundierter Einwand („Aber ihr habt mich doch erschossen!“) wurde lässig abgetan: „Das konnte ja auch vorgetäuscht sein, um Dich ins Zeugenschutzprogramm zu nehmen.“ Steinke hat das nicht mitgemacht.

42 Vorstellungen am Stück

Dieser Tage steht er Abend für Abend und noch bis zum 25. Mai in dem Stück „Doppelfehler“ auf der Bühne der Komödie am Kurfürstendamm. 42 Vorstellungen am Stück – er bezeichnet die Herausforderung als „sportlich“ und erinnert sich: „Ich habe früher mal von einem Stück 50 Vorstellungen gespielt, die waren allerdings über zwei Jahre verteilt.“ Das Theaterangebot kam, als Steinke gerade für die Serie „Danni Lowinski“ vor der Kamera stand. „Ich hatte sofort Lust.“ Nun steht er also zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder auf der Bühne. Damals war er an der Volksbühne. „Ich bekam ein Angebot für die Serie ,Der Landarzt' und dachte: Ich bin am Theater des Jahres, spiele Hauptrollen ... Dann gingen die Dreharbeiten los und ich wollte nicht mehr zurück zum Theater.“

Auf seinem Weg in den Beruf hatte Steinke Beharrlichkeit bewiesen. Nach einer Schulaufführung war eine Lehrerin der Meinung, dass er Schauspieler werden müsste. Steinke bewarb sich noch als Schüler beim Rundfunk und beim Defa-Studio. Er sprach immer wieder Rollen in Hörspielen, absolvierte dann aber erst mal eine Lehre zum Facharbeiter für Nachrichtentechnik. Im zweiten Lehrjahr bekam er da monatlich 700 DDR-Mark. Steinke ging zum Test an die Schauspielschule Ernst Busch, war in seinem Engagement allerdings ein wenig durch die Information gebremst, dass die Anfangsgage für Schauspieler nach jahrelangem Studium 660 Mark beträgt. „Richtige Leidenschaft für den Beruf konnte ich damals nicht mobilisieren.“ Trotzdem ging Steinke Jahr für Jahr zur Aufnahmeprüfung an der Busch-Schule. „Im Bus auf dem Weg zum Vorsprechen hieß es dann schon: Der René ist wieder da!“ Dann rückte die Altersgrenze immer näher, bis zu der an der Busch-Schule Schauspielstudenten aufgenommen werden. Steinke erinnert sich: „Ich wurde 26 und entschied: Ich versuche es noch mal. Sonst mache ich mir ewig Vorwürfe.“ Er beschloss, die Sache diesmal richtig anzugehen. „Bis dahin hatte es mir immer gereicht, wenn ich den Text zum Vorsprechen auswendig konnte.“ Er ging zu einem Mitglied der Prüfungskommission und fragte, warum er in den vergangenen Jahren durchgefallen ist. Am Ende war es dann auch von Vorteil, dass die anderen Mitbewerber lauter siebzehnjährige Jungs waren, die im Leben noch nichts erlebt hatten. Steinke konnte auch durch Lebenserfahrung punkten.

Besonnenheit gelernt

Damals hatte er seinen Job als Nachrichtentechniker schon gekündigt und arbeitete als Rettungssanitäter. „Die Befriedigung, die mir diese Arbeit gebracht hat, wenn ich jemanden im Krankenhaus ablieferte, der wegen mir überlebte, spürte ich danach nie wieder. Auch nicht in der Schauspielerei.“ Diese Zeit auf dem Rettungswagen bringt ihm bis heute viel: „Ich habe Besonnenheit gelernt. Und weiß seitdem, wie man Leute beruhigt.“ In „Doppelfehler“ steht René Steinke gemeinsam mit Sonsee Neu auf der Bühne. Das TV-Publikum kennt diese Konstellation gut, denn sie spielt in der Serie „Pastewka“ die Freundin von Bastian Pastewka, er steht als ihr Ex vor der Kamera. An der Komödie wird diese Grundsituation geschickt aufgenommen. Beide spielen ein Paar, das sich vor Jahren trennte, es nun aber noch mal miteinander versucht.

René Steinke weiß genau, wofür er sich Abend für Abend auf der Bühne abstrampelt: „Mein Ziel: Die Leute gehen mit einem großen Grinsen raus und sagen: Was für ein Spaß!“