Sozialwohnungen vom Discounter

Konkurrent Lidl hat bereits damit begonnen, nun zieht Aldi nach: Über den Supermärkten sollen Wohnungen gebaut werden – auch Sozialwohnungen zu 6,50 Euro je Quadratmeter kalt.

Berlin-Eingeschossige Supermärkte bestimmen vielfach das Bild in Städten wie Berlin, Hamburg und München. Angesichts knapper werdender Bauflächen wächst deswegen in der Politik der Wunsch, die Grundstücke besser zu nutzen – und Wohnungen über den Flachbauten zu errichten. Die großen Discounter sind dazu bereit. Berlin rückt dabei ins Zentrum der Umbau-Planungen.

Auf den Dächern der Aldi-Discounter sollen in Berlin Wohnungen entstehen (Symbolbild).
Auf den Dächern der Aldi-Discounter sollen in Berlin Wohnungen entstehen (Symbolbild).Imago Images / STPP

Der Discounter Lidl hat schon angefangen, Verkaufsstellen in Berlin mit Wohnungen zu überbauen, jetzt folgt Branchen-Riese Aldi. Bis zu 2000 Wohnungen will Aldi in den nächsten Jahren im Großraum Berlin errichten, wie ein Unternehmenssprecher jetzt bekräftigte.

„Leuchtturmprojekte“ in Lichtenberg und Neukölln

Dabei sollen nicht nur frei finanzierte Wohnungen zu günstigen Mieten auf den Markt kommen ��� Aldi will auch Sozialwohnungen errichten. Die Sozialwohnungen sollen bei den ersten Vorhaben zu Mieten von 6,50 Euro je Quadratmeter kalt angeboten werden, so der Unternehmenssprecher, die übrigen Wohnungen zu Mieten von 10 bis 12 Euro je Quadratmeter offeriert werden. Aldi hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, in den Bau von Wohnungen einzusteigen. Mittlerweile sind die Pläne konkretisiert worden.

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Die ersten beiden „Leuchtturmprojekte“ von Aldi sollen nach Angaben des Unternehmens an der Sewanstraße in Lichtenberg und an der Silbersteinstraße in Neukölln entstehen. Diese Vorhaben befänden sich derzeit „in der Vorbereitung“ und sollen bis 2021 realisiert werden. Darüber hinaus seien rund 15 weitere Projekte geplant. Zwei davon seien bereits in Bau. Darunter ein Projekt mit zwölf Wohnungen an der Oranienburger Straße in Reinickendorf sowie ein weiteres mit 34 Wohnungen an der Georg-Hermann-Allee in Potsdam.

Aldi wolle Sozialwohnungen nicht nur dort bauen, wo es im Rahmen von Bebauungsplanverfahren sowieso dazu verpflichtet sei, sondern auch „freiwillig“ errichten, betont der Unternehmenssprecher. Ob Aldi die Wohnungsbauförderung des Landes Berlin nutzen wird, ist offen. „Wir begrüßen das Förderprogramm, um Investoren und Bauherren bei der Erstellung von sozialem Wohnraum zu unterstützen“, sagt der Unternehmenssprecher. „Wir sind jedoch bereit, freiwillig ohne die Inanspruchnahme öffentlicher Gelder, die Vorgaben für den sozialen Wohnungsbau einzuhalten.“

Aldi verknüpft die Pläne zum Bau von Wohnungen mit dem Wunsch nach einer Vergrößerung seiner Verkaufsflächen. Während die älteren Aldi-Märkte eine Verkaufsfläche von durchschnittlich 600 bis 800 Quadratmetern haben, sollen die neuen eine Verkaufsfläche von rund 1200 Quadratmetern haben. So ergebe sich am Ende ein „Vorteil für beide Seiten“, sagt der Unternehmenssprecher: Berlin erhalte bezahlbaren Wohnraum, Aldi großflächige Verkaufsstellen.

Baubeginn spätestens Ende des Jahres

Aldis Konkurrent Lidl hat nach eigenen Angaben deutschlandweit bereits über zehn Objekte realisiert, bei denen Wohnungen über Läden errichtet wurden. In Berlin in der Bornholmer Straße und in der Prenzlauer Allee. „Derzeit haben wir verschiedene Projekte für Filialen mit Wohnbebauung in der Vorbereitung, unter anderem in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt“, teilte Lidl auf Anfrage mit.

Spätestens gegen Ende des Jahres solle an zwei Standorten in Berlin und Hamburg der Bau beginnen. Lidl will wie Aldi „an verschiedenen Standorten Sozialwohnungen“ errichten. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zeigt sich über das Engagement der Privaten erfreut. „Ganz hervorragend“ sei das, sagt sie.